Mehr Zeit für die SeelsorgeBefreit von Verwaltungsaufgaben gestaltet der Pfarrvikar die Pastoral vor Ort

Pfarrvikar Konrad Heil. Foto: Herrmann

Glaubensabend im kleinen Pfarrsaal der Kirchengemeinde Heilige Familie in Berlin-Lichterfelde. Foto: Herrmann

„Überlegen sie: Welche Eigenschaften können Gott zugeschrieben werden?“ fragt Pfarrvikar Konrad Heil in die Runde. Nach kurzem Zögern zählen die versammelten Frauen und Männer göttliche Attribute auf: „Verzeihend“, „Gerecht“, „Ewig“, „Allmächtig“, „Strafend“, „Treu“, „Groß“, „Gut“, „Allumfassend“ Am Ende überrascht der Priester die Gruppe: „In der Bibel ist es die Barmherzigkeit, die mit am häufigsten Gott zugesprochen wird. Immer wieder heißt es: Gott ist gnädig und barmherzig.“

Glaubensabend im kleinen Pfarrsaal der Kirchengemeinde Heilige Familie in Lichterfelde: Auf dem Tisch stehen Brot und Wein, Melonenstücke und Wasser. 15 Interessierte haben sich eingefunden. Michael Meier-Brügger hat den Abend vorbereitet. Pfarrvikar Heil nimmt an dem Treffen ganz selbstverständlich teil, gibt theologische Impulse, geht auf Fragen der Gläubigen ein. „Es ist die Art, wie er die Leute anspricht. Er brennt förmlich dafür, die Menschen für den Glauben und die Gemeinde zu begeistern. In den letzten Jahren hat er viel bewegt. Wir sind eine lebendige Gemeinde geworden“, zeigt sich Alfred Müller von Konrad Heil beeindruckt. Der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats schätzt die Arbeit und das Engagement des Priesters. „Er unterscheidet sich kaum von einem Pfarrer, außer, dass er vielmehr Zeit hat für die Seelsorge und die Menschen vor Ort.“

Neues im Kontakt mit den Menschen

Pfarrvikar Heil begleitet in Heilige Familie die Vorbereitungsgruppen für Schülergottesdienste, Erstkommunionvorbereitung und Firmkatechese. Er geht in die Kita und zur Seniorengruppe, führt Trau- und Taufgespräche, beerdigt und macht alles, „was sich um die Seelsorge dreht“. Daneben bringt er mit der „Mitmachgemeinde“ einen neuen Impuls in die Pastoral vor Ort ein. „Neues entsteht nicht vom Schreibtisch aus, sondern vor allem im Kontakt mit den Menschen“, ist Pfarrvikar Heil überzeugt. „Sie begleite ich dabei, ihre Potenziale zu erkennen und auszuschöpfen.“ Neben den monatlichen Glaubensabenden gibt es in Heilige Familie mittlerweile auch einen Bibelkreis, eine Nähstube, einen Familienchor, ein Treff für Alleinerziehende und ein Trauercafé.

Heil gehört als Pfarrvikar zu jener neuen Berufsgruppe unter den Priestern im Erzbistum, die in den kommenden Jahren anwachsen wird. Reduziert sich die Zahl der Pfarreien im Rahmen des Pastoralen Prozesses „Wo Glauben Raum gewinnt“ von 105 auf rund 34, reduziert sich dementsprechend auch die Zahl der für eine Pfarrei vollverantwortlichen Pfarrer. Nun hat das Erzbistum „Grundlagen für Dienst und Einsatz von Priestern als Pfarrer, Pfarrvikar und Kaplan“ verabschiedet. Daraus geht hervor, was künftig unter einem Pfarrer und was unter einem Pfarrvikar zu verstehen ist.

Der Pfarrer

Der Pfarrer leitet eine Pfarrei. Er steht mit seinem Amt für die Einheit der Pfarrei und die Einheit mit dem Erzbistum. Dazu heißt es in dem Dokument: „Zu seinem Amt gehört es, dafür Sorge zu tragen, dass die Pfarrei mit ihren Gemeinden und den auch strukturell zu ihr gehörenden Orten kirchlichen Lebens ihrer eigentlichen Berufung der Erfüllung der Grunddienste und der Evangelisierung gerecht wird und somit zu ihrer tiefsten Identität findet.“

Als Seelsorger bestimmt der Pfarrer die theologisch-spirituelle Dimension der Pastoral und begleitet vor allem Gremien und Gruppen der Pfarrei wie auch die ehrenamtlichen und hauptamtlichen pastoralen Mitarbeiter. Als Leiter habe er einen „differenzierten und kooperativen Leitungsstil“ zu pflegen, legen die Verfasser des Dokumentes großen Wert auf die zielorientierte Zusammenarbeit im Pastoralteam. „Die Leitung nimmt er in Kooperation mit den Geistlichen, Pastoralen Diensten und den übrigen kirchlich Engagierten, denen ein besonderer Dienst übertragen worden ist, wahr.“

Der Pfarrvikar

Der Pfarrvikar hat am „Leitungs-, Priester- und Hirtenamt des Pfarrers in Absprache und in Verantwortung des Pfarrers Anteil“. Sein direkter Vorgesetzter ist der Pfarrer, der das Pastoralteam der Pfarrei leitet.

Der Pfarrvikar soll weitgehend von pfarrlichen Verwaltungsaufgaben befreit sein und wird vom Pfarrer mit der Seelsorge für verschiedene Bereiche beauftragt, die er eigenständig verantwortet. So kann er zum Beispiel die priesterliche Leitung einer oder mehrerer Gemeinden einer Pfarrei übernehmen. Er muss aber in jedem Fall mindestens eine Aufgabe übernehmen, die die gesamte Pfarrei betrifft. Entlastet von Verwaltungsverantwortung soll ein Pfarrvikar sich vordringlich auf die Seelsorge bei den Menschen konzentrieren können.

Dass er als Pfarrvikar von Bau-, Personal- und Finanzfragen entlastet ist, dass er sich nicht um die Verwaltung der Kita und der Friedhöfe kümmern muss, dafür ist Pfarrvikar Heil dankbar. Allerdings bestehe stets die Gefahr, als Priester im Pfarrhaus vor Ort immer wieder in diese Fragen hineingezogen zu werden. Man müsse sich daher als Pfarrvikar klar abgrenzen, betont Heil. Ein Pfarrvikar bleibt trotz eigenverantwortlicher Seelsorgearbeit immer dem leitenden Pfarrer einer Pfarrei weisungsgebunden. Daher sei es notwendig, die eigenen Freiräume mit dem leitenden Pfarrer klar abzustecken. Das schütze vor Kompetenzstreitigkeiten unter den Priestern und biete Klarheit für die Gemeinde.

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