Mitten in „Gemeinschaften der Gemeinden“Erzbistum Berlin zu Besuch in Aachen

Über die Leitung von Pastoralen Räumen sowie die Beteiligung von Laiengremien informierten sich Vertreter des Erzbistums Berlin in Aachen.

Pfarrfusionen und Pfarrverbünde, beide Modelle, die in deutschen Diözesen angewandt werden, um Pastorale Räume zu schaffen, sind im Bistum Aachen verwirklicht. Die 71 sogenannten „Gemeinschaften der Gemeinden“ der Diözese im äußersten Westen Deutschlands entstanden entweder aus der Fusion von Pfarreien oder aus der engen Zusammenarbeit weiterhin selbständiger Pfarreien in einem Kirchengemeindeverbund. Welche strukturellen Konsequenzen dies mit sich bringt, darüber informierten sich die Verantwortlichen des Berliner Prozesses „Wo Glauben Raum gewinnt“. Stabstellenleiter Markus Weber sowie Markus Papenfuß reisten hierzu nach Aachen und sprachen mit Pfarrer Rolf-Peter Cremer, Leiter der Hauptabteilung Pastoral/Schule/Bildung und verschiedenen Mitarbeitern.

Vom Pfarrverbund zur Pfarrfusion

Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts strukturierte sich das Bistum Aachen völlig neu. Es löste seine Dekanate auf und richtete acht Regionen ein. Es entwickelte aus 531 Pfarreien und Pfarrvikarien bis zum 1. Januar 2010 71 „Gemeinschaften der Gemeinden“ (GDG), die die Kirche am Ort abbilden. Dabei konnten sich die Pfarreien in einer ersten Phase frei entscheiden, ob sie als Verbund selbständiger Pfarreien kooperieren oder ob sie fusionieren möchten. In einer zweiten Phase ordnete der Bischof an, dass insbesondere Kirchengemeindeverbünde in den Großstädten fusionieren müssen. Vier eigens eingerichtete Verwaltungszentren entlasten als umfassender Dienstleister die Finanz-, Personal-, Bau- und Liegenschaftsverwaltung die Pfarreien.

„Heute wissen die Verantwortlichen im Bistum Aachen, dass der erste Schritt, zunächst auf Pfarrverbünde zu setzen, zu kurz gedacht war. Fusionen schaffen klare Strukturen und Verantwortlichkeiten und überfordern nicht die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Nachhinein nun noch einmal Fusionsprozesse anzustoßen, wird zu einer großen Belastung für die Gemeinden“, berichtet Weber von den Gesprächen. Das Modell des Pfarrverbundes, so der Leiter der Stabsstelle „Wo Glauben Raum gewinnt“, sei nur eine Zwischenstation auf dem Weg zur Pfarrfusion, mit zahlreichen Nachteilen. „Die Doppelstrukturen von Gemeindeverbünden sorgen für eine deutliche Mehrbelastung einiger weniger Haupt- und Ehrenamtlichen. Neben den Pfarrgemeinderäten gibt es dann auch Verbundräte, neben den Kirchenvorständen auch die Sitzungen des Kirchengemeindeverbandes.“ Zudem konnten die Verantwortlichen im Bistum Aachen die Erfahrung machen, dass sich die Zusammenarbeit zwischen den Pfarreien in einem Kirchengemeindeverband selten unproblematisch gestaltete.

Geteilte Verantwortung in der Gemeindeleitung

„Uns interessierte insbesondere, wie die breite Beteiligung der Gläubigen an der Arbeit eines größeren Pastoralen Raumes funktioniert“, berichtet Weber über seinen Besuch in Aachen. Wenn die Leitung von Pfarreien und Gemeinden nicht mehr allein durch einen Pfarrer erfolgen kann, arbeitet die Diözese im äußersten Westen mit drei verschiedenen Modellen der Beteiligung von Laien. Zum Ersten wendet es das sogenannte Moderatorenmodell an, das im Kirchenrecht CIC Canon 517 § 2 definiert ist. Danach übernehmen ehrenamtliche wie hauptamtliche Laien die Leitungsaufgaben einer Pfarrei, die aufgrund von Priestermangel nicht mit einem Pfarrer besetzt werden kann. Sie werden von einem Priester des Pastoralteams der GdG in Funktion eines Moderators begleitet. Zum Zweiten setzt das Bistum Aachen auf das Modell der „Gemeindeleitung in Gemeinschaft“. Dabei übernehmen Laien mit dem Pfarrer gemeinsam die Verantwortung für eine Pfarrei. Für die Zeit einer Wahlperiode des GdG-Rats erfolgt eine Beauftragung durch den Bischof. Zum Dritten können Gemeinden in einer Gemeinschaft der Gemeinden durch ein Team beauftragter Verantwortlicher geleitet werden. Das Team gestaltet die Pastoral vor Ort verantwortlich mit und hält als Ansprechpartner Kirche in Rufweite. „Insbesondere die Leitungsmodelle bilden einen guten Denkansatz, um sich auch im Erzbistum Berlin mit der Frage nach Leitung von Gemeinde auseinanderzusetzen“, resümiert Weber.

Auch bei Begräbnissen setzt das Bistum Aachen auf haupt- und ehrenamtliche Laien und das schon seit 1990. „Tote begraben und Trauernde trösten“ sieht Aachen als Aufgabe der ganzen christlichen Gemeinde an. Daher beauftragt der Bischof für diesen Dienst haupt- und ehrenamtliche Laien nach entsprechender Ausbildung. Über 250 Frauen und Männer engagieren sich bereits im Begräbnisdienst.

Wie Schule als ein Ort kirchlichen Lebens gestaltet werden kann, auch darüber tauschten sich Weber und Papenfuß mit Pfarrer Cremer aus. Das Bistum Aachen setzt in der Schulpastoral nicht allein auf hauptamtliche Seelsorger, sondern fasst unter dem Begriff Schulpastoral das gesamte Engagement von Christinnen und Christen, um den Lebensraum Schule aus religiös-pastoralen Gesichtspunkten mitzugestalten. Das kann von der Begleitung einer Taizé-Fahrt gehen über die Gestaltung eines Raums der Stille, eines Schülercafés hin zur Konfliktberatung.

Informationen zu den Leitungsmodellen im Bistum Aachen und zur Ausarbeitung eines Pastoralkonzeptes finden Sie unter: http://gemeindearbeit.kibac.de/leitungsformen-in-pfarreien-und-gemeinden oder unter: http://pastoralentwicklung.kibac.de/