Umdenken erforderlichJahreskonferenz der Geistlichen beschäftigt sich mit dem Ehrenamt

In der Katholischen Akademie versammelten sich die Geistlichen des Erzbistums zu ihrer Jahrestagung

Monica Döring, Leiterin der Fachstelle Ehrenamt im Erzbistum Hamburg

Zum Austausch in Arbeitsgruppen von den Referenten aufgerufen

Die Jahrestagung bietet immer auch die Möglichkeit für die Geistlichen, sich mit Dienstkleidung einzudecken

Was macht Ehrenamt heute aus? Für was engagieren sich Ehrenamtliche? Wie kann ein Geistlicher in seiner Pfarrei ehrenamtliche Arbeit fördern? Unter dem Titel „Die Vielfalt der Charismen – Ehrenamtsentwicklung und Ehrenamtsförderung“ stand die diesjährige Jahreskonferenz der Geistlichen. Weit mehr als 100 Priester und Diakone des Erzbistums Berlin versammelten sich hierzu am 5. und 6. November in die Katholische Akademie.

Kommt ein junger Mann zum Pfarrer und fragt: „Ich spiele gern und gut Gitarre. Kann ich irgendwo in der Gemeinde Musik machen?“ Antwortet der Pfarrer: „Das geht nicht, in der Musikgruppe gibt es schon zwei Gitarristen. Aber in der Erstkommunionvorbereitung, da bräuchte ich noch jemand, der die Kinder zur Kirche fährt. Du hast doch einen Führerschein?“ Was wie ein Scherz klingt, ist ein Beispiel der Alltagsrealität in vielen Gemeinden. Ehrenamt definiert sich in der katholischen Gemeindearbeit bislang als Helferkultur. Es dient dazu, feste Aufgaben und Ämter in festgefügten Strukturen zu übernehmen. Ehrenamt definiert sich nicht unbedingt danach, was ein einzelner kann oder wofür er bereit ist, sich einzusetzen.

Orientierung an den Charismen der Menschen

Ein Umdenken in dieser Frage, forderten auf der Jahreskonferenz die Referenten Professor Dr. Hans Hobelsberger von der Katholisch-Theologischen Hochschule Nordrhein-Westfalen in Paderborn und Monica Döring von der Fachstelle Ehrenamt im Erzbistum Hamburg. Professor Hobelsberger bezog sich auf die Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils „Lumen gentium“ und „Gaudium et spes“. Er betonte, dass dem „gemeinsame Priestertum der Gläubigen“, das aus der Taufgnade resultiert und jedem eine Berufung zum gelebten Glaubenszeugnis schenkt, auch in der Gemeinde Raum gegeben werden muss.

Ehrenamtliches Engagement in der Kirche dürfe sich nicht allein auf innerkirchliche Aufgaben beschränken, so Professor Hobelsberger, sondern müsse vielmehr ein wirkliches Engagement für die Anwendung des Evangeliums innerhalb der Gesellschaft ermöglichen. „Es geht nicht nur darum, vorgegebene Ämter und Aufgaben gemäß den Anforderungen zu erledigen, sondern die eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten entfalten zu können und eigene Vorstellungen, Kreativität und Selbstverantwortung einzubringen.“

„Wir brauchen einen Perspektivenwechsel im Kopf“, fasste Peter Kloss, zuständig für die Ehrenamtsförderung im Erzbischöflichen Ordinariat, die Hauptaussage der Tagung zusammen. „Im Gemeindesystem leben wir meist eine aufgabenorientierte Ehrenamtsarbeit, die der Erhaltung der traditionellen Strukturen und der Entlastung der Hauptamtlichen dient. Damit erreichen wir jedoch immer weniger Menschen. Gleichzeitig bürden wir den Wenigen immer mehr auf.“ Die Alternative sei eine Orientierung an den Charismen der Menschen. Diese erfordere jedoch, dass nicht ein Pastoralteam vorzeichne, wie Gemeinde auszusehen habe, sondern dass dem Raum geschenkt werde, was Gemeindemitglieder aufgrund ihrer Charismen umsetzen möchten. Die Gestalt von Gemeinde ergebe sich aus der Vielfalt der Charismen der Menschen und nicht aus den Vorstellungen des pastoralen Personals. „Dann können wir zwar immer nur das machen, wozu sich Leute bereiterklären. Aber wir haben die Chance, eine höhere Beteiligung von bislang Außenstehenden zu erreichen und stärker in die Gesellschaft hinein zu wirken“, meint Kloss.

Ehrenamt konkret

Wie dieser theoretische Ansatz in der Praxis konkret gelebt werden kann, darüber referierte Monica Döring. Sie stellte die Arbeit der Fachstelle Ehrenamt im Erzbistum Hamburg vor. Mit einzelnen Gemeinden versucht die Fachstelle, die konkrete Situation im Bereich Ehrenamt zu verändern, von einer Aufgabenorientierung hin zu einer Charismenorientierung, von Ehrenamtlichen, die machen, was ihnen gesagt wird, hin zu Ehrenamtlichen, die zu aktiven Verkündern der Frohen Botschaft werden. Für dieses ambitionierte Vorhaben setzt das Erzbistum Hamburg in der Ehrenamtsförderung auf Qualifizierungsprogramme und ein Freiwilligen Zentrum. Döring verwies in ihrem Vortrag auf die Internetseiten: www.erzbistum-hamburg.de/ebhh/Ehrenamt/Ehrenamtsfoerderung/ und www.freiwilligen-zentrum-hamburg.de.

Zur Tagung eingeladen hatte Uta Raabe, Dezernatsleiterin Seelsorge, sowie Monsignore Dr. Hansjörg Günther. Für den Dezernatsleiter Personal ist das Thema Ehrenamtsförderung insbesondere mit Blick auf den Pastoralen Prozess „Wo Glauben Raum gewinnt“ ein brennendes Thema. „Das gesamte Erzbistum ist zurzeit in Bewegung, um Kirche zu entwickeln“, betonte Monsignore Günther. „Kirchenentwicklung insbesondere in pastoralen Räumen funktioniert nur dann, wenn Getaufte und Gefirmte ihre Charismen auch wirklich entdecken können. Geistliche können ihnen dabei helfen.“ Dies bedeute jedoch Mehrarbeit statt Entlastung von Aufgaben, so Monsignore Günther. „Ehrenamt gezielt zu fördern, zu begleiten und weiterzuentwickeln kann deutlich mehr Arbeit für Geistliche mit sich bringen.“

Am Ende der Tagung, nutzten die Priester und Diakone die Jahreskonferenz, um sich über zentrale Themen auszutauschen. So sprach Diözesanadministrator Tobias Przytarski über die Situation der Erzdiözese in Zeiten der Vakanz. Ute Eberl, Leiterin der Ehe- und Familienseelsorge im Erzbistum Berlin, berichtete von der Familiensynode in Rom, an der sie im September teilgenommen hat. Markus Weber, Leiter der Stabsstelle „Wo Glauben Raum gewinnt“, berichtete über den Stand des Pastoralen Prozesses und dankte den Priestern und Diakonen für das Miteinander und den regen Austausch. Außerdem thematisierte die Jahreskonferenz der Geistlichen die für den 20. bis 24. Oktober 2015 geplante Bistumswallfahrt nach Rom.