Topografie des Gedenkens

An bekannte und unbekannte Christen im Widerstand erinnert eine Initiative des  Diözesanrats

Ihr Glaubenszeugnis ist [es], das uns Ansporn und Zuversicht geben kann“, schrieb im Jahr 1984 Joseph Kardinal Höffner über vom NS-Regime verfolgte katholische Priester und Laien. Die Zeit des Nationalsozialismus liegt mehr als zwei Generationen zurück. Die Erinnerung verblasst. Mit dem Tod von Zeugen, die aus eigenem Erleben erzählen können, drohen lokale Überlieferungsstränge und das Gedenken an einzelne Persönlichkeiten abzubrechen.

Die nachfolgende Aufstellung zeigt, wo in Berlin Orte der Erinnerung bestehen und gepflegt werden. Sie nennt Menschen von unterschiedlichem Bekanntheitsgrad: vom seligen Bernhard Lichtenberg bis hin zu Personen oder Gruppen, derer nur in einzelnen Pfarreien oder im kleinen Kreis gedacht wird.

Die Sammlung beansprucht keine Vollständigkeit. Im Gegenteil: Der Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum bittet darum, ihm lokale Erinnerungsstätten oder in der Liste nicht genannte Persönlichkeiten mitzuteilen. 

Sachausschuss „Ökumene und interreligiöser Dialog“ des Diözesanrates
Karlies Abmeier, stellvertretende Vorsitzende

Faltblatt Gedenkorte

Der Plan kann kostenlos beim Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Berlin bestellt werden unter dioezesanrat(ät)erzbistumberlin.de

Plan herunterladen

 

 

Stadtbezirk Berlin-Mitte

St. Hedwigs-Kathedrale
Bebelplatz, 10117 Berlin

In der Unterkirche befindet sich die Bernhard-Lichtenberg-Kapelle mit dem Grab des sel. Bernhard Lichtenberg (1875–1943). Er ist der erste Seliggesprochene im Erzbistum Berlin. Gedenktafeln für die Opfer ungerechter Gewalt in der Nachbarkapelle nennen: Dr. Erich Klausener, sel. Dr. Carl Lampert, P. Friedrich Lorenz OMI, Kpl. Herbert Simoleit, Pfr. Albert Hirsch, Pfr. Leonhard Berger, Rudolf Mandrella, Albert Willimsky, Pfr. August Froehlich, Pfr. Joseph Lenzel, Pfr. Dr. Alfons Maria Wachsmann, Dr. Karl-Heinrich Schäfer, Eva-Maria Buch, Maria Terwiel, Josef Wirmer, Dr. Paul Lejeune- Jung, Pfr. Dr. Max Josef Metzger. Das Grab von Konrad Kardinal von Preysing, Bischof von Berlin (1935– 1950), befindet sich in einer anderen Kapelle der Unterkirche. Er setzte sich in besonderer Weise für die Opfer ungerechter Gewalt ein. Ein Stolperstein für Bernhard Lichtenberg wurde am 8. Juni 2009 auf dem Gehweg Hinter der Katholischen Kirche 3 verlegt. Eine Gedenktafel am Bernhard- Lichtenberg-Haus in der Hedwigskirchgasse sowie die Büste im Foyer erinnern an den Dompropst. Im Großen Saal des Bernhard-Lichtenberg-Hauses ehrt ihn das 1996 entstandene Gemälde von Dietrich Stalmann „Bernhard Lichtenberg - Existenz und Lichtwerdung“. In den Gottesdiensten am 5. November wird an sel. Bernhard Lichtenberg und am 8. November an alle Märtyrer des Erzbistums erinnert. Im Vorraum von St. Hedwig verweist eine Ausstellung über Katholische Kirche im Erzbistum auf die Blutzeugen. Hier werden auch Arno Ertner und Lieselott Neumark genannt. Bernhard-Lichtenberg-Straßen befinden sich in Charlottenburg und Prenzlauer Berg.

Gedenkstätte Stille Helden
Rosenthaler Straße 39, 10178 Berlin

In der Gedenkstätte befindet sich eine Biografie von Gertrud Jaffé (*1903), die in Berlin-Wilmersdorf lebte und 1936 zum katholischen Glauben konvertierte. Später wurde sie eine enge Caritas-Mitarbeiterin von Gertrud Luckner (1900- 1995). Sie half, ein jüdisches Kind zu verstecken. Ihre Spur verliert sich im KZ Stutthof.

Canisius-Kolleg
Tiergartenstr. 30-31, 10795 Berlin

Das Jesuitengymnasium pflegt die Erinnerung an den Glaubenszeugen P. Alfred Delp SJ.

St. Joseph
Müllerstr. 161, 13353 Berlin

Der Theologe und Priester Dr. Max Josef Metzger (1897-1944), genannt Bruder Paulus, lebte von 1940 an im Piusstift neben der Kirche. Eine Gedenkstätte in der Krypta mit Fallbeil und Kreuz erinnert an seinen Tod. Am Eingang Willdenowstraße befindet sich eine Gedenktafel, vor der Kirche gibt es den Max-Josef-Metzger-Platz mit einer Stele.

Stadtbezirk Friedrichshain-Kreuzberg

Kirche St. Clemens
Stresemannstr. 66, 10963 Berlin

Der sel. Clemens August Kardinal von Galen (1878–1946) ist Stifter von Kirche und Gesellenhaus. Er ist bekannt geworden als „Löwe von Münster“ für seine Predigten, in denen er 1941 die Euthanasie- Morde scharf verurteilte. Die Predigten wurden von den Gläubigen mitgeschrieben und weiter verbreitet.

St. Johannes-Basilika
Lilienthalstraße 5, 10965 Berlin

Große Kirchenfenster von Helga Lingnau-Sacks sind den Blutzeugen gewidmet: Erich Klausener, Bernhard Lichtenberg, Alfred Delp SJ, Edith Stein, Max Josef Metzger, Rupert Mayer SJ, Karl Leisner, Dietrich Bonhoeffer sowie dem "Löwen von Münster", Kardinal von Galen.

Stadtbezirk Pankow

Herz Jesu
Fehrbelliner Str. 98/99, 10119 Berlin

In der Krypta der Kirche befindet sich eine Dauerausstellung zum „Hilfswerk beim Bischöflichen Ordinariat Berlin“ (Hilfe für katholische „Nichtarier“). Pfarrer und Kaplan versteckten während der NS-Zeit Juden in Räumen unter der Kirche, um sie vor der Deportation zu schützen. Eine Gedenktafel findet sich an der Hofseite der Kirche. Dr. Margarete Sommer (1893-1965) war Geschäftsführerin des Hilfswerkes beim Bischöflichen Ordinariat. An sie erinnert die Margarete-Sommer-Straße in Prenzlauer Berg.

St. Maria Magdalena (Pfarrei St. Georg Pankow)
Platanenstr. 20, 13156 Berlin

An Pfarrer Joseph Lenzel (1890–1942) erinnern die Kirche St. Maria Magdalena und ein Gedenkstein („Er lebte für seine Kirche“). Der Stein wurde am 28. September 1980 mit Hilfe des Internationalen Kolpingwerkes errichtet: „Pfarrer Joseph Lenzel starb für seine polnischen Glaubensbrüder am 3.7.1942 in Dachau.“ Seit 21. April 1990 heißt die frühere Straße 98 Pfarrer-Lenzel-Straße. Jährlich versammeln sich Kolpingsfamilien und Gemeindemitglieder zu einer „Lenzel-Feier“ am Herz-Jesu-Freitag im Juli. Es wird eine Gedenkmesse gefeiert und danach der Gedenkstein aufgesucht. An Pfarrer Lenzel erinnert auch der Lenzelpfad in Neukölln.

Stadtbezirk Charlottenburg-Wilmersdorf

Gedenkkirche Maria Regina Martyrum, Karmel Regina Martyrum
Heckerdamm 230-232, 13627 Berlin

Die Kirche Maria Regina Martyrum ist die „Gedächtniskirche der deutschen Katholiken zu Ehren der Blutzeugen für Glaubens- und Gewissensfreiheit aus den Jahren 1933 bis 1945“. In der Unterkirche befinden sich das Urnengrab von Dr. Erich Klausener (1885 – 1934) sowie Gedenktafeln, die an den sel. Bernhard Lichtenberg, P. Alfred Delp SJ und Helmut James von Moltke erinnern. Dem Gedächtnis aller Blutzeugen von Plötzensee ist das "Ökumenische Gedenkzentrum Plötzensee - Christen und Widerstand" gewidmet. Die ehemalige Hinrichtungsstätte Berlin- Plötzensee, Hüttigpfad, ist seit 1952 Gedenkstätte. In der Gedenkregion Charlottenburg(-Nord) befinden sich die Bernhard-Lichtenberg-Straße, der Klausenerplatz und die Delpzeile. Ein monatliches Ökumenisches Friedensgebet sowie die „Plötzenseer Tage“ im Januar erinnern an die Opfer des NSRegimes. Am 20. Juli findet ein ökumenischer Gottesdienst im Gedenken an die Opfer des Widerstands vom 20. Juli 1944 statt. Vortragsabende im Gedenkzentrum sowie ein Kreuzweg am Karfreitag in Kooperation mit der Katholischen Akademie Berlin erinnern an die Blutzeugen.

Herz Jesu Charlottenburg
Alt-Lietzow 23, 10587 Berlin

Gedenkorte sind eine Tafel für den sel. Bernhard Lichtenberg an der Kirche sowie eine Büste im Innenraum, in der Nähe das Bernhard-Lichtenberg-Haus (Seniorenheim). Am Rathaus Charlottenburg befindet sich eine Gedenktafel. Hier war Lichtenberg von 1919 bis 1931 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung.

Heilig Geist Charlottenburg
Bayernallee 28, 14052 Berlin

Das Jugendheim der Gemeinde trägt den Namen des Journalisten Richard Kuenzer (1875–1945), der im Eingangsbereich des Heimes gewürdigt wird. Gertrud Maria Bobert wird in der Jubiläumsschrift zum 75-jährigen Bestehen der Gemeinde genannt. Richard Kuenzer war Mitglied des „Kreisauer Kreises“. Er wurde von der SS nach langer KZ-Haft Ende April 1945 erschossen. Gertrud Maria Bobert, eine zum Katholizismus konvertierte Jüdin, wurde nach Verrat aus ihrem Versteck abgeholt und im KZ Theresienstadt ermordet.

Katholische Schule Liebfrauen
Ahornallee 33, 14050 Berlin

Eine Gedenktafel erinnert an das Versteck für Kinder verfolgter und verschleppter Eltern im Schülerinnenheim „Maria Regina“ (ehemals Ahornallee 33) der Schwestern Unserer Lieben Frau. Auf dem Grundstück steht heute die Katholische Schule Liebfrauen.

St. Canisius
Witzlebenstr. 30, 14057 Berlin

Die Kirchengemeinde pflegt die Erinnerung an P. Alfred Delp SJ, sel. P. Rupert Mayer SJ sowie an weitere Jesuiten.

Bereich der Kirchengemeinde St. Canisius
Witzlebenstr. 4-5, 14057 Berlin

Eine Gedenktafel am ehemaligen Reichskriegsgericht erinnert an den sel. Franz Jägerstätter (1907–1943) aus Österreich, der aus Gewissensgründen den Kriegsdienst verweigerte, sowie an die hier verurteilten 260 Kriegsdienstverweigerer.

Stadtbezirk Steglitz-Zehlendorf

Bereich der Kirchengemeinde St. Benedikt Lankwitz
Marienstraße 15, 12207 Berlin

Erinnert wird an Dr. Marianne Pünder und an Marianne Hapig. Eine Gedenktafel für die „beiden Mariannen“ befindet sich an ihrer ehemaligen Wohnung.

Bereich der Kirchengemeinde Hl. Familie Lichterfelde
Teltowkanalbrücke / Wismarer Straße 12207 Berlin

Mit der „Säule der Gefangenen“, Wismarer Straße 26-36, wird an die Gefangenen des KZ-Außenlagers Lichterfelde (Außenlager des KZ Sachsenhausen) erinnert. Die „Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde“ führt um den 8. Mai – zumeist in den umliegenden Kirchengemeinden – eine Gedenk- und Begegnungsveranstaltung mit ehemaligen Häftlingen durch.

Herz Jesu Zehlendorf
Riemeisterstr. 2, 14169 Berlin

Eine Gedenktafel in der Kirche erinnert an Kaplan Herbert Simoleit (1908–1944). Er wurde 1939 in St. Hedwig zum Priester geweiht und feierte in Herz Jesu seine Primiz. Als Opfer der „Stettiner Gestapo-Aktion“ wurde er mit 36 Jahren, zusammen mit sel. Dr. Carl Lampert und Friedrich Lorenz, im Zuchthaus „Roter Ochse“ in Halle/Saale am 13. November 1944 hingerichtet.    

Stadtbezirk Tempelhof-Schöneberg

Kirche St. Fidelis (Kirchengemeinde Herz Jesu Tempelhof)
Röblingstr. 95, 12105 Berlin

Erinnert wird an Pfr. Albert Coppenrath (1883–1960), der wegen seines regimekritischen Engagements als „westfälischer Dickkopf vom Winterfeldtplatz“ galt.

St. Matthias-Friedhof
Röblingstr. 91, 12105 Berlin

Auf dem Friedhof befinden sich die Gräber von Johanna Eck, Dr. Margarete Sommer und Pfarrer August Froehlich. Ebenfalls erinnert hier ein Grabmal an Dr. Erich Klausener. Vor der 1963 erfolgten Überführung in die Gedenkkirche Regina Maria Martyrum ruhte er hier unter der ersten Kreuzwegstation, die von Hermann Kuhmichel 1957 geschaffen wurde.

St. Matthias
Winterfeldtplatz, 10781 Berlin

An verschiedenen Orten wird in Kirche, Pfarrhaus und Gemeindesaal an sel. Clemens August Kardinal Graf von Galen und in der Kreuzkapelle an Dr. Erich Klausener erinnert. Kirchenfenster zeigen sel. Clemens August Kardinal Graf von Galen, sel. Bernhard Lichtenberg und hl. Edith Stein. Darüber hinaus wird in der St. Matthias- Gemeinde das Gedenken an Pfarrer Albert Coppenrath gepflegt. Eine Gedenktafel für sel. Clemens August Kardinal Graf von Galen befindet sich an der Außenseite der Kirche. Für Dr. Erich Klausener wurde am Haus Keithstraße 8 (früher Lutherstraße 47) in Schöneberg, am ehemaligen Wohnhaus der Familie, eine Gedenktafel angebracht. Das Seniorenwohnhaus in der Goltzstraße 26 wie auch das Jugendheim in der Goltzstraße 29 in Schöneberg sind nach sel. Clemens August Kardinal Graf von Galen benannt. Ein Gemeindegrundstück in Lichtenrade, Löwenbrucher Weg 49, dient der Gemeinde als Freizeitanlage. Sie wurde am 16. September 1934 von Pfr. Coppenrath eingeweiht. Der Ort wurde nach Dr. Klauseners gewaltsamem Tod Erich-Klausener-Platz genannt. Eisenbahnwaggon und Gedenkschild erinnern daran.

Bereich der Kirchengemeinde Maria Frieden Mariendorf

Für Eva-Maria Buch wurde 2009 vor ihrem ehemaligen Wohnhaus in Berlin- Mariendorf, Hochfeilerweg 23a ein Stolperstein verlegt.

Bereich der Kirchengemeinde Maria unter dem Kreuz
Laubacher Straße 15, 14197 Berlin

Die Gedenktafel am letzten Wohnhaus von Dr. Margarete Sommer (1893– 1965) erinnert an sie.

Bereich der Kirchengemeinde Salvator Lichtenrade
Bornhagenweg, 12309 Berlin

Der Erinnerung an die Gefangenen des KZ-Außenlagers Lichtenrade (Außenlager des KZ Sachsenhausen) dienen ein Mahnmal sowie Führungen der Geschichtswerkstatt Lichtenrade.

Stadtbezirk Neukölln

St. Joseph Rudow
Alt-Rudow 46, 12357 Berlin

Die Gedenktafel an der Kirche verweist auf Pfr. August Froehlich (1891–1942). In Rudow ist auch eine Straße nach August Froehlich benannt. Ebenso gibt es hier einen Marianne-Hapig-Weg.

Friedhof der evang. Jerusalems- und Neuen Kirchengemeinde Berlin-Neukölln
Hermannstr. 84-90, 12051 Berlin

Auf dem Friedhof erinnert eine Gedenkstätte an das von der evangelischen Kirche betriebene, von drei katholischen Gemeinden (St. Hedwig, St. Michael und St. Matthias) mit finanzierte Zwangsarbeiterlager für Friedhofsarbeiter. Am Volkstrauertag findet hier eine Gedenkfeier statt.

St. Thomas-Friedhof
Hermannstr. 179-185 , 12051 Berlin

Ein Pavillon mit der Ausstellung „Zwangsarbeiter des kirchlichen Friedhofslagers Berlin 1942-1945“ informiert über Zwangsarbeit auf dem Friedhof.

Stadtbezirk Treptow-Köpenick

Bereich der Kirchengemeinde St. Josef Köpenick
Mandrellaplatz 6 , 12555 Berlin

Am Mandrellaplatz erinnert eine Gedenktafel mit einem Bildnis an Rudolf Mandrella (1902-1943), der im Zusammenhang mit der „Stettiner Gestapo-Aktion“ wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt wurde.

Stadtbezirk Marzahn-Hellersdorf

Bereich der Kirchengemeinde Von der Verklärung des Herrn Marzahn

Am Otto-Rosenberg-Platz wird an die Sinti und Roma des 1936 bis 1945 bestehenden nationalsozialistischen Zwangslagers an diesem Ort erinnert, unter anderem mit der Biografie von Otto Rosenberg und weiteren Lagerinsassen. Seit 1990 findet im Juni jedes Jahres eine Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Opfer des Lagers Marzahn statt. Auf dem benachbarten Parkfriedhof befindet sich ein Gedenkstein.

Stadtbezirk Lichtenberg

St. Mauritius
Mauritiuskirchstraße 1, 10365 Berlin

Eine Gedenktafel an der Kirche erinnert an den sel. Bernhard Lichtenberg.

St. Hedwig-Friedhof / St. Pius-Friedhof
Konrad-Wolf-Str.
30-32, 13055 Berlin

Auf dem Friedhof befindet sich ein Gräberfeld der dort beigesetzten ausländischen Zwangsarbeiter.

Zum Guten Hirten
Kurze Str. 4, 10315 Berlin

Gedenktafeln für den sel. Bernhard Lichtenberg befinden sich im Eingangsbereich der Pfarrkirche in Friedrichsfelde sowie am Pfarrhaus in Karlshorst, Gundelfinger Str. 36. Das Altarfenster der Karlshorster Kirche St. Marien trägt die Widmung „Bernhard Lichtenberg zu Ehren“. Gedacht wird des Blutzeugen Rudolf Mandrella (1902-1943), der mit seiner Frau Maria in der Karlshorster Königswinterstraße 24 wohnte und deren drei Söhne in der Kirche St. Marien getauft wurden.    

Stadtbezirk Reinickendorf

Herz Jesu Tegel
Am Brunowplatz, 13507 Berlin

Die Gedenkkapelle in der Herz-Jesu- Kirche erinnert mit zwei Gedenktafeln an die Märtyrer und Opfer nationalsozialistischer Gewalt: Dietrich Bonhoeffer, Edith Stein, Bernhard Lichtenberg, Franz Jägerstätter, Karl Roman Scholz, P. Alfred Delp SJ u.a. In der Heiligen Messe am 5. November wird besonders des sel. Bernhard Lichtenberg gedacht, am 8. November aller Berliner Märtyrer. Ein Stolperstein für Bernhard Lichtenberg ist am 7. Juni 2013 auf dem Gehweg vor dem Eingangsportal der Herz-Jesu-Kirche verlegt worden, in Erinnerung an die Zeit, als er in der Haftanstalt Tegel, die auf dem Gebiet der Pfarrei liegt, von Herz Jesu aus seelsorglich betreut wurde.

Justizvollzugsanstalt Tegel
Seidelstr. 39, 13507 Berlin

Eine Gedenktafel erinnert an Dietrich Bonhoeffer und Alfred Delp, die in Tegel inhaftiert waren (nicht öffentlich zugänglich). Auch andere christliche NS-Gegner wie Bernhard Lichtenberg, Franz Reinisch SAC und Franz Jägerstätter haben hier vor ihrer Hinrichtung gelitten.

St. Bernhard
Bernauer Str. 66, 13507 Berlin

An der Rückwand der Krypta der Kirche sind die wichtigsten Stationen des Lebens von Bernhard Lichtenberg in sieben Bildern festgehalten. Auf dem Territorium der St. Bernhard-Pfarrei in Tegel liegt der Bernhard-Lichtenberg-Platz.

Domfriedhof St. Hedwig
Ollenhauerstr. 25, 13403 Berlin

Auf dem Friedhof befindet sich eine Gedenkstele für NS-Opfer. Das Grab von Pfarrer Joseph Lenzel findet sich im Feld BI, an der Grenze zum Nazareth-Friedhof liegt ein Gräberfeld für Sinti und Roma. 450 Opfer des Zweiten Weltkreiges, Fremdarbeiter und Bombenopfer ruhen im Feld F1. Die Grabstätte der Jesuiten erinnert an Alfred Delp SJ.

Friedhof Heiligensee
Sandhauser Str. 78-130, 13505 Berlin–Reinickendorf

Eine Gedenktafel erinnert an Robert Jacquinot de Bésange. Der französische Jesuit rettete während des 2. Weltkrieges 300.000 Chinesen das Leben, indem er sie über eine Sicherheitszone schleuste, die er 1937 in Shanghai errichtet hatte. 1945 wurde er zum Leiter der Vatikanischen Delegation zur Flüchtlingshilfe in Berlin ernannt. Robert Jacquinot de Bésange starb bereits kurz darauf an Erschöpfung.

Gedenkorte außerhalb Berlins (Land Brandenburg und Vorpommern)

Dekanate Oranienburg und Reinickendorf

Gedacht wird der Gefangenen des KZ Sachsenhausen, darunter mehr als 700 inhaftierter Geistliche. 96 von ihnen wurden ermordet. Jährlich finden Kreuzwege zur Gedenkstätte Sachsenhausen statt.

Herz Jesu Oranienburg
Augustin-Sandtner-Str. 3, 16515 Oranienburg

Eine Gedenktafel für die Opfer ungerechter Gewalt befindet sich an der Pfarrkirche.

Bereich der Kirchengemeinde Herz Jesu Oranienburg
Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen, Straße der Nationen 22, 16515 Oranienburg

Ein Gedenkstein für die inhaftierten und ermordeten katholischen Geistlichen wurde 2006 eingeweiht.

Bereich der Kirchengemeinde St. Hedwig, Fürstenberg/Havel
Bahnhofstr. 2, 16798 Fürstenberg/H.

In der Pfarrkirche St. Hedwig wird an Frauen, die im KZ Ravensbrück ermordet wurden oder gelitten haben, gedacht: Sr. Elisabeth Rivet (1890-1945), Sr. Isa Vermehren (1918-2009) u.a. Heilige Messen finden an besonderen Gedenktagen im Zellenbau der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Straße der Nationen, 16798 Fürstenberg/H., statt. Die Ausstellung „Christliche Frauen im Widerstehen“ machte 1998 auf die Frauen, unter ihnen auch viele Ordensschwestern, aufmerksam, die von 1939 bis 1945 im KZ Ravensbrück inhaftiert waren.

Pfarrhaus Gransee, Kirche Mariä Himmelfahrt
Grünstr. 2, 16775 Gransee / Mark

Für Pfarrer Albert Willimsky (1890– 1940) und Pfarrer Paul Bartsch (1901– 1950) wurde eine Gedenkplatte am Pfarrhaus angebracht. Das Grab von Pfr. Paul Bartsch befindet sich auf dem Friedhof Gransee.

Hl. Dreifaltigkeit, Brandenburg an der Havel
Neustädtische Heidestr. 25, 14776 Brandenburg/H.

In der Neustädtischen Heidestraße 26 erinnert ein Stolperstein an den letzten Wohnort des katholischen Pfarrers Bruno Schubert, der sich als Seelsorger im Zuchthaus Brandenburg-Görden um die Gefangenen sorgte. Sein großes Engagement für die Häftlinge war den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge und führte am 9. April 1937 zu seiner Verhaftung durch die Geheime Staatspolizei. Pfarrer Schubert starb am 6. Mai 1937 in seiner Zelle.

1974 wurde eine Gedenktafel für die NS-Opfer in der Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit eingeweiht: „Als Opfer ungerechter Gewalt wurden im Zuchthaus Brandenburg 1942-1945 hingerichtet die Priester Franz Reinisch, Joseph Guichaire, Ludwig Mitterer, Alfons Wachsmann, Max Josef Metzger, Joseph Kirchhoff, André Lefévre, August Wörndl, Johann Arnolds, Alois Grimm, Joseph Müller, Johann Steinmayr, George Meier, Bernhard Schentner, Bruno Binnebesel, Josef Losch, Josef Jilek, die Laienchristen Franz Jägerstätter, Rudolf Mandrella. Ihre Namen stehen stellvertretend für alle Hingerichteten; für die 4000 Priester aller Völker, für die 6 Millionen Juden, für die insgesamt 11 Millionen Opfer nationalsozialistischer Gewalt." Seit Herbst 2006 befindet sich die Gedenktafel in der Kirche St. Nikolai in Brandenburg.

St. Nikolai
Nikolaiplatz, 14770 Brandenburg/H.

Als Gebets- und Gedenkstätte für die Opfer ungerechter Gewalt dient die Kirche der regelmäßigen Feier des Gottesdienstes sowie der ökumenischen Begegnung, insbesondere beim monatlichen Ökumenischen Friedensgebet. Ein Grabstein des im Zuchthaus Brandenburg- Görden hingerichteten Rudolf Mandrella befindet sich in der Kirche. Im Zuchthaus wurden etwa 2000 Menschen hingerichtet.

Gedenkstätte für die Opfer der Euthanasie-Morde
Nikolaiplatz 28, 14770 Brandenburg/H.

1940 wurden auf dem Gelände des alten Zuchthauses mitten in der Stadt 9000 Menschen aus dem nord- und mitteldeutschen Raum ermordet.

Dokumentationsstelle Brandenburg
Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Anton-Saefkow-Allee 22, 14772 Brandenburg/H.

Erinnert wird an Dr. Max Josef Metzger, Rudolf Mandrella, Dr. Alfons Maria Wachsmann, an die katholischen Kriegsdienstverweigerer Alfred Andreas Heiß, Franz Jägerstätter, Michael Lerpscher, Pater Franz Reinisch, Josef Ruf, Ernst Volkmann und andere im Zuchthaus Brandenburg-Görden inhaftierte und hingerichtete NS-Gegner. Seit 1975 befindet sich in den Räumen der ehemaligen Hinrichtungsstätte eine Gedenkstätte. Sie liegt heute im inneren Sicherungsbereich der Justizvollzugsanstalt Brandenburg-Görden.

Heilig Kreuz Frankfurt (Oder)
Franz-Mehring-Str. 4, 15230 Frankfurt (Oder)

Kaplan Albert Hirsch (1894–1944) wurde im Verlauf der „Stettiner Gestapo-Aktion“ wegen des Abhörens ausländischer Sender zu vier Jahren Haftstrafe verurteilt und im Zuchthaus Gollnow (bei Stettin) am 22. August 1944 hingerichtet. Sein Grab befindet sich im pommerschen Louisenthal. Er wirkte als Kaplan in Frankfurt (Oder). Ein Stolperstein wurde am 13. November 2009 verlegt.

Bereich der Kirchengemeinde Blankenfelde und Ludwigsfelde

Sowohl in Blankenfelde als auch in Ludwigsfelde gibt es eine Erich-Klausener- Straße, die an den 1934 ermordeten Vorsitzenden der Katholischen Aktion, Dr. Erich Klausener, erinnert.

Bereich der Kirchengemeinde St. Joseph Luckenwalde
Lindenallee 3, 14943 Luckenwalde

Auf dem Rathaushof erinnern seit 2008 Stelen an NS-Verfolgte aus Luckenwalde, u.a. an den katholischen Familienvater Arno Ertner (*3. April 1904 in Luckenwalde), der im Dezember 1941 am Arbeitsplatz verhaftet wurde, weil Predigten des Münsteraner Bischofs Graf von Galen in seiner Tasche gefunden wurden. Der Bauingenieur kam ins KZ Sachsenhausen und wurde am 26. November 1942 – ohne Prozess und Urteil – ins KZ Dachau überstellt, wo er am 15. Februar 1943 an Typhus starb. Das Ökumenische Friedensgebet in St. Nikolai/Brandenburg hat 2012 an Arno Ertner erinnert. Im Martyrologium für das Erzbistum Berlin „Zeugen für Christus“ ist der Familienvater zusammen mit anderen Laien aufgenommen.

Bereich der Kirchengemeinde St. Georg Hoppegarten

Seit dem 24. Juni 2009 erinnern auf dem Gelände der Galopprennbahn Hoppegarten eine Bronzebüste und eine Gedenktafel an Dr. Erich Klausener. Der Platz vor dem Eingang zur Rennbahn wurde in "Erich-Klausener-Platz" umbenannt.

St. Peter und Paul Potsdam
Am Bassin, 14467 Potsdam

Ein Gedenkstein in der Meistersingerstraße 2 erinnert an Dr. Karl- Heinrich Schäfer (1871–1945), Historiker am Reichsarchiv Potsdam, der wegen seiner offenen Worte im KZ Sachsenhausen starb. Mit der Schrift „St. Peter und Paul Potsdam unter dem Hakenkreuz“ (2008) erinnert sich die Propsteipfarrei an Personen und Ereignisse der Jahre 1933 bis 1945.

St. Joseph Greifswald
Bahnhofstr. 15, 17489 Greifswald

Das Grab des Greifswalder Pfarrers Dr. Alfons Maria Wachsmann (Kreuz mit Gedenkstein) befindet sich seit der Überführung 1984 vom Alten Friedhof neben der Pfarrkirche. Das Pfarrer-Wachsmann-Haus (ehemaliges Waisenhaus) ist heute Sitz der Katholischen Studierenden-Gemeinde, des Katholischen Kindergartens sowie der Station der Ordensschwestern. Die Pfarrer-Wachsmann-Straße (mit Gedenktafel) ist eine Querstraße zur Bahnhofstraße, gegenüber dem Pfarrer- Wachsmann-Haus. In der Rubenowstraße (Nähe Universitätsgebäude und Kirche) wurde 1985 eine Stele mit Büste von Pfarrer Dr. Wachsmann aufgestellt.

St. Otto-Heim Zinnowitz
Dr.-Wachsmann-Str. 29, 17454 Zinnowitz

Die Gedenksäule in der Dr.-Wachsmann- Straße erinnert an sel. Dr. Carl Lampert, Johannes ter Morsche, Gerardus Pelkmann, Tadeus Siekierski, Dr. Alfons Maria Wachsmann, Pfarrer Vincenz Plonka und Luise Feike.

Berliner Gedenkorte für die Glaubenszeugen Sr. Mirjam Michaelis und Alice Reis sind nicht bekannt:
Mirjam (Elisabeth) Michaelis, Schwester v. hl. Josef (* Berlin 31. März 1899) und die Fürsorgerin Alice Reis (* Berlin 17. September 1903) wurden nach dem Protest der niederländischen Bischöfe gegen die Judenverfolgung vom 26. Juli 1942 zusammen mit der hl. Edith Stein (Teresia Benedicta a Cruce) und allen anderen „katholischen Nichtariern“ der Niederlande von Westerbork deportiert und starben in der Gaskammer von Auschwitz-Birkenau am 9. August 1942.