DIE INFO

Aktuelle Ausgabe Nr. 122

ALLES WIRKLICHE LEBEN IST BEGEGNUNG (Martin Buber)

Liebe Leser und und Leserinnen,

Begegnung mit dem anderen durchzieht alle Artikel der vorliegendes Ausgabe der INFORMATIONEN.
Martin Buber beschrieb das Leben des Menschen als Leben in Beziehung. Es wurde für ihn zum Schlüssel seines Denkens: «Wer Du spricht, hat kein Etwas zum Gegenstand. Denn wo Etwas ist, ist anderes Etwas, jedes Es grenzt an andere Es, Es ist nur dadurch, dass es an andere grenzt. Wo aber Du gesprochen wird, ist kein Etwas. Du grenzt nicht. Wer Du spricht, hat kein Etwas, hat nichts. Aber er steht in der Beziehung.«

In diesem Sinne befassen sich die Beiträge in unterschiedlicher Weise mit dem Thema Begegnung und Beziehung. In den von Generalvikar Pater Manfred Kollig SSCC beschriebenen Aspekten der Kirchenentwicklung ist die »communio« von grundlegender Bedeutung. Sie gründet in Gott, der in sich selbst Beziehung ist als Vater, Sohn und Geist. Diese Beziehung bleibt nicht exklusiv für sich, sondern Gott wendet sich in seiner Liebe den Menschen zu und wird zum Urheber der Communio. So gilt es, diese Communio zu leben und zu gestalten – in der fruchtbaren Spannung zwischen Gemeinschaft und Dienstleistung, zwischen Ghetto und Boulevard, zwischen Katakombe und Leuchtturm.

Aus der seelsorglichen Praxis erzählt Pater Dr. Reinhard Körner OCD. Für ihn bedeutet Seelsorge, den Menschen zu einer persönlichen Beziehung mit Jesus Christus zu führen, damit dieser ein – wie Teresa von Avila sagt – »Leben in Freundschaft mit Gott« führen kann. Mit der sich verändernden Gesellschaft, der postmodern werdenden Kultur und den Herausforderungen für die Kirche setzt sich Prof. Maria Widl auseinander. Kirche steht in der Spannung zwischen einer »außer-post-modernen Stabilität« und einer »bedingungslosen Anpassung« an gesellschaftliche Bedürfnisse, die dazu führen könne, dass die Kirche »zur Servicezentrale für religiöse Bedürfnisse, zum Wellnesstempel für die Seele, zur Sozialstation für die Opfer des Turbokapitalismus« verkommen würde. Die Spannung zwischen Stabilität und Anpassung ist zu greifen.

Dies wird auch deutlich in dem Beitrag von Carla Böhnstedt über zwei bundesweite Konferenzen zur Kirchenentwicklung: »Umbau bei laufendem Betrieb«. Die Kirche solle – so Prof. Matthias Sellmann – aus »höflichen« und »großzügigen« Menschen bestehen, die anderen Raum geben und Spaß haben an der Entfaltung anderer. Einen besonderen »Raum« geben die Notfallseelsorger/-innen anderen Menschen, sie tragen deren Trauer mit und versuchen »ein wenig von der niederdrückenden Last des Herzens« zu nehmen. Hier sorgen sich Menschen darum, das Unaussprechbare ins Wort zu heben, nicht nur in öffentlichen Trauerfeiern.

Hier wird Begegnung und Beziehung heilend spürbar. Für Emmanuel Lévinas ist das der Weg, die von Buber konstatierte Begegnung zu leben: Gott offenbart sich im Gesicht des anderen Menschen, im »Antlitz des Anderen«. Und weil die Anderen verwundbar und sterblich sind wie das Ich selbst, muss das Ich auf ihre Verwundbarkeit antworten. Ich bin den Anderen verantwortlich und deshalb auch für sie verantwortlich.

In dieser Communio stehen und leben wir, diese gilt es zu gestalten und zu entwicklen. Die Verheißung gelungener Communio zeigt der Psalmist, wenn er singt: Huld und Treue begegnen einander, Gerechtigkeit und Frieden werden sich küssen. (vgl. Ps 85,11)

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine anregende Lektüre.

Uta Raabe

Dezernatsleiterin für Seelsorge im Erzbischöflichen Ordinariat Berlin

Seelsorgekonferenz

Impuls von Pater Manfred Kollig SSCC

Ein Vortrag zum Verständnis von Communio-Pastoral in Zeiten der Spannung.

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Ein Interview

von Daniela Bethge

Ein Gespräch mit Pater Reinhard Körner OCD zu seinem Leben in Birkenwerder.

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Nach Katastrophen

von Brigitte Benz

Öffentliche Trauer – Zentrale Trauerfeiern - Aufgaben der Notfallseelsorge

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Buchvorstellung

von Thomas Brose

Die Großstadt auch aus katholischer Sicht von Domvikar Msgr. Hansjörg Günther

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Inhalt aktuelle Ausgabe (Nr. 122)

  • VORWORT
    Uta Raabe, Dezernatsleiterin für Seelsorge im Erzbischöflichen Ordinariat Berlin
  • GEMEINSCHAFT UND DIENSTLEISTUNG – SEELSORGE UNTER SPANNUNG
    Generalvikar Pater Manfred Kollig SSCC
  • »SIE KOMMEN, WEIL SIE GEHÖRT HABEN, DASS MAN HIER GUT SCHWEIGEN KANN.«
    Interview Daniela Bethge mit Pater Reinhard Körner OCD
  • LEBENSHILFE – VERHEISSUNG – BERUFUNG, SEELSORGE IN DEN GEMEINDEN UND DEN ORTEN KIRCHLICHEN LEBENS FÜR DIE EINE KIRCHE DER ZUKUNFT
    Maria Widl
  • »UMBAU BEI LAUFENDEM BETRIEB« ZWEI BUNDESWEITE KONFERENZEN ZUR KIRCHLICHEN ENTWICKLUNG IM VERGLEICH
    Carla Böhnstedt
  • »ÖFFENTLICHE TRAUER NACH KATASTROPHEN«
    Brigitte Benz bei der Regionalkonferenz Notfallseelsorge
  • FIRMPASTORALES FACHGESPRÄCH MIT DEN BISCHÖFEN
    Alfred Herrmann
  • WAS HÄLT DIE GESELLSCHAFT ZUSAMMEN?
    Interview mit Pater Theodor Wenzel M. Id. zur Hochschulpastoral in Frankfurt an der Oder
  • »ENGAGEMENT FÜR GEFLÜCHTETE – EINE SACHE DES GLAUBENS?« ZUR STUDIE DER BERTELSMANNSTIFTUNG
    Michael Haas, Netzwerk Koordinator für Flüchtlingsarbeit
  • DOMVIKAR MSGR. HANSJÖRG GÜNTHER – »UMWEGE IN EINE ACHTSAME MODERNE«
    Buchbesprechung von Dr. Thomas Brose

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