Seliger Bernhard Lichtenberg

Leben

„Der Gefangene im Herrn" hat Bernhard Lichtenberg, Dompropst von St. Hedwig in Berlin, seinen letzten Brief aus der Strafanstalt Tegel unterschrieben. - 1875 wurde Lichtenberg in Ohlau geboren und 1899 in Breslau zum Priester geweiht. Seit 1900 wirkte er in Berlin. Er war einer der Pioniere beim Aufbau der katholischen Gemeinden in der ständig wachsenden Weltstadt. In Charlottenburg legte er den Grund für fünf Pfarreien und ein Kloster. 1931 rief ihn der erste Bischof von Berlin, Dr. Christian Schreiber, in das Domkapitel und ernannte ihn 1932 zum Dompfarrer. 1938 wurde er Dompropst bei St. Hedwig. Bischof Konrad von Preysing vertraute ihm später die Sorge um die getauften Juden in seiner Diözese an. Seit dem Judenpogrom am 9. November 1938 betete er an jedem Abend in St. Hedwig - tausend Meter von der Reichskanzlei Hitlers entfernt - öffentlich für die verfolgten Juden. Mitte 1941 wurde er denunziert, am 22. Mai 1942 zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Lichtenberg war damals schon ein schwerkranker Mann. Nach der Verbüßung der Strafe galt er als unverbesserlich. Auf dem Transport in das Konzentrationslager Dachau starb er am 5. November 1943 in Hof/Saale. Sein Grab ist jetzt in der Unterkirche von St. Hedwig.

Am 23. Juni 1996 wurde Bernhard Lichtenberg vom Papst Johannes Paul II selig gesprochen. Am 7. Juli 2004 wurde ihm der Ehrentitel "Gerechter unter den Völkern" durch die Israelische Holocaust-Gedenkstätte YAD VASHEM zuerkannt. Sein Gedenktag ist der 5. November.

Predigt von Joachim Kardinal Meisner auf der 2.-Bernhard-Lichtenberg-Wallfahrt
am 5. November 2015 in der St. Hedwigs-Kathedrale in Berlin

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

1.      „In jenen Tagen trat Johannes der Täufer auf und verkündete in der Wüste von Judäa: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. Er war es, von dem der Prophet Jesaja gesagt hat: Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!“ (Mt 3,1–3), so führt der Evangelist Matthäus Johannes den Täufer in das Evangelium ein. Das könnte fast auf Dompropst Bernhard Lichtenberg zugeschrieben werden. In den ersten Jahren seiner Existenz führte die göttliche Vorsehung dem jungen Bistum Berlin eine markante Gestalt als Dompropst zu, die wesentlich das christliche Leben in der Hauptstadt mitgeprägt hat.
        Als Jugendliche beteten wir nach dem letzten Weltkrieg in unseren Jugendstunden das Gebet: „Herr lass mich stehen, wo die Stürme wehen, und schone mich nicht. Das Kind muss vergehen, der Mann muss erstehen. Fürchte dich nicht“. Man kann wohl annehmen, dass vielleicht schon Bernhard Lichtenberg, wenn nicht dem Wortlaut aber dem Geiste nach, so gebetet hat: „Lass mich stehen, wo die Stürme wehen, und schone mich nicht.“ Das ist ihm in seinem Priesterleben wirklich voll zuteil geworden. »Das Kind muss vergehen, der Mann muss erstehen. Fürchte dich nicht.« Bernhard Lichtenberg war ein wahrer Mann Gottes. Das Wort „Mann Gottes“ schließt eine ganze Fülle höchst qualifizierter Eigenschaften ein, sodass das Wort „Mann“ das Gegenteil von dem kleingeschriebenen „man“ ist.
        Bernhard Lichtenberg war wirklich ein Charakter. Er stand zu seinem apostolischen Auftrag, koste es, was es wolle...

Ganze Predigt

20. Jahrestags der Seligsprechung Lichtenbergs

Donnerstag, 23. Juni 2016, 18.00 Uhr

Pontifikalamt in der St. Hedwigs-Kathedrale

 

3. Bernhard-Lichtenberg-Wallfahrt

Samstag, 5. November 2016

in der St. Hedwigs-Kathedrale, Bebelplatz, 10117 Berlin

Neue Publikation

Bernhard Lichtenberg - Sein Leben für Kinder erzählt

Philipp und Caroline von Ketteler

Ausgehend von seinen seinen Lebenseinstellungen und tiefgläubigen Überzeugungen wird die Lebensgeschichte Bernhard Lichtenbergs anschaulich und abwechslungsreich erzählt.

Aschendorff Verlag, Münster 2014. Gebundene Ausgabe. 48 Seiten, ISBN 978-3-402-13083-4

Daten zu Bernhard Lichtenberg

1875 Geburt in Ohlau/Schlesien am 3. Dezember
1895 Beginn des Theologiestudiums
1899 Priesterweihe in Breslau
1900 Beginn der Seelsorgetätigkeit in Berlin
1913 Pfarrer der Herz-Jesu-Gemeinde in Charlottenburg
1914 Militärpfarrer im Nebenamt
1931 Ernennung zum Domkapitular und Ordinariatsrat
1932 Pfarrer der St. Hedwigs-Kathedrale
1935 Protest gegen Konzentrationslager
1938 Januar: Dompropst von St. Hedwig
November: nach dem Pogrom öffentliche Gebete für die Juden
1941 August: Protest gegen Euthanasie
Oktober: Verhaftung und Untersuchungshaft
1942 Mai: Prozeß, Urteil und Haftantritt
1943 Oktober: Ende der Haftzeit, Transport ins KZ Dachau.
5. November: Tod in Hof (Saale); Beisetzung in Berlin
1965 April: Beginn des Seligsprechungsprozesses,
August: Überführung in die Unterkirche der St. Hedwigs-Kathedrale
1994 April: Abschluß des Seligsprechungsprozesses. Bernhard Lichtenberg wird von der Kirche als Märtyrer anerkannt. 2. Juli: Papst Johannes Paul II. unterzeichnet das Dekret über die bevorstehende Seligsprechung.
1996 23. Juni: Seligsprechung durch Papst Johannes Paul II. in Berlin
2004 7. Juli: Zuerkennung des Ehrentitels "Gerechter unter den Völkern" durch die Israelische Holocaust-Gedenkstätte YAD VASHEM
2012 Dr. Gotthard Klein wird zum Diözesanpostulator für die Heiligsprechung des Seligen Bernhard Lichtenbergs ernannt.

Dokumente

  • Referat von Frau Gisela Kuck, Referentin für YAD VASHEM, Botschaft des Staates Israel, "Zur Ehrung von Bernhard Lichtenberg durch die Holocaust-Gedenkstätte YAD VASHEM"

Gebet

Allmächtiger Gott und Vater,
der sel. Bernhard Lichtenberg hat als Priester in Berlin Zeugnis gegeben für die Botschaft deines Sohnes. Unermüdlich sorgte er für die ihm anvertrauten Gläubigen und spendete die Sakramente. Unerschrocken verkündete er den Glauben durch die Werke der Liebe.

Öffentlich hat er für die Gefangenen in den Konzentrationslagern gebetet, für die todgeweihten Juden und für die angeblich "lebensunwerten" Behinderten. Weil er nicht über die Wahrheit schweigen wollte, brachten ihn die Machthaber zu Tode.

Wir danken dir, dass Bernhard Lichtenberg unter uns dein Priester sein durfte. Stelle ihn vor die ganze Kirche als Zeugen für dein Evangelium.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Amen.

Mitteilungen über Gebetserhörungen auf die Fürsprache des Seligen Bernhard Lichtenberg werden erbeten an den Diözesan-Postulator.

Kontakt

Diözesan - Postulator
Dr. Gotthard Klein 
Bethaniendamm 29
10997 Berlin (Kreuzberg)
Tel.: (030) 22 50 45 80
Fax: (030) 22 50 45 83
E-Mail: postulator(ät)bernhard-lichtenberg-kapelle.de

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