Gedenken an die Opfer des 7. Oktober Einführung von Erzbischof Dr. Heiner Koch

Interreligiöser Gottesdienst in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche

"Wir sind heute hier zusammengekommen, um zu gedenken. Und wir tun dies an einem Ort, der selbst zu einem sichtbaren Zeichen des Gedenkens und Erinnerns geworden ist.

Erinnerungen existieren nicht nur in den Köpfen einzelner Menschen, sondern auch als „kulturelles Gedächtnis“. Gesellschaften bewahren Vergangenes auch durch Orte, Zeiten, Bilder, Rituale, Symbole und Erzählungen. Auf diese Weise entsteht ein gemeinsamer Erinnerungshorizont, der über die Lebenszeit des Einzelnen hinausreicht.

Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche ist ein solcher Erinnerungsort. Ihre Architektur erzählt von Verlust und Zerstörung, aber ebenso von dem Versuch, mit dieser Vergangenheit zu leben. Die Ruine wurde nicht beseitigt und die Geschichte nicht unsichtbar gemacht. Vielmehr ist das Alte bewusst mit dem Neuen verbunden worden. Gerade dadurch wird dieser Ort zu einem Teil unseres kollektiven Gedächtnisses für uns.

Auch der 7. Oktober 2023 ist für uns zu solch einem Tag des Gedächtnisses geworden. Denken wir an diesen Tag zurück, so steht auch heute das Leid und die Not der Geiseln und ihrer Familien uns vor Augen. Ebenso die Trauer um die Verstorbenen dieses schockierenden Angriffs. Mit diesem Tag begann ein neues Kapitel für die Menschen in Israel und in benachbarten Gebieten, die seit Jahrzehnten im Konflikt miteinander stehen. Waffen, Blut, Trauer, Zerstörung und Tod. Unfassbares Leid, das in der Folge dieses furchtbaren Tages über so viele, oft völlig unschuldige junge und alte Menschen gekommen ist, so viel Leid und Hass und Tod in so vielen Familien.

Eine Gedenkfeier wie die heutige ist deshalb mehr als ein Rückblick. Indem wir uns gemeinsam erinnern, schaffen wir einen Raum, in dem Vergangenheit in die Gegenwart hineinwirkt. Wir geben den Opfern des 7. Oktobers und den Opfern der darauffolgenden Auseinandersetzungen einen Platz in unserem gemeinsamen Gedächtnis.

Gerade an diesem Ort wird deutlich: Erinnerung ist nicht nur das Bewahren dessen, was gewesen ist. Erinnerung ist auch eine Aufgabe an uns in der Gegenwart. Gegen alle Hoffnungslosigkeit beten wir auch heute um den Frieden und um die Kraft zu Schritten der Hoffnung."

Erzbischof Dr. Heiner Koch

 

Zum Gedenken an die Opfer des Terrorangriffs vom 7. Oktober 2023 in Israel haben die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) und das Erzbistum Berlin zu einem Gedenkgottesdienst eingeladen.

Der interreligiöse Gedenkgottesdienst fand statt

  • am Mittwoch, 7. Oktober 2026 um 18 Uhr
  • in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, Breitscheidplatz, 10789 Berlin

Den Gottesdienst gestalteten Bischof Dr. Christian Stäblein, Erzbischof Dr. Heiner Koch und Rabbiner Prof. Dr. Andreas Nachama.

Das Gedenken wurde mitgestaltet von Pfarrerin Marion Gardei (Beauftragte für Erinnerungskultur und Beauftragte für jüdisches Leben und für den Kampf gegen Antisemitismus der EKBO), Dekanin i.R. Anne-Kathrin Kruse (Pfarrerin der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche) und Imam Kadir Sanci (Gründer und Vorstandsmitglied der Islamischen Akademie für Bildung und Gesellschaft (abg) und Gründungsmitglied des Netzwerks Runder Tisch Berliner Imame).