Kirchliche Denkmalpflege

Die Kirchenbauten des Erzbistums Berlin mit ihrer künstlerischen Ausstattung gehören in den Zuständigkeitsbereich der Kunstbeauftragten (Wandgemälde, Altäre, Bilder, Skulpturen, liturgisches Gerät).
Dazu gehört nicht nur der liturgische Raum selbst, sondern auch alle Nebenräume, Keller, Speicher und Abstellkammern, in denen Kunstgegenstände ausgelagert sind.
Die Bestandaufnahme in Text und Bild ist Vorraussetzung jeder restauratorischen Maßnahme, die nach Beratung mit der Kunstbeauftragten erfolgen sollte, um unprofessionelle Maßnahmen zu vermeiden. Eine unprofessionelle Restaurierung bedeutet Zerstörung des Kunstwerkes und deutliche Minderung seines historischen, künstlerischen und nicht zuletzt materiellen Wertes - eine kompetente Restaurierung von Figuren, Bildern, Altären und vor allem liturgischer Geräte bedeutet Wertsteigerung. Kirchliche Denkmalpflege heißt Sicherung kultureller Substanz und gehört wesentlich zur Identität jeder Ortskirche.


Pietà in der ehemaligen Kriegergedächtniskapelle

St. Sebastian

  • Holz polychrom gefaßt (140 x140 cm), signiert "Gg. Lang sel. Erben Oberammergau", um 1920-30
  • Im Dezember 2013 wurde die kostbare Figur schwer beschädigt durch Brand. Zu viele Kerzen und Teelichter standen zu nahe und entflammten sich.  
  • Sie wurde von Katharina Geipel 2014/15 meisterhaft restauriert.

Weitere Restaurierungsbeispiele


Restaurierung Maria Immaculata (um 1900)

St. Nikolai (Treuenbrietzen)

Restauratorin: Sieglinde Timm

  • Reinigung der Fassadenoberfläche und Entfernung der verkrusteten Partien im Inkarnat und an den Händen
  • Abnahme der hellen Übermalung - Freilegung der Sterne, Ausgrundierung der Fassungsschäden, Neuvergoldung der Sterne
  • Tränken der zerstörten Holzsubstanz
  • Verleimen und Verdübeln der gebrochenen Teile
  • Neuversilberung der Mondsichel und Wolken
  • Auftragen von Lasuren
  • Angleichung von Farbtönen
  • Retusche geschädigter Partien
  • Restaurierung der Rückwand

Restaurierung von 14 Kreuzwegbildern

aus der Katholischen Herz Jesu Kirche in Neuruppin

In der 1882/83 erbauten neogotischen Kirche befinden sich 14 Leinwandgemälde eines Kreuzwegzyklus des Malers Joseph Fahnroth (signiert „J. Fahnroth/ Breslau 1886/87“).

Der Zustand der Gemälde war unterschiedlich. Einige wiesen starke Malschichtlockerungen und bereits Fehlstellen auf. Bei diesen Gemälden war eine Malschichtfestigung dringend notwendig, um weitere Verluste zu verhindern. Die bereits entstandenen Fehlstellen wurden gekittet und retuschiert. Alle Gemälde wiesen ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes sogenanntes Craquelé auf, also feine Risse in der Malschicht, die zur normalen Alterung gehören und nicht wieder rückgängig gemacht werden können.

Manche Leinwände waren wellig deformiert und mussten nachgespannt oder teilweise neu aufgespannt werden. Auch waren einige Keilrahmen zu reparieren oder nachzuarbeiten. Der Anobienbefall in den Keilrahmenleisten wurde durch Begasung gestoppt. Wo die Holzsubstanz partiell geschwächt war, wurde diese mittels gelöster Kunstharze gefestigt. Generell sollte möglichst viel Originalsubstanz  der Keilrahmen erhalten werden.

Die Gemäldeoberflächen waren verschmutzt. Eine Bildreinigung an allen Gemälden verbesserte das Erscheinungsbild deutlich. Die Firnisschichten wurden dabei erhalten. Auffällige Retuschen, die sich im Lauf der Jahre verändert haben, wurden überarbeitet und der Umgebung angeglichen. Abschließend wurde ein dünner, nur leicht glänzender Firnis aufgetragen, der die Oberflächen schützt und Glanzunterschiede vereinheitlicht.

Restaurierung der Maria in der St. Hedwigs-Kathedrale

Die Marienfigur in der St. Hedwigs-Kathedrale ist restauriert worden. Kerzenruß überzog seit über zehn Jahren die Muttergottes auf der Mondsichel in der Oberkirche. Die Berliner Diplom-Restauratorin, Dörte Busch,  übernahm die Restaurierung und verhalf der kostbaren polychrom gefassten Holzfigur zurück zu ihrem freundlichen und vitalen Ausdruck, den der Kerzenruß lange Zeit verschleierte.

Letztlich wäre auch die materielle Substanz der Mariengestalt mit ihrem Kind gefährdet gewesen, die aus dem späten Mittelalter stammt – vermutlich aus der Bildhauerschule des Michel Ehrhart in Ulm, um 1500.  Die Restauratorin hat das Werk nur gereinigt, mit speziellen Pinseln und trockenen Schwämmen. Um das Gesamtbild zu beruhigen, musste Busch zahlreiche Retuschen vornehmen. Das Ergebnis wird im Vergleich zwischen dem Zustand vor- und nach der Restaurierung deutlich.

Täglich zünden Gläubige viele Kerzen und Lichter an diesem Ort der Marienverehrung in der Kathedrale an. Das darf auch so bleiben. Allerdings sollte der bronzene  Leuchterkranz direkt unter der Muttergottes in Zukunft nicht mehr mit Kerzen bestückt werden –  dann hält die Muttergottes auch länger durch.

"Heilige Nacht"

Franz Hillner (1745-1812), 1767
Kopie nach Antonio Alegri, genannt Correggio (Dresdener Gemäldegalerie) Öl auf Leinwand mit Schmuckrahmen. Das Bild wurde 2009 konserviert und gereinigt.

 

 

"Ziborium"

Silber vergoldet und graviert, Neugotisch, um 1900
Vor der Restaurierung: Verschmutzungen und Korrosionsschäden bewirkten ein ungepflegtes Erscheinungsbild des fein gearbeiteten Speisekelches. Nach der Restaurierung: Im Ultraschall- und Reduktionsbad konnten die Verschmutzungen gelöst werden ohne Eingriff in die alte Substanz. Eine Neu- vergoldung war nicht notwendig.

"Maria Himmelskönigin"

Holz polychrom gefasst, um 1900,
Kath. Kirche St. Joseph, Trebbin

Vor der Restaurierung: Durch die stark verschmutzte Oberfläche, mehrfache, teilweise unsachgemäße Überfassungen und unsensible Ausbesserungen war das festliche und elegante Erscheinungsbild der Figur verdüstert und entstellt. Dies wird u.a. an den Füßen mit den Rosen besonders deutlich. Nach der Restaurierung: Eine Befunduntersuchung ließ die ursprüngliche Farbfassung erkennen. Die originale Inkar-natfassung an Gesicht, Hals, Händen und Füßen wurde freigelegt, ebenso die Rotfassung der Rosen auf den Füßen, die Vergoldung am Haar. Die Rotfassung des Untergewandes wurde teilrekonstruiert, die Blaufassung des Innen-mantels gereinigt und retuschiert, ebenso die Goldfassung des Mantels außen. Die Poliment-vergoldung der Krone wurde freigelegt und fehlende Kronenspitzen ergänzt.

"Geburt Christi"

Antoine Pesne, Berlin um 1740
Vor der Restaurierung: Ein matt und opak gewordener Firnis, starke Verschmutzung der Bildoberfläche, etliche Rissbildungen und Übermalungen vor allem der dunklen Partien haben die von leuchtender Farbigkeit lebende Bildaussage verunklärt. Nach der Restaurierung: Reinigung der Bildoberfläche, Abnahme des alten und dunklen Firnisses und der darunter liegenden Verschmutzung, Abnahme späterer Übermalungen sowie kleine farbliche Retuschen brachten dem barocken Gemälde die ursprüngliche Leuchtkraft wieder.

Kontakt

Erzbischöfliches Ordinariat Berlin
- Kunstbeauftragter -

Erik Venhorst
Tel.: (030) 326 84-329
Fax: (030) 326 84-7329
E-Mail: erik.venhorst(ät)erzbistumberlin.de