Hingehört

Frequenz: Schlagerradio 106,0

Sendezeit: Samstag, 8.25 Uhr


3. Oktober 2026, Hans-Joachim Ditz

„Die Mittelmäßigkeit verhindert jeden Streit“ – so lautet der Refrain eines Liedes des Berliner Liedermacher Klaus Hoffman. Ist schon eine ganze Weile her, dass er das gesungen hat. In einer Zeit, als die Gesellschaft in Deutschland noch von einer breiten „gut-bürgerlichen Mitte“ geprägt war. Und Klaus Hoffmann wünschte sich ganz offensichtlich mehr Aufbruch aus piefigen Verhältnissen, mehr Veränderung, mehr Akzeptanz für provokante Lebensstile. Wer will schon mittelmäßig sein?

Heute haben wir jede Menge Streit. Die digitalen Diskursräume werden dominiert von extremen Positionen. Die gesellschaftliche Mitte löst sich immer mehr auf, ist der Befund der Soziologen. Da wünsche ich mir doch mehr Mittelmäßigkeit. Mittelmäßigkeit gilt gemeinhin als negativ. Für mich nicht. Ich wünsche mir mehr Menschen, die in der Lage sind, ein mittleres Maß zu halten.  Die nicht ständig nach rechts oder links vom Pferd fallen. Dazu braucht es Kraft und Mut und auch Feingefühl. Oder wie Paulus im Galater-Brief schreibt: Geduld, Friede und Sanftmut sind Früchte des Heiligen Geistes, Zorn und Streit und Spaltungen dagegen Früchte der Maßlosigkeit. (vgl. Gal 5,22-23) Nur in einem Punkt ist die Bibel maßlos: Bei der Liebe und bei der Vergebung.

Bloß fromme Worte? Ich hoffe nicht. Ich wünsche mir wieder mehr Menschen, die in der Lage sind, in den Herausforderungen unserer Zeit das mittlere Maß zu finden und zu halten. Gerade heute, am Tag der Deutschen Einheit.