Hingehört
22. August 2026, Anja Schmidt
Heute feiert Berlin auf dem Tempelhofer Feld: TFELD – ein neues, einzigartiges Festivalformat, das die kulturelle Vielfalt Berlins in den Mittelpunkt stellt. Ausgerechnet dort, wo früher Flugzeuge starteten, feiern jetzt Zehntausende Menschen unter dem Motto „Das ist Berlin". Hip-Hop trifft Techno, Generationen treffen aufeinander, ganz unterschiedliche Szenen der Stadt kommen zusammen.
Ich finde, der Ort passt gut zu diesem Anlass. Ein Flughafen ist ein Ort des Aufbruchs. Menschen kommen an und gehen wieder, sie treffen sich, sie verabschieden sich und brechen auf zu Neuem. Genau das feiert TFELD heute: Menschen kommen zusammen. Sie feiern gemeinsam, sie lernen sich kennen und nach dieser Musiknacht trennen sich ihre Wege wieder.
Das Tempelhofer Feld als das weite Feld, wie Fontane es schon in Effi Briest beschreibt. Gott, so heißt es einmal beim Propheten Jesaja, führt sein Volk hinaus ins Weite. Nicht ins Enge, nicht in die Isolation – sondern dahin, wo Platz ist. Platz für viele. Platz für Verschiedenes. Platz zum Atmen und zum Gebet.
Und auch heute ist das Tempelhofer Feld ein weiter Ort. Kein Zaun um eine einzelne Szene, keine Mauer um eine bestimmte Gruppe. Sondern offener Himmel über allen, die heute dort feiern – egal welche Musik sie lieben, egal woher sie kommen. Wer singt betet doppelt. Den Spruch kennen Sie vielleicht auch.
So ist dieses neue Festival für mich wie ein kleiner Fingerzeig für unseren Alltag: Wo in meinem Leben ist Platz für Begegnung mit Menschen, die anders sind als ich? Wo traue ich mich, aus der Enge herauszutreten, ins Weite?
Ich wünsche allen, die heute auf dem Tempelhofer Feld feiern, gute Begegnungen – und uns allen ein bisschen mehr Weite im Herzen.