Hingehört

Frequenz: Schlagerradio 106,0

Sendezeit: Samstag, 8.25 Uhr


2. Mai 2026, Anja Schmidt

Der Mai ist da – und mit ihm der Duft von Maiglöckchen und, wenn ich jetzt in den Sonntagsgottesdienst gehe, höre ich: „Maria, breit den Mantel aus..." Ein Lied, dass für mich diesen Monat prägt. Für viele Gläubige ist der Mai nicht einfach Frühling. Er ist der Monat Mariens.

Dieses Lied, das sie vielleicht aus Kindheitstagen kennen, stammt aus dem 17. Jahrhundert. Es beschreibt ein einfaches Bild: Maria, die ihren Mantel ausbreitet – weit genug, dass alle darunter Schutz finden, die Zuflucht suchen. Der Mantel als Zeichen der Geborgenheit und mütterlichen Umarmung. In einer Welt, die sich oft kalt und unübersichtlich anfühlt, ist das ein starkes Bild. Und eines, das nicht erklärt werden muss – es möchte gespürt werden.

Und warum singt man das ausgerechnet im Mai? Im 18. Jahrhundert entstand in Italien die Tradition, diesen Monat der Gottesmutter zu widmen. Die Natur blüht auf, das Leben kehrt zurück – und Maria steht im christlichen Glauben für Hoffnung, Neuanfang und Güte. Der Mai und Maria – das passte einfach zusammen. Es ist, als würde die Natur selbst ein Fest vorbereiten: mit Licht, Wärme und dem leisen Versprechen, dass nach der Kälte immer wieder etwas aufblüht.

Marienlieder wie „Maria, breit den Mantel aus“ sind mehr als fromme Volksmusik. Sie sind ein Gedächtnis unserer christlichen Gemeinschaft. Generationen haben sie gesungen. Großmütter haben dasselbe gesungen wie ihre Enkelkinder heute.

Vielleicht ist das das eigentliche Geheimnis des Marienmonats: Er erinnert uns daran, dass wir nicht allein singen – und dass über uns, wenn man so will, immer noch ein Mantel ausgebreitet ist.