Aufarbeitung sexueller Gewalt

Ausschreibung zur Begleitung der Aufarbeitung sexueller Gewalt

im Raum der
 (Erz-)Bistümer Berlin, Dresden-Meißen und Görlitz
sowie der Katholischen Militärseelsorge

in einem Betroffenenbeirat


Die (Erz-)Bistümer Berlin, Dresden-Meißen und Görlitz sowie die Katholische Militärseelsorge sind daran interessiert, dass Betroffene, denen sexualisierte Gewalt von Vertreterinnen und Vertretern der genannten (Erz-)Bistümer zugefügt wurde, auf Grundlage ihrer Erfahrungen die Arbeit in dem Bereich Aufarbeitung begleiten. Die genannten (Erz-)Bistümer und die Katholische Militärseelsorge kommen ihrer Verantwortung für eine unabhängige Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der Katholischen Kirche in Deutschland nach, indem sie diese gemeinsam organisieren und verantworten. Grundlage dafür ist eine gemeinsame Erklärung über verbindliche Kriterien und Standards für eine unabhängige Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch, die zwischen der Deutschen Bischofskonferenz und dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) 2020 vereinbart wurde.

Betroffenenbeirat

Die Prozesse zur unabhängigen Aufarbeitung von Fällen sexualisierter Gewalt sollen auch von Betroffenen begleitet werden. Hierzu wird zur Mitarbeit eingeladen und ein Betroffenenbeirat errichtet. Für das Ausschreibungs- und Besetzungsverfahren hat die Deutsche Bischofskonferenz in Abstimmung mit dem UBSKM und Betroffenen eine Rahmenordnung entwickelt.

Gesucht werden Personen (oder deren Angehörige bzw. gesetzliche Vertreter),

  • die im Bereich der genannten (Erz )Diözesen bzw. der Katholischen Militärseelsorge sexuelle Gewalt erlitten haben und mindestens 18 Jahre alt sind,
  • die zur ehrenamtlichen Mitarbeit im Betroffenenbeirat bereit sind und
  • die an einer kritisch-konstruktiven Auseinandersetzung mit den Aufarbeitungs-, Präventions- und Interventionsbemühungen der Katholischen Kirche in den genannten Institutionen interessiert sind.

Die Auswahl der höchstens acht Mitglieder erfolgt durch ein unabhängig agierendes Auswahlgremium, das bei seiner Tätigkeit Geschlecht und die Abbildung unterschiedlicher Kontexte, in denen Menschen sexualisierte Gewalt erlitten haben, zu berücksichtigen hat. Dazu gehören institutionelle, geographische und zeitliche Faktoren. Entsprechend dieser Faktoren sichtet das Auswahlgremium die Interessensbekundungen und lädt die Bewerberinnen und Bewerber zu einem Gespräch ein. Die Teilnehmenden erhalten vorab die Information, wer das Gespräch führt.

Aufgabe des Betroffenenbeirates ist es, als Expertengremium aus Sicht von Betroffenen einen Beitrag zu leisten zur Weiterentwicklung des Umgangs mit Fragen der sexualisierten Gewalt in den genannten (Erz-) Bistümern sowie in der Katholischen Militärseelsorge hinsichtlich der Aufarbeitung. Die Themen, mit denen sich der Betroffenenbeirat beschäftigt, ergeben sich sowohl aus den Anliegen der Betroffenen als auch aus den Fragestellungen der genannten (Erz-)Bistümer sowie der Katholischen Militärseelsorge. Der Beirat ist auch Impulsgeber. Er wird gehört im Vorfeld geplanter Maßnahmen und gibt dazu Hinweise und Vorschläge. Er setzt sich kritisch mit den bereits vorliegenden Konzepten zum Umgang mit Fragen der sexualisierten Gewalt auseinander und steht im Austausch mit den Beraterstäben der genannten (Erz-)Bistümer sowie der Katholischen Militärseelsorge.

Der Betroffenenbeirat hat jederzeit die Möglichkeit, (schriftliche) Stellungnahmen zu Fragen, die die Interessen und Rechte der Betroffenen betreffen, gegenüber den berufenden Institutionen abzugeben. Aus dem Betroffenenbeirat werden Vertreterinnen und Vertreter in die Aufarbeitungskommission entsandt. Der Beirat begleitet die Aktivitäten der Kommission.

Die Sitzungen finden voraussichtlich in Berlin oder Leipzig statt. Eine Aufwandsentschädigung, die sich an der oben genannten Rahmenordnung orientiert, wird gewährt. Auf Wunsch der begleitenden Betroffenen besteht die Möglichkeit, eine Supervision in Anspruch zu nehmen. Die Kosten hierfür werden übernommen.

Die Namen der Mitglieder des Betroffenenbeirats dürfen von den (Erz-)Diözesen bzw. der Katholischen Militärseelsorge unter Beachtung datenschutzrechtlicher Vorgaben veröffentlicht werden, soweit diese ihre Zustimmung dazu gegeben haben. Die Berufung erfolgt für 3 Jahre.

Die Frist wurde verlängert. Die Bereitschaft zur Mitarbeit kann bis zum 30. Juni 2021 an

Überdiözesanes Auswahlgremium Betroffenenbeirat
c/o Bischöfliches Ordinariat
Justitiar Stephan v. Spies
Käthe-Kollwitz-Ufer 84
01309 Dresden

geäußert werden.

Formular zur Interessenbekundung herunterladen

Datenschutzrechtliche Vereinbarung

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Gemeinsame Erklärung Aufarbeitung

Rahmenordnung für das Ausschreibungs- und Besetzungsverfahren Betroffener

Ein Gutachten und die nächsten Schritte

Das Gutachten „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich des Erzbistums Berlin seit 1946“ war vom Erzbistum Berlin im November 2018 im Anschluss an die Veröffentlichungen der sog. „MHG-Studie“ beauftragt worden. Es behandelt die im Erzbistum Berlin aktenkundigen Vorwürfe gegen Kleriker zwischen 1946 und 2020. Dabei handelt es sich überwiegend um im (Erz-)Bistum inkardinierte Priester, teilweise auch um Ordenspriester, die im Bereich des (Erz-)Bistums tätig waren. In diesem Zeitraum sind bisher insgesamt gegen 61 Beschuldigte Vorwürfe im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch aktenkundig geworden.

Das Gutachten stellt nicht den Abschluss der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals im Erzbistum Berlin dar, sondern soll dazu beitragen, aus den Erkenntnissen über die Vergangenheit weitere Schlussfolgerungen für den zukünftigen Umgang mit sexuellem Kindesmissbrauch im Bereich der katholischen Kirche zu ziehen und erkannte strukturelle Defizite zu minimieren. Das Gutachten wird darüber hinaus Anlass dafür sein zu erforschen, ob es über die bisher bekannten Fälle sexuellen Missbrauchs an Kindern und Schutzbefohlenen im Bereich des Erzbistums Berlin weitere Fälle gibt, die bisher nicht aktenkundig geworden sind.

Die Gutachten-Kommission

Der Teil C des Gutachtens, „Zusammenfassender Inhalt der Personalakten beschuldigter Kleriker im (Erz-)Bistum Berlin seit 1946 in zeitlicher Reihenfolge der Zeiträume der Beschuldigungen“, der neben der Darstellung der konkreten Beschuldigungen auch die personenbezogenen Daten der Beschuldigten enthält und zudem möglicherweise auch Rückschlüsse auf die Identität der im Gutachten anonymisierten Betroffenen zulassen könnte, wurde aus Gründen des Persönlichkeitsrechtsschutzes, der Gefahr der Retraumatisierung der Betroffenen und um eine voyeuristische Darstellung zu vermeiden, nicht veröffentlicht. Er dient der Fortführung der innerkirchlichen Aufklärungs- und Aufarbeitungsbemühungen im Erzbistum.

Dafür hat das Erzbistum Berlin eine „Gutachten-Kommission“ einberufen.

Entsandt vom Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Berlin sind:

  • Johanna Jungbluth, Mitglied im Berliner BDKJ-Vorstand
  • Kristin Wedekind
  • Daniel Schade

Entsandt vom Priesterrat im Erzbistum Berlin sind:

  • Msgr. Winfried Onizazuk, Pfarrer von St. Mauritius im Pastoralen Raum Berlin Friedrichshain-Lichtenberg
  • Martin Kalinowski, Pfarrer von Heilige Drei Könige Nord-Neukölln
  • Johannes Schaan, Pfarrer St. Bernhard Stralsund/Rügen/Demmin

Unabhängige Aufarbeitungskommission

Derzeit entstehen – gemäß dem Beschluss der Deutschen Bischofskonferenz – eine unabhängige Aufarbeitungskommission sowie ein Betroffenenbeirat, gemeinsam mit den Bistümern Dresden-Meißen, Görlitz und der Katholischen Militärseelsorge.


Die MHG-Studie

„Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“

Erzbischof Koch zu Bedeutung und Konsequenzen der Studie für das Erzbistum Berlin

"(...) Ich bin tief traurig, dass ich geschehenes und gesehenes Leid nicht ungeschehen machen und Wunden nicht heilen kann. Hilflos stehe ich dem gegenüber, dass Menschen an ihrer Kirche verzweifeln. Ich empfinde Scham, dass Taten verschleiert und Täter nicht angemessen zur Rechenschaft gezogen wurden, dass das Ansehen der Kirche über den Schutz der Opfer gestellt wurde. Dafür bitte ich die Betroffenen um Entschuldigung (...)" weiterlesen

Zur Studie