Diese Woche hat an Berlins Hochschulen die Vorlesungszeit begonnen. Fast 30.000 junge Menschen fangen gerade neu an: neue Stadt, neues Zimmer, neue Gesichter.
Vielleicht kennen Sie jemanden im ersten Semester. Den Enkel, der jetzt in seiner ersten WG weit weg lebt. Die Nachbarin, die seit einer Woche über Ihnen wohnt und noch keinen Namen im Treppenhaus kennt.
Neuanfänge kennen wir alle. Ein neuer Job. Ein Umzug. Das Leben nach einer Trennung. Auch unsere Stadt ordnet sich gerade neu – Ende des Monats kommt das neue Abgeordnetenhaus erstmals zusammen. Vieles ist offen. Das kann unruhig machen.
Diese Unruhe kannte auch der heilige Augustinus. Vor mehr als 1600 Jahren schrieb er, frei übersetzt: „Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir." Der Satz könnte auch von einer Berliner Studentin stammen.
Von dieser Unruhe weiß auch Pater Felix Meckl. Er ist Augustiner – wie der Heilige – und unser katholischer Hochschulseelsorger in Berlin. Sein Angebot an die Studierenden ist denkbar einfach. Er schreibt: „Wenn du mal reden willst, melde dich. Egal worum es geht: Sorgen oder Nöte, Ängste oder Neugier. Auch über Freude können wir sprechen.“
Das gefällt mir. Weil es so offen und einladend ist. Keine Bedingungen. Nur: Ich bin für dich da. Melde dich.
„Ich bin da“ – so lässt sich der Name übersetzen, mit dem sich Gott in der Bibel Moses vorstellt. Kein Titel, keine Erklärung. Nur: Ich bin da. Und mehr braucht es oft auch nicht. Der heilige Augustinus hat seine Ruhe am Ende nicht in einer Antwort gefunden, sondern in einer Beziehung: zu Gott.
Unruhe ist kein Fehler. Sie zeigt, dass wir noch suchen, noch unterwegs sind. Und niemand muss allein suchen. Die Frage „Wie geht es dir eigentlich?“ – ehrlich gestellt, mit Zeit für die Antwort – ist in diesem Herbst vielleicht mehr als eine Floskel.
Ich hoffe für alle, die diese Woche neu angefangen haben – im Hörsaal, im Job, in der Politik –, dass sie Menschen finden, die zu ihnen sagen: Wenn du mal reden willst, melde dich. Ich bin da. Und vielleicht sind Sie so ein Mensch - für den Enkel oder die neue Nachbarin über Ihnen.
Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende und einen gesegneten Sonntag.
