In der Ruine des Grauen Klosters, einem ehemaligen Franziskanerkloster in Berlin, wurde an den 800. Todestag des heiligen Franz von Assisi errinnert. Die franziskanische Ordensfamilie kam dort zu einer Transitus-Feier zusammen.
Der heilige Franziskus wäre vermutlich glücklich gewesen über die Feier zu seinem 800. Todestag in der Klosterruine der Franziskanerkirche von Berlin. Verschiedene franziskanische Gemeinschaften und zahlreiche Interessierte waren zu einer abendlichen Transitus-Feier zusammengekommen. Auch der Vorsteher der deutschen Franziskanerprovinz, Bruder Markus Fuhrmann, war dabei. Nach seinen Worten, würde das Sterben des Heilgen gefeiert, „um in der geschwisterlichen Liebe zueinander zu wachsen und einst hoffnungsvoll unserer eigenen Begegnung mit den Tod entgegenzugehen“.
Franziskanerinnen und Franziskaner lasen aus den Lebensbeschreibungen von Franziskus. So wurde das Sterben des Heiligen, sein „Transitus“, sein Übergang zu Gott, vergegenwärtigt. Umrahmt von Liedern und Psalmen wurde klar, dass Franziskus seinen Tod als „Schwester“ bezeichnete. Seine letzten Worte sind ebenfalls überleifert: „Ich habe das Meinige getan. Was das Ewige ist, möge euch Christus lehren.“
Da Franziskus sich in seiner letzten Stunde Brot zum Teilen bringen ließ, wurden auch in der Klosterruine Brotstücke gesegnet und geteilt – „als Zeichen der Verbundenheit über den Tod hinaus“. Bruder Markus nannte Franziskus einen Menschen des Übergangs. Daher sei die Klosterruine in Berlin ein guter Ort, seiner zu gedenken. Heute wie damals gebe es das Gespür: „So kann es nicht weitergehen. Strukturen und Gewissheiten fallen weg.“ Franziskus habe vor solchen Situationen keine Angst gehabt und Brücken gebaut. So habe er aus einer Krise etwas Neues geschaffen. „Ich darf mich frei machen und mich selbst verschenken“ – so fasste der Provinzial die Quelle der damals neuen franziskanischen Lebensform zusammen. Als Grenzgänger rufe Franziskus zu echten Begegnungen auf. Den Tod sah er nicht verharmlosend, sondern als Hinübergang zu Gott aus tief verwurzeltem Vertrauen. „Seid anders, habt den Mut, euch aus Schubladendenken und Grenzen herausführen zu lassen in eine zuversichtliche Freiheit, weil wir dem vertrauen, der uns aus jedem Übergang hinaus führt“, ermutigte Bruder Markus die Anwesenden.
Der gesungene Sonnengesang erhellte diese Perspektive: Leben ist Übergang, Veränderung und Wachstum. Deshalb solle auf Wandel und Veränderung nicht nur mit Sorge, sondern auch mit Hoffnung geschaut werden. „Geistige Lockerungsübungen wie bei Franziskus brauchen wir vielleicht auch heute“, sagte der Provinzial.
Erzbischof Heiner Koch blickte auf die vielen Brüche in Berlin. Dafür wünschte er den Beteiligten viele Übergänge in Freiheit und Weite. Propst Johannes Krug von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz erinnerte daran, dass ein Franziskanermönch den Totentanz in der Sankt Marienkirche anführt. „So schafft es Franziskus, Brücken bis in die evangelische Kirche hinein zu bauen.“ Ute Müller-Tischler, Fachbereichsleiterin Kunst, Kultur und Geschichte im Bezirksamt Mitte, bezeichnete die Klosterruine als Begegnung von Stadtgeschichte und Spiritualität. Daher werde dieses Baudenkmal weiter erhalten.
Musikalisch begleitet von der „Wochentagskapelle“ klang die Transitus-Feier mit vielen Gesprächen aus. Zahlreiche franziskanisch gesinnte Menschen feierten noch lange in die laue Herbstnacht hinein.