KennenlernenWie Pastorale Räume das Motto des ersten Jahrs der Entwicklungsphase umsetzen

Spielerisch durch den Pastoralen Raum Treptow-Köpenick: Die Wege des Kennenlernens können ganz verschieden sein.

Kennenlernen – so lautet das Motto für die Pastoralen Räume im ersten Jahr der Entwicklungsphase. Was das bedeuten kann und wie vielfältig das Kennenlernen angegangen wird, erfährt, wer sich in den Pastoralen Räumen umhört.

Dabei kristallisieren sich vier zentrale Bereiche des Kennenlernens heraus:

  • die Mitglieder eines Pastoralausschusses machen sich miteinander bekannt;
  • der Pastoralausschuss verschafft sich einen genauen Überblick über den Pastoralen Raum, das heißt, zum einen macht er sich ein detailliertes Bild von den im Pastoralen Raum befindlichen Kirchengemeinden und Orten kirchlichen Lebens, zum anderen weitet er den Blick über das kirchliche Umfeld hinaus und erkundet den allgemeinen Sozialraum, in dem sich der Pastorale Raum befindet;
  • Gemeindemitgliedern sowie Engagierten der Orte kirchlichen Lebens wird die Möglichkeit eröffnet, sich zu begegnen und den Pastoralen Raum zu erfahren;
  • die Begegnung der Gläubigen eines Pastoralen Raums auf spiritueller Ebene in Gottesdienst und Gebet wird gefördert.

Tage der offenen Tür

Pfarrer Rainer Lau leitet den Prozess im Pastoralen Raum Lichtenrade-Buckow-Mariendorf-Tempelhof. Das Kennenlernen im Pastoralausschuss, meint er, gestaltet sich nicht allzu schwer, da drei der vier Pfarreien des neuen Pastoralen Raums bislang in einem Dekanat zusammengearbeitet haben. „Die Verantwortlichen der Gemeinden kennen sich bereits seit langem“, weiß er um die bestehenden Verbindungen unter dem Pastoralen Personal und unter den Pfarrgremien. „Mit den Orten kirchlichen Lebens sieht das allerdings anders aus“, gibt er zu bedenken. Der Pastoralausschuss tage daher mal in einer der Gemeinden mal an einem Ort kirchlichen Lebens, um mehr voneinander zu erfahren. „Das letzte Mal trafen wir uns im St. Joseph-Krankenhaus und beim nächsten Mal sind wir in der evangelischen Gemeinde.“

Wie den Gemeindemitgliedern der Pastorale Raum bekannt gemacht werden kann, darüber mache sich der Pastoralausschuss momentan Gedanken, so Lau. Im Gespräch seien „Tage der offenen Tür“ in den Gemeinden. „Er könnte mit einem Gottesdienst beginnen, an den sich im Anschluss die Gemeinde mit ihren Gruppen und Kreisen sowie die Orte kirchlichen Lebens vorstellen.“

Ein detailliertes Bild vom Pastoralen Raum sollen in den kommenden Monaten sechs Arbeitsgruppen des Pastoralausschusses erstellen: „Diakonisches Leben“, „Pastorales Leben“, „Liturgisches Leben“, „Öffentlichkeitsarbeit“ und „Finanzen“. Monika Maschler aus der Pfarrei Maria Frieden in Berlin-Mariendorf engagiert sich in der Arbeitsgruppe „Pastorales Leben“. „Unsere Arbeit ist noch sehr theoretisch. Beim Kennenlernen muss meiner Meinung nach noch mehr auf menschlicher Ebene passieren“, ist sie überzeugt. Maschler könnte sich vorstellen, dass sich Gruppen und Kreise im Pastoralen Raum auf den Weg machen. „Zum Beispiel könnten die verschiedenen Kirchenchöre in allen Pfarreien des Raumes einmal singen, um sich vorzustellen, vielleicht mit einem Kirchencafé im Anschluss, um sich näher kennenzulernen.“

Gemeinsam fortbilden

„Wir sind noch am Anfang“, betont Pfarrer Bernhard Kohnke, Leiter des Pastoralen Raums Berlin-Buch – Bernau – Eberswalde. „In der ersten Pastoralausschusssitzung ging es ums Kennenlernen der Mitglieder, in der zweiten haben sich die Gemeinden vorgestellt und in der nun anstehenden dritten Sitzung wollen wir über Methoden sprechen, wie das Kennenlernen über den Pastoralausschuss hinaus für die breite Basis gelingen kann.“ Pfarrer Kohnke weiß um die Herausforderungen, die die große Fläche seines Pastoralen Raums von der polnischen Grenze bis in den Norden Berlins mit sich bringt. „Eine Radtour ist schwierig“, meint er. Daher sei zunächst ein Flyer mit den Informationen zum Prozess in Arbeit, der in den Gemeinden ausliegen soll. Zudem habe man alle Gemeinden zum Dekanatstag nach Chorin eingeladen.

Pfarrer Kohnke möchte außerdem Gruppen aus den verschiedenen Pfarreien auf Ebene des Pastoralen Raums zusammenbringen. Dabei hat er unter anderem die Lektoren und Gottesdienstbeauftragten im Blick. „Wenn alle zusammenkommen, kann man auch mal einen Referenten einladen, was sich für eine Pfarrei allein sonst kaum lohnt.“

Fastenpredigten für den gesamten Pastoralen Raum

„Das Kennenlernen haben wir ein wenig übersprungen“, meint Pfarrer Mathias Laminski, „unsere Pfarreien machen schon seit einigen Jahren vieles gemeinsam.“ Der Leiter des Pastoralen Raums Treptow-Köpenick beginnt aufzuzählen: „Die Religiöse Kinderwoche, die Firmung, Fronleichnam.“ Insbesondere bringen gemeinsame Reisen die Mitglieder der verschiedenen Gemeinden auf menschlicher Ebene zusammen. In diesem Jahr fahren die Pfarreien des Pastoralen Raums, zu denen auch eine St. Antonius- und eine St. Franziskus-Gemeinde gehören, nach Assisi und Padua. Dennoch: „So gut wir uns als Gemeinden kennen, so wenig kennen wir die Orte kirchlichen Lebens, insbesondere von Caritas und Malteser. Da verläuft eine Trennungslinie. An die müssen wir ran“, unterstreicht Pfarrer Laminski. In der Fastenzeit setzte der Pastorale Raum einen spirituellen Akzent. „Wir haben eine Sonntagabendmesse in St. Joseph eingeführt. Im Rahmen dieses Gottesdienstes gab es nun eine Fastenpredigtreihe als Angebot für den gesamten Pastoralen Raum.“

Ein „Raumteil“ für alle Pfarrbriefe

Im Pastoralen Raum im Nordosten Berlins richtete der Pastoralausschuss zunächst vier Teilraumgruppen ein. Sie sollen die vier Pfarreien des Pastoralen Raumes und ihren Sozialraum erkunden. „Wie gliedern sich die Gemeinden? Wie viele Leute leben in den Territorien? Was verbinden die Leute mit ihrem Kiez? Welche ländlichen, welche städtischen Bereiche können ausgemacht werden? Was gibt es dort von uns? Was gibt es über uns hinaus?“, zählt der Leiter des Pastoralen Raums, Pfarrer Bernd Krause, Fragen auf, auf die Antworten gesucht werden. „Das ist weniger ein Kennenlernen, sondern mehr ein Feststellen und Erfassen“, betont er. „Was das Kennenlernen betrifft, sind wir noch in der Planung.“ Insbesondere über der Frage, wie die Teilhabe der Gläubigen am Prozess funktionieren kann, machen sich die Beteiligten Gedanken. So überlegen zum Beispiel die Pfarrbriefmacher der Pfarreien, wie sie einen gemeinsamen „Raumteil“ für alle Pfarrbriefe umsetzen können. Zudem werden Orte kirchlichen Lebens eingeladen, sich in Gruppen und Kreisen der einzelnen Pfarreien vorzustellen. „Wir haben zum Beispiel die Franziskanerinnen von Münster-Mauritz gebeten, ihre Arbeit in den Gemeinden vorzustellen, etwa in der Seniorengruppe, bei Kolping und so weiter“, so Pfarrer Krause.

Radtour und Kreuzweg

Die drei Pfarreien St. Richard, St. Clara und St. Christophorus arbeiten schon einige Jahre Hand in Hand, berichtet Pallottinerpater Karl Lenz, Pfarrer von St. Christophorus, nicht erst seit dem Start des Pastoralen Raums Nord-Neukölln. Sie geben mit dem „Nordlicht“ bereits einen gemeinsamen Pfarrbrief heraus, den eine übergemeindliche Redaktion verantwortet. In jeder Ausgabe stellt sich ein Ort kirchlichen Lebens vor, um den Pastoralen Raum der breiten Gemeinde bekannt zu machen.

Der Pastoralausschuss wandert mit seinen Treffen durch den Pastoralen Raum. Das Gremium tagt mal in der Marienschule, mal in der Schwangerschaftsberatungsstelle des SkF, mal in der Gemeinde St. Clara. „Das ist sehr angenehm, da man keine weiteren Termine braucht, um Orte kirchlichen Lebens oder die Gemeinden kennenzulernen“, weiß Pater Lenz diese Methode zu schätzen. Aber nicht nur der Pastoralausschuss geht in Nord-Neukölln vor die Tür, auch die Gemeindemitglieder zum Beispiel bei einer Radtour „von Südost nach Nordwest“ im Mai oder bei der „Kranold-Kiez-Tour“ zu Fuß im Juni oder beim „Anderen Kreuzweg“ am Palmsonntag. „Der Kreuzweg ist eine Sozialraumbegehung par excellence“, meint Pater Lenz zu dem spirituellen Angebot. „Die Kreuzwegstationen befinden sich alle an prägnanten Orten in unserem Pastoralen Raum.“ Außerdem fordert das „Nordlicht“ seine Leser auf, „Stories oder Reportagen aus unserem Leben in Neukölln oder Baumschulenweg“ zu schreiben und einzusenden.

Gemeinsam zu Fuß unterwegs

Der Pastoralausschuss von Neukölln-Süd erschließt sich zu Fuß seinen Pastoralen Raum. Drei Spaziergänge durch die drei Pfarreien sind geplant. Der erste fand bereits im März statt. Da machte sich das 28-köpfige Gremium auf, die Pfarrei St. Dominicus und ihre Orte kirchlichen Lebens in der Berliner Gropiusstadt näher kennenzulernen. „Wir begannen unseren zweistündigen Spaziergang in der Pfarrkirche mit einem geistlichen Impuls durch den Pfarrer“, berichtet Wolfgang Klose aus dem Leitungsteam des Pastoralen Raums. Danach besuchte der Pastoralausschuss ein Altenheim, das Zentrum Dreieinigkeit der evangelischen Kirchengemeinde und das Malteser Familienzentrum MANNA. An allen drei Orten gab es eine 15-minütige Einführung. „Und unterwegs hatten wir Zeit, uns persönlich besser kennenzulernen. Damit stärkt der Spaziergang die Gemeinschaft im Pastoralausschuss“, betont Klose. Überlegt wird jetzt, wie das Format über den Pastoralausschuss hinaus den Gemeinden angeboten werden kann. Bislang informieren die Pfarrbriefe die Gemeinden über den Prozess. Vier Seiten sind in den drei monatlich erscheinenden Publikationen für den Pastoralen Prozess reserviert.

Reisen verbindet

„Am Kennenlernen sind wir schon etwas länger dran“, erklärt Pfarrer Alfredo Nava Mediavilla. Der Priester übernahm 2012 zunächst die Pfarrei St. Elisabeth Königs Wusterhausen und 2013 schließlich St. Antonius Eichwalde. „Von diesem Zeitpunkt an war klar, dass beide Pfarreien nur Hand in Hand in die Zukunft gehen können.“ So halten die Pfarrgemeinderäte der beiden Kirchengemeinden zwei Sitzungen im Jahr gemeinsam ab. Erstkommunion- und Firmvorbereitung wie auch die RKW erfolgen in Kooperation, eine Jugendband aus beiden Gemeinden gibt es bereits, Glaubensabende werden zusammen organisiert und Reisen gemeinsam veranstaltet. „Reisen hilft, den Anderen als Person unter ganz anderen Umständen wahrzunehmen“, spricht der Leiter des Pastoralen Raums Königs Wusterhausen – Eichwalde aus Erfahrung. Auch im Pastoralen Raum Königs Wusterhausen – Eichwalde gilt es vor allem die Orte kirchlichen Lebens kennenzulernen. „Wir sind neugierig, etwas über die Flughafenseelsorge und den CARIsatt-Laden zu erfahren und fragen uns, wo wir helfen und uns einbringen können“, freut sich Pfarrer Mediavilla auf den weiteren Prozess.

Sitzungen an wechselnden Orten

Für den Leiter des Pastoralen Raums Mitte ist das Kennenlernen unter den Mitgliedern des Pastoralausschusses soweit abgeschlossen. Nun stehe man vor dem nächsten Schritt. „In der letzten Sitzung des Pastoralausschuss sprachen wir darüber, wie unser Tun für die ganz normalen Gläubigen transparent werden kann“, berichtet Pfarrer Oliver Cornelius. Der 64 Personen große Pastoralausschuss arbeitet mit fünf Unterausschüssen: „Liturgia“, „Martyria“, „Diakonia“, „Koinonia“ und „Ökonomia“. Sie halten ihre Sitzungen in den Gemeinden und Orten kirchlichen Lebens ab, um sich einen Einblick zu verschaffen. So traf sich der Unterausschuss „Diakonia“ zuletzt im Hedwigkrankenhaus und in der Notübernachtung für Obdachlose.

„Wir wollen mehr darüber erfahren, wo und wie Gemeinschaft in unserem Pastoralen Raum gelebt wird“, erklärt Mirjana Pirskawetz vom Unterausschuss „Koinonia“. Das nächste Treffen organisiert die Religionslehrerin in ihrer Pfarrei Herz Jesu in Prenzlauer Berg. „Wir stellen dabei alle Gruppen der Gemeinde vor und laden Vertreter der Jugend, der Kita, der Gemeinschaft Chemin Neuf hinzu.“
Was Pirskawetz über den Prozess in den Gremien erfährt, trägt sie in ihre Berufsgruppe. Bislang trifft sie sich allerdings nur mit den Religionslehrerinnen ihrer Pfarrei. Sie plant, den Kreis für alle Religionslehrerinnen und –lehrer des Pastoralen Raums zu öffnen.

Die Jugend ist da bereits einen Schritt weiter. Seit mehreren Jahren kooperiert die Pfarrei Herz Jesu in Kinder- und Jugendarbeit mit St. Hedwig. Nun gelang es, erste Kontakte mit St. Bonifatius in Kreuzberg zu knüpfen, berichtet Jugendleiter Kai Kobschätzki. „Die Jugend wächst in einem atheistischen Umfeld auf und nimmt wahr, dass die Kirche schrumpft. Ihr ist daher bewusst, dass sich Kirche verändern muss und der Pastorale Prozess durchaus Vorteile bringen kann, ganz nach dem Motto: ,Jetzt sind wir wenige, vielleicht sind wir dann mehr.‘“ In den nächsten Wochen möchte Kobschätzki mit den Jugendlichen überlegen, wie Zusammenwachsen funktionieren kann. Dazu holen sie sich Hilfe von außen mit dem Verbandsmobil des BDKJ.