„Wie kann man die vielfältigen kirchlichen Einrichtungen in einem Pastoralen Raum miteinander in Kontakt bringen?“ „Kann der Leiter des Prozesses im Pastoralen Raum auch ein Laie sein?“ „Was macht der Verwaltungsleiter?“ „Wie funktioniert die Zusammenarbeit des Pastoralausschusses mit den Gremien der Pfarreien und wer hat welche Kompetenzen?“ „Finanzen, Immobilien, Pastorales Personal – wie kann das alles in ein Pastoralkonzept einfließen?“ „Wer legt am Ende die Gottesdienststandorte für einen Pastoralen Raum fest?“ „Was ist mit dem Patrozinium für die neue Pfarrei?“
Eine rege Fragerunde hat sich im Saal in der ersten Etage des Bernhard-Lichtenberg-Hauses entsponnen. Die knapp 40 Priester, Gemeindereferentinnen, Pastoralreferenten und Diakone, die sich hier zu einem sogenannten „Starterworkshop“ versammelt haben, kommen aus 19 Berliner und Brandenburger Pfarreien. Sie bilden das Pastorale Personal von sieben Pastoralen Räumen, die sich mit Abschluss der Findungsphase in den kommenden Monaten auf den Weg in die Entwicklungsphase machen. Antworten auf ihre zahlreichen Fragen gaben leitende Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Erzbischöflichen Ordinariats, die sich intensiv mit dem Pastoralen Prozess befassen.
„Mit dem Starterworkshops vermitteln wir, was die Entwicklungsphase ausmacht und wie sie gestaltet ist“, erläutert Markus Weber von der Stabsstelle des Erzbischofs „Wo Glauben Raum gewinnt“. „Wir bringen alle auf einen einheitlichen Wissensstand und geben breiten Raum für Fragen.“ Sämtliche Pastorale Mitarbeiter absolvieren einen Starterworkshop, bevor in ihren Pfarreien die Entwicklungsphase beginnt. Zudem soll es zu jedem der drei Jahre der Entwicklungsphase eine weitere Fortbildung folgen.
Was in der Entwicklungsphase passiert
Weber referierte während der Fortbildung über den Ablauf der kommenden drei Jahre. Er erklärte, wie sich ein Pastoralausschuss zusammensetzt, was ein Pastoralkonzept aufgreifen sollte und welche Aufgaben auf den Leiter des Prozesses im Pastoralen Raum zukommen. Der geistliche Begleiter des Pastoralen Prozesses, Prälat Stefan Dybowski sprach über Visionen, die ein Pastoralkonzept beflügeln können, über Partizipation der Glaubenden, über das Heben von Charismen in den Gemeinden, über Leitungsverantwortung, die auf verschiedenen Schultern aufgeteilt werden sollte. Uta Raabe, Leiterin des Dezernats Seelsorge, und Domvikar Matthias Goy, Leiter der Abteilung Personalführung Pastorales Personal, standen Rede und Antwort.
Nach Pastoralen Räumen gruppiert, diskutierten die Teilnehmer über die spezifische Situation in ihren künftigen Pastoralen Räumen. Nach Berufsgruppen gruppiert, sprachen Gemeindereferentinnen, Priester, Pastoralreferenten und Diakone über etwaige Veränderungen in ihrem Rollenverständnis. Es zeigten sich Sorgen, was die künftige Rollenbild von Pfarrern und Pfarrvikaren betrifft. „Was ist, wenn ich kein leitender Pfarrer werde, mich aber dazu berufen fühle?“, heißt es da. „Mein Profil entsteht durch meine spirituelle Autorität. Sie braucht keine strukturelle Stütze“, heißt es dort. Oder: „Künftig braucht man nicht mehr Pfarrer für 30 Jahre sein, sondern kann je nach Lebensphase Aufgaben in verschiedenen Seelsorgebereichen übernehmen. Das ist ein Vorteil.“
Veränderungsdruck besteht
Wie notwendig der Pastorale Prozess ist, darüber waren sich die meisten Teilnehmer im Klaren. Bernhard Schlosser, Pfarrer von Herz Jesu in Berlin-Tempelhof, spricht von „Gläubigenmangel“, der die Reformen erzwingt. „Für die Zahl der Gläubigen haben wir genug Priester. Für die Zahl der Priester haben wir hingegen viel zu viele Standorte. Zahlenmäßig sind wir etwa auf dem Niveau von 1937 angelangt, allerdings haben wir heute eine wesentlich größere Zahl von Gottesdienstorten.“ Pfarrer Schlosser erhofft sich vom Pastoralen Prozess, dass die Strukturen, die nun entwickelt werden, länger als zehn Jahre erhalten bleiben. „Stabile Rahmenbedingungen sind notwendig, damit etwas wachsen kann.“
„Veränderungsdruck verspüren wir von beiden Seiten, sowohl was unsere geistlich missionarische Einstellung als auch was die strukturelle und materielle Seite betrifft.“ Pfarrer Bernhard Kohnke zeigt sich zufrieden mit dem künftigen Pastoralen Raum, dem seine Pfarrei St. Peter und Paul in Eberswalde angehören wird und der sich von der deutsch-polnischen Grenzen über Bernau bis in den Berliner Nord-Osten nach Buch erstreckt. „Ich habe die Hoffnung, dass wir aus dieser neuen Situation etwas machen, um deutlich Kirche zu sein, und nicht von Ängsten beherrscht werden, etwas zu verlieren.“ Als besondere Herausforderung sieht Kohnke, die Gläubigen, die vereinzelt und verstreut auf dem Land leben, einzubinden und ihnen eine Perspektive in der Pfarrei zu bieten.
Pfarrer Jörg Wittig ist zufrieden mit dem Verlauf der Findungsphase in seiner Pfarrei St. Georg in Berlin-Pankow, auch wenn für ihn der nun entstandene Pastorale Raum nicht ganz logisch erscheint. Er hätte eine Übereinkunft mit der Pfarrei Heilige Familie begrüßt. In der nun anstehenden Entwicklungsphase sollen sich die beteiligten Pfarreien in Pankow, Prenzlauer Berg, Weißensee und Hohenschönhausen besser kennenlernen. „In den kommenden drei Jahren gilt es, dass alle ihren Platz im neuen Pastoralen Raum finden und wir die Besonderheiten dieses Raumes heben. Denn was in den einzelnen Pfarreien kostbar ist, gilt es zu erhalten, und kann im größeren Ganzen sogar eine Aufwertung erfahren“, zeigt sich Pfarrer Wittig hoffnungsvoll.
Ab jetzt ein gemeinsames Ziel
„Jetzt, wo wir uns gefunden haben, rücken endlich die inhaltlichen Fragen in den Mittelpunkt“, freut sich Falk Schaberick, Pastoralreferent im Dekanat Berlin-Neukölln, auf die Entwicklungsphase. Seit klar sei, welche drei Pfarreien in Neukölln-Süd einen gemeinsamen Pastoralen Raum bilden, können intensiver zusammengearbeitet werden. „Wir verfolgen ab jetzt ein gemeinsames Ziel, die Gestaltung unserer Zukunft.“ Inhaltlich hofft Schaberick insbesondere auf gemeinsame Projekte, die die Menschen im Pastoralen Raum zusammenschweißen. „Spirituell müssen wir uns der Frage stellen: was will Jesus von uns, wie sind wir mit ihm auf dem Weg?“
Diakon Alfons Eising zeigt sich nach dem Starterworkshop zuversichtlich. Vor allem, dass sich Verantwortliche aus dem Erzbischöflichen Ordinariat den Fragen offen gestellt haben, hat ihm gefallen: „Die Veranstaltung zeigt, dass vieles möglich und nicht alles festgezurrt ist und man auf die spezifischen Bedingungen vor Ort eingehen kann.“ Der Diakon von St. Josef in Berlin-Köpenick hofft, dass der Pastorale Prozess in der Entwicklungsphase als ein geistlicher Prozess begriffen und die Sprachfähigkeit in spirituellen Fragen gestärkt wird, bei den Gemeindemitgliedern wie auch beim Pastoralen Personal. „Wenn wir spirituell Leben, werden wir an Ausstrahlung gewinnen vor allem bei jenen, die auf der Suche nach Antworten auf die Fragen des Lebens sind“, ist er überzeugt. „Allerdings müssen wir diese Antworten in einer Sprache rüberbringen, die die Menschen um uns herum verstehen.“ Diakon Eising sorgt die Vorstellung, dass genau das nicht gelingt, und der Pastorale Prozess in einer Strukturreform stecken bleibt. „Wenn am Ende alles weitergemacht wird, wie bisher, haben wir eine große Chance vertan.“