Die großen Religionsgemeinschaften in Mecklenburg-Vorpommern haben erstmals zu einer Landtagswahl einen gemeinsamen Aufruf veröffentlicht. Die Erklärung ruft die Bürgerinnen und Bürger dazu auf, bei der Wahl am 20. September 2026 diejenigen politischen Kräfte zu unterstützen, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken und Menschen nicht gegeneinander ausspielen. „Geben Sie jenen ihre Stimme, die sich uneingeschränkt zur Würde jedes und jeder Einzelnen bekennen und danach handeln. Prüfen Sie, ob und wie der Schutz von Minderheiten und Schutzbedürftigen garantiert wird“, heißt es in dem Wahlaufruf, der heute (1. September 2026) in der Landeshauptstadt Schwerin veröffentlicht wurde.
Die Unterzeichnenden – darunter die Bischöfin und die Bischöfe der christlichen Kirchen, der Landesrabbiner der jüdischen Gemeinden, der Vorsitzende des Dachverbandes Muslimischer Gemeinden in Gründung sowie der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) – betonen, dass sie trotz unterschiedlicher Glaubensüberzeugungen gemeinsam für die Würde aller Menschen und für eine friedliche Gesellschaft eintreten. „Wir stehen gemeinsam ein für die Würde aller Menschen und für eine friedliche Gesellschaft.“
Der Landesrabbiner der Jüdischen Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern, Yuriy Kadnykov, sagt: „Im Judentum wird der Mensch als Medaber – als Sprechender – bezeichnet. Wir führen den Dialog mit unseren Mitmenschen, mit dem Ewigen und mit uns selbst. Von unseren politischen Repräsentanten sollten wir deshalb erwarten, dass sie miteinander sprechen, einander zuhören und trotz aller Unterschiede gemeinsam Verantwortung für unser Land tragen.“
Der Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche), Tilman Jeremias, betont: „Aus dem Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit möchte ich Sie ermutigen, im Vorfeld der kommenden Landtagswahl das Gespräch miteinander zu suchen und sich für gelebte Demokratie stark zu machen.“
Der Generalvikar des Erzbistums Hamburg, Pater Sascha Philipp Geißler SAC, hebt das gute Miteinander im interreligiösen Dialog hervor, das zum Entstehen der Erklärung beigetragen hat: „Hier wird das Miteinander aufrechterhalten und gestaltet, auch wenn man nicht immer einer Meinung ist. Klar ist aber das gemeinsame Einstehen für Menschenwürde ohne jegliche Abstriche, für Religionsfreiheit, für unsere freiheitlich demokratische Grundordnung und den Schutz von Minderheiten.“
Der Vorsitzende des Dachverbandes Muslimischer Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern in Gründung, Maher Fakhouri, erklärt: „Glaube verbindet uns in der Pflicht, die unantastbare Würde jedes Menschen zu schützen. Die bevorstehende Wahl gibt uns die Möglichkeit, das Trennende zu überwinden und gemeinsam ein starkes Fundament für Frieden, Freiheit und Demokratie in unserer Heimat zu stärken.“
Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in MV, Gerrit Marx, sagt: „In der ACK MV bezeugen die Mitgliedskirchen ihren christlichen Glauben auf unterschiedliche Weise, aber in großer Einmütigkeit. Wir haben als Christen in einer pluralistischen Gesellschaft ein waches Auge für die gesellschaftlichen Entwicklungen und wollen in globaler ökumenischer Verbundenheit einen und nicht spalten.“