„Papa, wenn ich tot bin...“

Ein Opernsänger hat mir seine persönliche und sehr traurige Geschichte anvertraut. Ich darf sie Ihnen weitererzählen. Er erzählte von seinem unheilbar erkrankten Sohn; die Ärzte machten ihm keine Hoffnung auf Heilung und gaben ihm nur noch wenige Wochen zu leben. Die Aussicht, sein Sohn müsse sterben, ging dem Vater so nahe, dass er nicht mehr singen und auftreten konnte. Es schnürte ihm wortwörtlich die Kehle zu.

Kurz vor seinem Tod aber bat ihn der Sohn: „Papa, wenn ich tot bin, musst Du besonders laut singen, sonst kann ich Dich ja im Himmel gar nicht hören.“

Auch wenn alle hoffen, dass der traurige November endlich zu Ende gehen und es Advent werden möge, habe ich diese Geschichte auch in einem Brief erzählt, der in diesen Tagen an alle Katholiken im Erzbistum Berlin verschickt wird. Ich erzähle diese Geschichte, weil sie mich sehr bewegt und nicht loslässt. Ich weiß, sie ist eine gewisse Zumutung, aber es ist trotzdem eine Geschichte von Mut und Hoffnung. Als Christen vertrauen wir gerade auch in dunklen Momenten des Lebens darauf, dass Gott uns so sehr liebt, dass er uns auch im Tod nicht fallen und ins Nichts stürzen lässt.

Ich erzähle diese Geschichte auch, weil ich davon ausgehe, dass jeder von Ihnen solche Schicksale entweder aus seinem nächsten Umfeld kennt oder am eigenen Leib erfahren hat. Denn Leid und Tod gehören zu unserem Leben dazu.

Morgen feiern wir Katholiken – als letzten Sonntag im Kirchenjahr – das Christkönigsfest: Christus ist unser König, er hat den Tod überwunden, das Kirchenjahr endet mit der Hoffnung, nicht mit dem Tod. Am Ende des Kirchenjahres steht also immer wieder die Aussicht auf einen Neuanfang.

Der Opernsänger hat seine Stimme wiedergefunden, er singt wieder. Die Kraft dazu hat ihm ausgerechnet sein Sohn „im Himmel“ gegeben.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende und einen gesegneten Sonntag.