Wohnungsnot

Eine Hitzewelle geht vorbei – die Wohnungsnot bleibt und verschärft sich

Es gibt keine gute Jahreszeit für den, der keine Wohnung hat. Das sieht man schon daran, dass alle Angebote der „Hitzehilfe“ bei der „Kältehilfe“ zu finden sind.

Und: Wohnungslosigkeit ist viel mehr und betrifft viel mehr Menschen als Obdachlosigkeit, weil sie sich – aus Scham etwa – oft versteckt. Sie betrifft zu rund 41% Frauen, die bei Bekannten unterkommen, sich aber häufig auch in menschenunwürdige Abhängigkeit begeben oder in gewaltvollen Beziehungen verbleiben, nur um nicht auf der Straße zu landen.

Und das Problem ist noch größer: Junge Studierende, die eine Bleibe suchen, sehen sich mit mehr als zweideutigen Angeboten konfrontiert, wenn sie eine bezahlbare Wohnung oder auch nur ein Zimmer suchen. Familien mit Kindern werden aus Bewerberlisten aussortiert, und Wohnraum ist mittlerweile auch für sog. „Normalverdiener“ unerschwinglich, von Einkommensschwächeren ganz zu schweigen!

Das Recht auf Wohnen ist als Menschenrecht anerkannt, denn eine Wohnung gibt dem Menschen Schutz vor Witterung, einen sicheren Rückzugsraum und Privatsphäre. Aber was kann man tun, außer – berechtigte – Forderungen an den Staat und freie Träger zu stellen?

Wer eine Wohnung hat, wird sicherlich gegen die Hitze die Jalousien frühzeitig schließen. Das darf aber nicht dazu führen, das Thema aus dem Blick zu verlieren. Denn eine Hitzewelle geht vorbei, das Problem bleibt aber, bzw. verschärft sich.

Hoffnung machen mir Projekte wie „Housing First“ vom Sozialdienst katholischer Frauen, weil dieses Projekt doppelt wirksam ist:

Zum einen wird insbesondere Frauen eine Wohnung vermittelt, die sonst keine Chance auf einen ordentlichen Mietvertrag hätten. Zum anderen mischt sich „Housing First“ ein, wird nicht müde, das Thema Wohnungslosigkeit zu thematisieren, mittlerweile nicht nur in Berlin, sondern auch auf europäischer Ebene.

Denn kurzfristige Hilfen und Reaktionen auf große Hitze und große Kälte sind wichtig, aber das Thema ist ein Thema für jede Jahreszeit.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende und einen gesegneten Sonntag.