Zur Fußball-WM

In genau 12 Tagen wird das erste Spiel der Fußballweltmeisterschaft in Mexiko-Stadt angepfiffen.

Wie Millionen andere, werde ich mir in den folgenden fast sechs Wochen Spiele dieses Mega-Events in den USA, Kanada und Mexiko anschauen, nicht nur die der deutschen Mannschaft. Ich bin Fußballfan und liebe dieses Spiel seit meiner Jugend.

Fußball kann ein Fest der Begegnung sein. Ich habe oft erlebt, welche Kraft im Fußball steckt. Gesänge, Rituale, geteilte Emotionen: All das stiftet Gemeinschaft. In Stadien erleben Menschen Heimat. Das verbindet den Sport mit Kirche und Gemeinde. Auch hier ist Heimat.

Der verstorbene Papst Franziskus – wie sein Nachfolger Papst Leo XIV. Fußballfan – hat einmal gesagt, der Sieg liege nicht im Gewinnen, sondern im gemeinsamen Spiel. Er hat zugleich gewarnt, dass der Fußball seine Seele verliert, wenn er nur noch Ware ist und nicht mehr Begegnung. Diese Warnung gilt heute mehr denn je.

Wenn Milliarden investiert werden, um perfekte Bilder zu produzieren, während zugleich Menschen, wie von der Trump-Regierung geplant, während der Weltmeisterschaft ausgegrenzt, kontrolliert oder zum Risiko erklärt werden, dann läuft etwas grundsätzlich falsch. Dann wird der Fußball zum Alibi. Dann ist die WM kein Fest der Völkerverständigung, sondern eine Inszenierung von Macht.

Als Kirche haben wir deshalb die Pflicht, genau hinzuschauen. Die katholische Kirche in Mexiko tut es bereits. Mein Kollege, Kardinal Francisco Robles Ortega hat im April öffentlich gefragt, warum ein solches Großereignis über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden wird, während die sozialen Probleme im Alltag ungelöst bleiben. Das ist keine Spielverderber‑Mentalität. Das ist Verantwortungsbewusstsein.

Denn wer Stadien baut, Sicherheitszonen einrichtet, Visa vergibt oder verweigert, entscheidet über Teilhabe. Über Sichtbarkeit. Über Würde. Auf dem Spielfeld wacht der Schiedsrichter über die Regeln – außerhalb müssen wir das gemeinsam tun.

Soweit wir wissen, hat Jesus kein Stadion betreten. Aber er hat sehr genau hingeschaut, wer draußen bleibt. Ich bin überzeugt: Er hätte nicht gefragt, wie das Spiel endet, wer das Siegtor geschossen hat oder den Pokal hebt. Er hätte gefragt, ob wir alle miteinander verbunden diese WM erleben und feiern dürfen.

 Im Finale der WM wird es am Ende einen Verlierer geben müssen– unter den Zuschauern sollten wir alle Gewinner sein