„Abkupfern ist erlaubt“

Foto: Walter Wetzler

Von anderswo erdachten und schon umgesetzten Ideen profitieren – dazu wollte der vom Bereich Pfarreientwicklung des Erzbischöflichen Ordinariats organisierte Werkstatt-Tag ermuntern.

„Klau meine Idee!“ stand auf den Anstecknadeln geschrieben, die sich die Teilnehmer der „Abkupfern erwünscht!“-Ideenschmiede ans Revers geheftet hatten. Dass Fremdschauen keine Schande ist, darüber bestand an diesem Tag Einigkeit unter den knapp 200 Besuchern. „Auch wir Radioleute schauen, was andere Sender gut machen“, gab Susanne Trotzki von Radio Paradiso zu.

Finden und Umsetzen fremder Ideen, aber auch Kontakte knüpfen – das Konzept ging auf beim „Markt der Möglichkeiten“. Zum Beispiel beim Kitaverband „Hedi Kitas“ und dem Begegnungszentrum „Mia“ in Löcknitz, das seinen Stand direkt daneben hatte. Anne Wolf, Referentin beim Kitaverband, hatte Spiele dabei, bei denen Kinder herausfinden können, wie groß ihr ökologischer Fußabdruck ist. Mia-Leiterin Klaudia Wildner-Schipek stellte die von ihr erdachten Theatertage vor. Dank ihnen erfahren auch Kinder aus nicht-kirchlichen Kitas, was hinter Festen wie Ostern oder Weihnachten steckt. „Wir hatten bisher nur kommunale Kitas zu Besuch“, erklärte Wildner-Schipek.

Schier endlos war die Liste der angebotenen Workshops: Schreibexerzitien, Tipps für Medienarbeit und Spendensammeln, Klimaschutz, Jugendpastoral, Anregungen für abwechslungsreiche Gottesdienstformate – das und noch mehr wurde dargeboten, zumeist – aber nicht nur – von Experten mit hauptamtlichem Hintergrund.

Martina Steinfurth, die sich für die Lazarusdienste engagiert und aus Stralsund angereist ist, hat ihr Kommen nicht bereut. „Ich bin mit vielen Leuten ins Gespräch gekommen, wie man mit seinen Anliegen mehr Öffentlichkeit erreicht“, sagte Steinfurth. Auch die in dem Workshop „Pastorale Innovation to Go“ vorgestellten Ideen fand sie interessant. „Zum Beispiel den paddelnden Priester im Ornat. Ich fürchte nur, dass viele solcher Ideen in unseren Gefilden so nicht umsetzbar sind.“

„Sehr gut“ fand Martina Steinfurth den Impro-Gottesdienst, den Benediktinerpater Benno Rehländer und die evangelische Pfarrerin Marita Lersner gestalteten. Ihre spontane „Predigt“-Erzählung hangelte sich entlang von Gedanken der Teilnehmer zum Werkstatt-Tag, die diese auf Zettel geschrieben hatten. Die Feiergemeinde durfte dazu singen und summen. Der improvisierte Gottesdienst zeigte eindrucksvoll, wie Neues Anklang finden kann – aber bisweilen auch Unvorhersehbares produziert. Denn auf dem letzten Zettel hatte jemand seinem Unmut über die eigene Überlastung Luft gemacht: „Ich kann es nicht allen Recht machen, ich bin doch keine Puffmutter!“