Anschaulich und praxisnah: Willkommen im neuen Ethikzentrum

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Kritische Einsatzsituationen, Gewalt, Begegnungen mit Leid und Abschieden – das alles gehört zu unserer Arbeit. Erfahrungen, die fordern können, die nachwirken oder die wir schlicht mit uns tragen. Was wäre, wenn es einen Ort gäbe, an dem wir über all das – über die Vielzahl beruflicher Anforderungen und Spannungsfelder – in Ruhe sprechen könnten?

Das neue Zentrum für Berufsethik und Reflexion (ZER) ist genau dieser Ort. Hier gibt es weder vorgefertigte Antworten noch Belehrungen, sondern etwas ganz Besonderes: Zeit, Raum und professionelle Begleitung für die Reflexion unseres Handelns – unabhängig von Dienstgrad, Funktion oder Erfahrung. Als freiwilliges Angebot, ganz ohne jeden Druck. Dort können wir uns – fernab des täglichen Einsatzgeschehens – mit grundlegenden Themen auseinandersetzen:

  • Mensch sein
  • Gewalt
  • Extremsituationen
  • Tod und Sterben

Modern, aber zugleich ungeschönt und ehrlich

Sobald man das Haus 10 in der Radelandstraße betritt, wird klar: Hier ist etwas gänzlich Einzigartiges entstanden. Der Rundgang beginnt mit dem Thema „Mensch sein“. Riesige Fotowände und realistisch gestaltete Szenen bringen einen sofort ins Gespräch. An einer Stelle ertönt Musik, andernorts startet ein Video, Lichter flackern auf, Schauwände geraten in Bewegung, irgendwoher hört man ein Rufen. Jeder Rundgang verläuft zudem individuell, je nach Interessenlage. Geschulte Kolleginnen und Kollegen begleiten und moderieren, lassen zugleich Raum für die eigenen Gedanken und Erkenntnisse – ob laut ausgesprochen oder im Stillen, ob sofort oder später. Die Ausstellung erstreckt sich auf 500 Quadratmetern über zwei Etagen, überrascht und berührt. 

Von der Idee zum ersten Ethikzentrum im Nordosten Deutschlands

2019 brachten die damalige Akademieleiterin Frau Knapp und unser katholischer Polizeiseelsorger Herr Bitter die Idee auf, ein Ethikzentrum für die Polizei Berlin einzurichten – inspiriert durch das Vorbild der Polizei Nordrhein-Westfalen. Es folgten erste Konzepte und eine Machbarkeitsstudie, die den Weg in die heutige Eröffnung ebnete. Annegret Schaal, Leiterin des Fachbereichs I der Polizeiakademie, Sabine Kerl und Carsten Höpfner bauten das Ethikzentrum schließlich in anderthalb Jahren auf – unterstützt von zahlreichen Kolleginnen und Kollegen. Dabei hatten sie weitgehend freie Hand und stecken viel Energie und Herzblut in die Inhalte, die Ausgestaltung übernahm das erfahrene Kreativunternehmen „Team6“. In Workshops brachten sich Mitarbeitende aus der ganzen Behörde ein, über 60 Polizeiangehörige waren an der Produktion von Bildmaterial beteiligt oder haben Interviews gegeben. Auch das Team Werteprozess, der Psychologische und Psychosoziale Dienst, die Einsatznachsorge sowie die AG Suizidprävention waren eng in die Planung eingebunden. Der Weg von der ersten Idee im Jahr 2019 bis heute war lang – doch er war geprägt von Engagement, Überzeugung und echter Zusammenarbeit.