Beflügelnde ErfahrungenBerliner Erzbischof Koch ermutigt zum ökumenischen Engagement

Foto: Alexandra Wolff

Berlin (KNA) Die ihm gestellte Aufgabe hatte der Berliner Erzbischof Heiner Koch schnell abgehandelt. Nach dem Willen der Veranstalter - dem Konvent der Ökumenebeauftragten der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und dem Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Berlin - sollte er an diesem Samstagvormittag zum Thema "Auf dem Weg zur Einheit der Kirche - Ökumene in unserer Region" sprechen. "Das können Sie selbst besser", meinte Koch, der gerade einmal fünf Monate Erzbischof von Berlin ist und somit noch in der Kennenlern-Phase. Doch über seine Erfahrungen mit der Ökumene wolle er gerne sprechen.

Mehr als 180 Interessierte waren diesmal aus den katholischen und evangelischen Kirchengemeinden in Berlin und Umgebung gekommen, so viele wie noch nie in den vergangenen Jahren, in denen das Treffen der ökumenisch Engagierten zu einer Tradition geworden ist. Zuletzt immer in der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum und dem benachbarten Evangelischen Gemeindezentrum Plötzensee, die gemeinsam an die christlichen Blutzeugen und Widerstandskämpfer aus der NS-Zeit erinnern.

Koch skizzierte zunächst seine beiden völlig unterschiedlich geprägten Erfahrungswelten in Sachen Ökumene. Im Rheinland seien die katholische und die evangelische Kirche "so groß und beschäftigt, dass jede ohne die andere gut leben kann". Was kein ablehnendes oder gar feindliches Verhältnis bedeute, aber oft sei Ökumene dort etwas, das noch hinzu komme. Geändert habe sich das für ihn bei der Vorbereitung des Weltjugendtags 2005, den das Erzbistum Köln eben nicht alleine stemmen konnte und die anderen Kirchen von vornherein mit einbezog. "Das war eine wirkliche Bereicherung."

In Sachsen, wohin er 2013 als Bischof von Dresden-Meißen kam, sei es demgegenüber "normal", konfessionslos zu sein. Die Christen standen dort schon zu DDR-Zeiten zusammen, und das ökumenische Miteinander sei auch heute selbstverständlich. So habe er als Bischof etwa die Firmungsgottesdienste oft in den größeren evangelischen Kirchen gefeiert. Als das Zentralkomitee der deutschen Katholiken anfragte, ob es den 100. Deutschen Katholikentag 2016 in Leipzig veranstalten könne, habe er zunächst in der evangelischen Landeskirche sondiert, ob dies als Gegenveranstaltung zum Reformationsjubiläum 2017 verstanden werden könnte, berichtete Koch. Man habe ihn beruhigt und versichert: "Wir machen mit." Auf dieser Grundlage habe er die Einladung an den Katholikentag ausgesprochen, "und den Kirchentag 2017 tragen wir ebenfalls mit".

Vor allem in seiner Dresdner Zeit empfand Koch es nach eigenen Worten als "befreiend", dass in den ökumenischen Gesprächen auch konfessionelle Unterschiede angesprochen werden konnten, "immer wissend, was uns verbindet". Deshalb plädierte er nun dafür, solche Unterschiede nicht zu bagatellisieren, sondern sie zum Thema zu machen und dabei "in die Tiefe zu gehen". Als Beispiel nannte er das protestantische Kernthema, die Rechtfertigungslehre. Die Katholiken hätten diese im Lauf der ökumenischen Gespräche besser verstanden. "Ökumene bewährt sich in der Differenz", betonte der Erzbischof, man könne den Weg zur Einheit "nicht überspringen". Zugleich dürften sich die Christen nicht "mit der Feststellung der Buntheit begnügen", die Suche nach der Einheit "muss bleiben".

Für Koch ist dabei der persönliche Kontakt wichtig. Wie zuvor in Sachsen mit dem damaligen Landesbischof Jochen Bohl, trifft er sich auch in Berlin einmal im Monat mit dem evangelischen Bischof Markus Dröge zum Austausch über aktuelle Fragen. Auch mit dem griechisch-orthodoxen Metropoliten Augoustinos hatte gerade erst eine Begegnung. Bei solchen Kontakten solle es nicht immer nur um ernste Gespräche gehen, gab Koch den Ökumenebeauftragten aus den Gemeinden mit auf den Weg. "Ökumene lebt auch aus frohen Erlebnissen." Mit Bohl zusammen habe er etwa den Leipziger Thomanerchor zum Auftritt in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan begleitet. "Diese Reise hat uns beide beflügelt."