„Es ist ein Ros entsprungen.“ Mit diesen Worten beginnt das beliebte Weihnachtslied aus dem 16. Jahrhundert, das in den kommenden Tagen wieder in vielen Kirchen erklingen wird. Das Lied besingt die Geburt Jesu, die Christen und Christinnen zu Weihnachten feiern. Dass Jesus mitten im kalten Winter, wohl zur halben Nacht geboren wird, kann dabei metaphorisch gedeutet werden. So verkörpert der Winter mit seinen kalten, dunklen Tagen und Nächten eine Zeit des Leids und Elends in der Welt.
In unseren Tagen denken wir besonders an den seit über zwei Jahren tobenden Krieg Russlands gegen die Ukraine, an die zahlreichen, von der Hamas ermordeten Opfer in Israel am 7. Oktober des vorigen Jahres, an die nach Gaza verschleppten Geiseln, an den andauernden Krieg in Gaza mit unzähligen Toten und Verletzten. Wir denken aber auch an die erschreckende Zunahme von Antisemitismus, Muslimfeindlichkeit, Rassismus und Gewalt gegen andere Menschen in unserer Gesellschaft. Zudem sorgen sich viele Menschen zu Recht um das friedliche Zusammenleben in unserem Land, aber auch um unsere Mitgeschöpfe und die Umwelt.
Das Licht der Hoffnung am Weihnachtsbaum
In diesen schweren Zeiten sendet Gott mit der Geburt Jesu ein Hoffnungszeichen, ein Licht, das die Finsternis vertreibt und die Dunkelheit erhellt. Dieses Licht der Hoffnung leuchtet an unseren Weihnachtsbäumen, die sich mit den Lichtern der Chanukkaleuchter verbinden, die unsere jüdischen Glaubensgeschwister in diesen Tagen entzünden. Diese Zeichen des Lichts stehen für unseren gemeinsamen Glauben, dass es Gott gibt, dass er für uns da ist und uns Menschen besonders in Zeiten der Not und Bedrängnis und sogar über den Tod hinaus nicht allein lässt. So dürfen wir mit unseren jüdischen Geschwistern auf eine neue Zeit hoffen, die uns Frieden und Erlösung bringt. Gemeinsam dürfen wir diese Hoffnung in unsere Gesellschaft hineintragen.
Auch wenn wir – jüdisch- und christlicherseits – in diesen Tagen gemäß unserer je eigenen Tradition verschiedene Feste feiern, so ruft uns Christgläubigen das Weihnachtslied zugleich in Erinnerung, dass wir durch Jesus bleibend mit dem Judentum verbunden sind.
Wurzeln im Judentum
Das Christentum wäre ohne das Judentum nicht denkbar. Indem wir singen „Von Jesse kam die Art, davon Jesaja sagt“ erinnern wir uns daran, dass Jesu Wurzeln tief im Judentum verankert sind. Denn die Evangelisten haben die Weissagung des Propheten Jesaja 11,1 mit Jesus in Verbindung gebracht. Danach stammt, wie wir in der Christmette vom Evangelisten Matthäus hören, Jesus aus dem Hause des Königs David ab, das von seinem Vater Jesse (Isai), dem König von Juda und Israel, begründet wurde.
Die Anerkennung der jüdischen Abstammung Jesu und seiner Verwurzelung im Judentum verpflichtet Christen und Christinnen, uns immer an die Seite unserer jüdischen Glaubensgeschwister zu stellen und ihnen besonders in Zeiten der Not und Bedrängnis beizustehen. Denn, so Dietrich Bonhoeffer: „Wer nicht für die Juden schreit, darf auch nicht gregorianisch singen.“
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In der diesjährigen Reihe „#beziehungsweise – jüdisch und christlich: näher als du denkst“ geht es um die Jahreszeiten. Eine jüdische Pädagogin und ein katholischer Erzbischof schreiben im Dezember über die Bedeutung des Lichts.