Ich bin Elisabeth, 19 Jahre alt und bin jetzt frisch zurück von meinem 10-monatigen Freiwilligendienst in Bolivien, in Santa Cruz de la Sierra. Santa Cruz de Sierra ist die größte Stadt des Landes und befindet sich im am Rande des Regenwaldes. Daher hatten wir hier tropisches Klima, mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit und täglich über 30 Grad. Ich lebte dort im ärmsten Viertel der Stadt, zusammen mit einer weiteren Freiwilligen und vier Schwestern aus Polen, Indonesien und Bolivien der Steyler Missionsschwestern. Vor Ort habe ich in einem Gefängniskindergarten gearbeitet. „Palmasola“ ist das größte Gefängnis Boliviens mit ca. 8000 Insassen. Im Gegensatz zu deutschen Gefängnissen hat hier nicht jeder eine eigene Zelle, sondern alle leben wie in einer kleinen Stadt zusammen. Dazu gibt es auch eine interessante Dokumentation vom ZDF „Die härtesten Orte der Welt: Boliviens berüchtigter Mega-Knast“.
Die Frauen, die in diesem Gefängnis einsitzen, dürfen ihre Kinder, bis sie sechs Jahre alt werden, mit reinnehmen. Tagsüber kommen diese dann in den Kindergarten. Die Erzieherinnen sind selbst Insassinnen. Im Kindergarten sind aktuell um die 30 Kinder von ein bis fünf Jahren. Ab drei Jahren bekommen die Kinder bereits Unterricht und lernen Buchstaben, Zahlen und Formen – das ist aber üblich in Bolivien. Im Kindergarten bekommen sie aber auch Verpflegung und es wird Mittagsschlaf gemacht. Ein ruhiger Mittagsschlaf ist besonders wichtig, da sie nachts in den Gruppenschlafsälen mit ihren Müttern in einem Bett schlafen müssen. Nach dem Mittagsschlaf geht es wieder zurück zum Frauentrakt, wo wir sie dann am Tor ihren Müttern übergeben.
Zweimal die Woche habe ich auch in der Suppenküche unserer Kirchengemeinde mitgearbeitet, wo wir für 60 hilfsbedürftige Kinder und Senioren kochten. Das kostet sie nur 2 Bolivianos umgerechnet 26 Cent. An den Tagen hieß es für mich und Marie – meine Mitfreiwillige, gaaanz viel Gemüse ganz klein schneiden. Diese Ruhe genossen wir aber immer sehr, da die Tage im Kindergarten sehr anstrengend waren. Viele der Kinder sind leider sehr verhaltensauffällig und aggressiv.
Neben der Arbeit im Kindergarten und in der Gemeinde begleiteten wir gelegentlich auch eine Schwester bei Hausbesuchen von Senioren, so bekamen wir nochmal einen guten Einblick in die Lebensrealität der Menschen. Aber auch in der Kirchengemeinde waren wir sehr aktiv und haben als Betreuer bei einer Kinder- und Jugendgruppe mitgemacht, aber auch selbst die Jugendgruppe besucht. Highlight waren dabei auf jeden Fall die großen Jugendtreffen, bei denen über viertausend Jugendliche aus ganz Santa Cruz zusammenkamen und zusammen gesungen, getanzt und gebetet wurde. Besonders das Tanzen ist ein sehr wichtiger Bestandteil der Kultur. So konnte ich auch ein paar traditionelle bolivianische Tänze lernen, die dann bei Festen aufgeführt werden.
Auch hatten wir das Glück, dass wir ganz viel von Bolivien erkunden durften, wie La Paz, eine Stadt auf 4000 Meter in den Anden, den Titicacasee, welcher der höchstbeschiffbare See der Welt ist, aber auch den zweitgrößten Karneval Südamerikas in Oruro.
Nun bin ich seit einigen Wochen wieder zurück und kann sehr glücklich und dankbar auf die tolle Zeit meines Freiwilligendienstes bei den Steyler Missionsschwestern schauen, in der ich so viel lernen durfte - nicht nur über die Sprache, das Land und seine Kultur, sondern auch über mich selbst; so viel erleben konnte und viele tolle Menschen kennengelernt habe!