Mit Dominikus und Franziskus Ein Seelsorger für alle: Pfarrer Jacek Grzymala

Es ist schon recht kalt am 12. Oktober in Berlin, so dass sich Jacek Grzymala entschließt, unter Albe und Messgewand seinen alten Pullover anzuziehen. „Obwohl er schon zwei Löcher hat, ist er mein Lieblingspullover und unter dem Messgewand sieht ihn ja niemand.“ Es ist ein kleines Zeichen der Verbundenheit mit dem Patron seiner neuen Pfarrei, dem hl. Franziskus, der auch auf prächtige Gewänder verzichtet, „in meinem Herzen war Franziskus.“

Kaum im Amt nutzt Jacek Grzymala, Pfarrer von St. Franziskus Reinickendorf-Nord, die Gelegenheit, dass Erzbischof Heiner Koch zum Patronatsfest ins Märkische Viertel gekommen ist und sichert der Pfarrei einen der letzten freien Termine im kommenden Jahr. Denn am 4 Oktober 2026 – passenderweise ein Sonntag –, „da wollen wir uns alle wieder treffen und den 800. Todestag von Franz von Assisi feiern, ich lade den Bischof und Sie alle schon heute sehr herzlich ein!“

Man kommt nicht sofort darauf, dass es in der vollbesetzten Kirche St. Martin am Sonntag, 12. Oktober 2025, auch um ihn geht, dass Jacek Grzymala als neuer Pfarrer eingeführt wird. Wenn er vor dem Segen das Wort ergreift, verzichtet er auf eine zweite Predigt oder weitschweifige Erklärungen, er lädt ein zur anschließenden Begegnung bei Speis und Trank, bedankt sich bei allen und vergisst niemanden: von den Chören über die Messdiener und die Malteser-Jugend zu den Gremienvertretern und vielen helfenden Händen im Hintergrund, ob sie nun Kuchen gebacken haben oder die Spülmaschine ein- und ausräumen. Beim Aufbau in den Gemeinde- und Schulräumen hat er selbst auch mitgeholfen.

Nur wer genau aufpasst, hört und sieht, wie er sein priesterliches Versprechen vor dem Bischof und der feiernden Gemeinde erneuert, wie er sich in verschiedenen Gesten und Zeichenhandlungen in den Dienst der Verkündigung nehmen lässt. Auch der Schlüssel zur Kirche wird ihm symbolisch überreicht und damit die Zuständigkeit zu allen Kirchen in der Pfarrei. Es kommt also einiges auf Pfarrer Grzymala zu, und dennoch: „Sie sind nicht der Manager, Sie verkörpern die Gegenwart Christi“ so Erzbischof Koch, der sich nach eigenem Bekunden seit langem auf diesen Tag gefreut hat.

Dabei gibt es einiges zu „managen“ an Personal und Immobilien, in Kitas, Einrichtungen und Pfarrbüros, Kirchenmusik und zahlreichen Kirchen und Kapellen. Aber Erzbischof Koch muss Grzymala nicht ermahnen: „Ich verstehe mich weiterhin als Seelsorger für alle in der Pfarrei, aber auch für die Kolleginnen und Kollegen im pastoralen Team. Ich scheue mich nicht, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen, aber ich frage zuerst: Was würde Jesus machen? Was würde der hl. Franziskus machen? Auch wenn wir eine wirtschaftliche Entscheidung treffen.“ Die Pfarrei nennt er ein „Unternehmen des Herrn“. Als Pfarrer folgt er Generalvikar Pater Manfred Kollig SSCC nach. „Ich bin ihm dankbar für die Zeit des Übergangs, es kehrt langsam Ruhe ein in der Pfarrei.“ Die Pfarrei und ihr neuer Pfarrer kennen sich schon eine ganze Weile. Seit August 2023 hatte er als Seelsorger im Hospiz und im Dominikus-Krankenhaus gearbeitet, seit gut einem Jahr war er bereits Mitglied im Pfarreirat. Und so sie sich der hl. Dominikus und der hl. Franziskus persönlich begegnet waren - Frühjahr 1217 - so gehören Krankenhaus und Pfarrei für ihn zusammen. Und wenn der Kirchenvorstand klagt, die Pfarrei hätte kein Geld, erinnert er sie: „Das muss euch nicht wundern, ihr habt euch einen Patron ausgesucht, der die Armut gepredigt hat!“

Pfarrer von St. Franziskus zu werden, war nicht das lange angestrebte Karriereziel von Jacek Grzymala, der seinen priesterlichen Dienst zwischenzeitlich unterbrochen hatte, um eine Ausbildung zum Krankenpfleger zu machen. Über die Arbeit im Hospiz kam er wieder zurück in die Seelsorge, wobei Krankenpfleger vermutlich auch Seelsorger sein müssen. Die Voraussetzungen für die Pfarrei, deren Patron der heilige Franz von Assisi ist, sind denkbar günstig, schließlich hatte sich der auch der Pflege und Sorge um die Kranken und Armen verschrieben.

Auf die Idee, Krankenpfleger zu werden, brachte den damaligen Kaplan das unübersehbare Helios-Klinikum in Berlin-Buch auf dem Gemeindegebiet. Über Krankenbesuche ist der Gedanke entstanden: „Ich will sie nicht nur seelsorgerisch begleiten, sondern auch ihnen nahe sein mit meinen Händen.“ Für die Ausbildung und für mehrere Jahre danach war Jacek Grzymala als Priester beurlaubt, „aber ich bin als Krankenpfleger Seelsorger geblieben.“ Genauso wie er als Seelsorger im Krankenhaus nicht nur für die Kranken da war, sondern auch für die Kolleginnen und Kollegen in der Pflege: „Und umgekehrt: jede Krankenschwester ist auch Seelsorgerin! Darin habe ich sie immer gestärkt und unterstützt, im Hospiz noch viel mehr als im Krankenhaus! Stärken und unterstützen – das gilt in einem Hospiz noch viel mehr!“

Sein Name geht noch nicht allen in der Pfarrei flüssig über die Lippen, aber Polnisch spielt für ihn kaum eine Rolle mehr, er fühle sich als Deutscher, sagt er. „Wenn jemand nur Polnisch spricht, nehme ich ihm die Beichte ab, aber ich selbst rede kein Polnisch mehr. In St. Franziskus gibt es viele Nationalitäten und das wäre nicht gerecht, nur Polnisch zu sprechen. Ich bin Seelsorger für alle!“