Schlaglicht

aus dem Erzbistum Berlin

PerspektivwechselZweites Werkstatt-Seminar des Modellprojektes Fundraising-Entwicklung

Fundraising-Entwicklung: Ulrike Reiher von der Bahnhofsmission. Foto: Bustorf

Beim zweiten von drei mehrtägigen Seminaren entwickelten die fünf Projektgruppen ihre Ideen weiter. Foto: Bustorf

Ralf Heinzelmann (l.) und Marco Wölbling von TEO präsentieren ihre Werkstatt-Ergebnisse. Foto: Bustorf

Das zweite Seminar zum Projekt Fundraising-Entwicklung in Pastoralen Räumen dauerte drei Tage. Foto: Bustorf

Gundula Morcinek (M.) vor ihrer Projektgruppe "Gemeinde- und Begegnungszentrum" Buckow-Müncheberg. Foto: Bustorf

„Euer Projekt ist zum Gelingen verurteilt“, platzt es aus Sibylle Gunder heraus. Die Tafel vor der Fensterfront ist bereits mit zahlreichen Zetteln voll gepinnt. „Projektcheck“ steht in großen schwarzen Buchstaben oben geschrieben. Gerade geht es um den Punkt „Finanzierung“. Als „kollegiale Begleiterin“ sitzt Sibylle Gunder an diesem Freitagvormittag in der Arbeitsgruppe des geplanten Gemeinde- und Begegnungszentrums der Pfarrei Buckow-Müncheberg.

Eine ungewohnte Rolle für die gebürtige Baden-Württembergerin, die als Pfarrsekretärin auf Rügen arbeitet. Mit ihrem Team „Tourismuspastoral“ aus Vorpommern nimmt sie am Werkstatt-Seminar des Modellprojekts Fundraising-Entwicklung in Pastoralen Räumen teil. In einem ersten Block im Herbst vergangenen Jahres haben sich die Teilnehmer bereits intensiv mit ihren eigenen Projekten auseinandergesetzt. In dem zweiten Block geht es nun darum, das zu vertiefen und die Perspektive möglicher Unterstützer einzunehmen.

„Sich selbst erklären müssen, ist sehr hilfreich“, weiß die Koordinatorin des Projektes Fundraising-Entwicklung in den Pastoralen Räumen, Uta Bolze. Die „kollegialen Begleiter“ haben den Blick von außen und stellen Fragen zu Dingen, die dem Projekt-Team zunächst völlig logisch erschienen. „Das empfinden alle als sehr wertvoll“, sagt Uta Bolze. Zeitweise setzten sich auch die Profis zu den Runden, doch der Fokus soll auf der Arbeit untereinander liegen.

Susanne Reuter vom das Zentrum für Systemisches Fundraising Hamburg und Klaus Heil vom Fundraisingbüro Bistum Hildesheim begleiten die Modellprojekte, zu denen neben der „Tourismuspastoral“ aus dem Pastoralen Raum Stralsund/Rügen/Demmin, dem „Gemeinde- und Begegnungszentrum“ der Pfarrei Buckow-Müncheberg noch der „Ambulante Hospizbesuchsdienst Demmin“, die „Bahnhofsmission am Ostbahnhof“ von IN VIA sowie das Modellprojekt „Tage ethischer Orientierung“, kurz „TEO“, vom BDKJ gehören.

Fundraisingziel definieren

In der Arbeitsgruppe von „TEO“ diskutieren sie gerade über das Fundraisingziel: Personalkosten oder Materialkosten? „Die Personalnot ist größer“, sagt Ralf Heinzelmann, der sich als Religionslehrer auch ehrenamtlich für das Projekt engagiert. „Mit den Teamern sichern wir die Qualität“, argumentiert Heinzelmann. Als Fundraisingziel formulieren sie: „Verlässliche Zahl an Teamern“. Marco Wölbling pinnt den Zettel an die Tafel. Ihr „kollegialer Berater“ Sebastian Tacke hat schon eine Idee, wie das Ziel verfolgt werden könnte: „Wie wäre es mit Patenschaften für Teamer?“

Dass es beim Fundraising nicht nur um Geld geht, wird in der Arbeitsgruppe der Bahnhofsmission deutlich. Hier rauchen die Köpfe, wie sie an Zeitspenden kommen. „Heutzutage ist es einfach schwierig, Ehrenamtliche langfristig zu binden. Junge Leute ziehen beispielsweise nach dem Studium in eine andere Stadt oder gründen eine Familie“, weiß Astrid Gude von IN VIA. „Da ist es nachvollziehbar, dass der Fokus erstmal woanders liegt.“ Diakon Wolfgang Willsch fragt bei Ulrike Reiher, die hauptamtlich bei der Bahnhofsmission arbeitet, nach den genauen Aufgabenbereichen.

Die Drei nehmen gemeinsam als Vertreter für das Modellprojekt an dem Seminar teil. Dennoch wird deutlich, dass man sich auch untereinander in einem Pastoralen Raum noch genauer kennenlernen kann. Dafür ist dieses Seminar eine wunderbare Möglichkeit, findet Wolfgang Willsch. Im Alltag gehe das einfach zu schnell unter. Auch Astrid Gude sagt: „Es ist gut, dass es hier den Raum gibt, systemisch an das Projekt zu gehen.“

Stärken und Schwächen analysierenDie Arbeitsgruppe von Buckow-Müncheberg hat ihren Projektcheck mittlerweile abgeschlossen und ist bei der SWOT, der Stärken-Schwäche-Analyse angekommen. Neben vielen Stärken sieht Thomas Thieme aus der Pfarrei Buckow-Müncheberg auch Schwächen des Projekts: Es laste alles auf etwa 20 Ehrenamtlichen. „Das birgt zum einen die Gefahr, die Ehrenamtlichen zu überlasten“, räumt er ein. „Zum anderen können sich die übrigen Gemeindemitglieder abgehängt fühlen.“

Ralf Heinzelmann von „TEO“ ist von der SWOT-Methode ganz begeistert. „So sehr ich TEO liebe, fand ich es angenehm, die Schwächen zu entdecken“, sagt er. „Das zeigt uns, wo wir uns noch entwickeln können. Und wir können jetzt besser reagieren, wenn wir von außen gefragt werden.“ So sehr sich die Gruppe beim Projektcheck gequält habe: „Ich hatte den Eindruck, bei der SWOT ist es geflutscht.“

Fundraising-Experte Heil bestätigt: „Wenn viel Sorgfalt auf den Projektcheck gelegt wird, dann läuft das bei der SWOT.“ Und er betont die Bedeutung von interner Transparenz: „Die Wirksamkeit kommt aus der authentischen Haltung, deshalb ist es wichtig, sich mit seinem Projekt intensiv auseinanderzusetzen.“

Hilfreiche Begleitung

Im Plenum am Nachmittag ziehen alle Teilnehmer ein positives Fazit. Vor allem die Methode der „kollegialen Begleiter“ habe geholfen – nicht nur den Projekten, um die es in den Gruppen ging. Auch die, die diese Rolle bekleidet haben, ziehen wertvolle Erfahrungen daraus. „Ich fand es positiv, zu spiegeln, dass Stärken auch Schwächen sein können und umgekehrt“, sagt Sebastian Tacke. „Als Unternehmer konnte ich da noch mal einen anderen Blick geben.“ Sibylle Gunder meint: „Wenn du begleitest, bist du voll in dem Projekt der anderen. Aber in den Pausen hast du Zeit zu reflektieren, was das für dein Projekt bedeutet.“

Im Oktober wird der nächste Seminarblock stattfinden. In der Zeit dazwischen werden die Teilnehmer in ihren Projekten vor Ort aber nicht allein gelassen. Sie können sich jederzeit Rat bei ihren Coaches aus Hildesheim und Hamburg holen. Unheimlich beruhigend und hilfreich, findet Gundula Morcinek aus Buckow-Müncheberg, die auch schon in der Vergangenheit mit ihrem Team darauf zurückgegriffen hat. „Das war die erste Telefonkonferenz meines Lebens“, sagt sie und fügt mit einem Lächeln dazu: „Man fühlt sich dann irgendwie so wichtig.“ Auch darum geht es in dem Projekt, betont Koordinatorin Uta Bolze: dass die Teilnehmer und ihr Engagement wertgeschätzt werden.

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