Vierte Plenarversammlung des Synodalpastoralrats

„Das Tagesevangelium vom Pharisäer und dem Zöllner im Tempel (Lk 18, 9–14) ist den meisten von uns wohl bekannt“, vermutete Erzbischof Dr. Heiner Koch in seiner Predigt, „vielleicht allzu bekannt und von seinem Ende her – ‚Dieser – der Zöllner – ging gerechtfertigt nach Hause zurück, der andere – der Pharisäer nicht‘ – sind wir eindeutig in unserer Bewertung der beiden Personen dieses Textes.

Dabei spricht Jesus im Gleichnis nicht davon, dass alles im Leben des Zöllners gut und vorbildlich geworden sei, dass er seine Sünden bereut und zu einem neuen Leben umkehrt. Auch sagt Jesus nicht, dass alles, was der Pharisäer tut, falsch oder heuchlerisch und verwerflich sei“, erschloss Erzbischof Koch der vierten Plenarversammlung des Synodalpastoralrats am 13./14. März 2026 einen anderen Blick auf das Gleichnis: „Es ist nicht falsch, zweimal die Woche zu fasten und den Zehnten des Einkommens zu spenden. Und wir dürfen – wie der Pharisäer – dankbar sein für das Gute, das wir mit Gottes Hilfe leisten. Ich danke gerade Ihnen, die Sie sich – oft im Ehrenamt – so großartig und vorbildhaft einsetzen. Wir umfassen in unserem Leben von Beiden etwas, vom Pharisäer, der leistungsstark ist, und vom Zöllner, der um seine Erlösungsbedürftigkeit weiß.“

Erzbischof Koch problematisierte weniger die Handlungen des Pharisäers, sondern seine Haltung der Absonderung vom Zöllner: „Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin“ lässt Jesus den Pharisäer sprechen. Darin komme die Bedeutung des Begriffs Pharisäer zum Ausdruck. Übersetzt bedeutet er: „der Abgesonderte“: „Er sondert sich von den anderen ab, er setzt sich nicht zum Zöllner, er handelt nicht synodal. Er versucht nicht, ihn zu verstehen und von und mit ihm zu lernen. Er sucht nicht die Gemeinschaft mit ihm. Genau dieses Haltung ist aber für uns als Mitglieder des Synodalpastoralrats so bedeutsam und so wichtig. Wir gehen und bleiben lernend und glaubend zusammen.“

Dieses Zusammengehen von vielen unterschiedlichen Personen aus unserem Bistum versucht das noch neue synodale Gremium, zu verwirklichen, so Dr. Karlies Abmeier: „Der Synodalpastoralrat will Offenheit für teilweise weit auseinanderliegende Positionen, dass wir einander sehen, das, was wir vom Pharisäer und das, was wir vom Zöllner in unterschiedlichen Anteilen in uns haben“, griff sie den Gedanken der Predigt auf. „Das Gremium hat nicht nur einen anderen Namen, es muss sich auch ein anderer Umgang miteinander, eine andere Haltung des gegenseitigen Respekts darin spiegeln.“ Die Co-Vorsitzende warb daher sehr für das vom Vatikan vorgeschlagene Gesprächsformat „im Heiligen Geist“, „denn hier geht es zunächst um das Hören“. Unter dem Leitwort „Nachhaltig pastoral Wirken“ wurde in kleinen Gruppen für die drei Zielbereiche Pfarrei, Caritas und Bildung einander erzählt, wie jede und jeder meint, dass das Erzbistum sichtbar und wirksam werden kann und welche Maßnahmen dazu ergriffen werden sollen. „So kann gemeinsam geklärt werden, wofür wir unsere Ressourcen künftig einsetzen wollen“, so Abmeier weiter.

In einer ersten Runde teilte jede Person in einem persönlichen Impuls ihre Vorstellung, während die anderen aufmerksam zuhören, ohne zu unterbrechen oder zu bewerten. In einem zweiten Schritt – nach einer kurzen Stille – waren alle eingeladen zu reagieren: Was hat beim Zuhören besonders bewegt? Welche neuen Gedanken wurden angestoßen? Und in einem weiteren, dritten Schritt ging es darum, Gemeinsamkeiten zu identifizieren und Differenzen auszuhalten.

In einem Schreibgespräch wurden dann Ziele, Maßnahmen und die Realisierbarkeit gesichert und aufgelistet. Nach anfänglicher Skepsis wurde dieses Verfahren sehr positiv bewertet, einziger Kritikpunkt: Die Kreativität der Kleingruppen führte zu einer großen Zahl an Themen, Ideen und Anregungen. Dies auszuwerten, wird eine herausfordernde Aufgabe für den Vorstand und die Ausschüsse sein. Sie sind aufgerufen, konkreten Ableitungen zu entwickeln.

Mit dieser aufwändigen Methode wurde das Thema Finanzen 2030 der vorherigen Plenarversammlung fortgeführt. Damals waren in einer Vorlage – vor dem Hintergrund sinkender Kirchensteuereinnahmen – Vorschläge gemacht worden, wo und wie eingespart werden kann. Im Gesprächsformat „im Heiligen Geist“ ging es darum, Wichtigeres von Nachrangigem zu unterscheiden und vorrangige Ziele zu benennen.

„Voneinander lernen. Miteinander glauben. Füreinander einstehen.“ Kommunikation, Spiritualität und Solidarität, auch die drei Dimensionen weltkirchlicher Partnerschaften leben vom Gedanken der Synodalität. Schon lange gab es Überlegungen, ob nicht das Erzbistum Berlin auch eine Partnerschaft mit einer anderen Diözese eingehen kann. Dass man sich nun auf den Weg nach Osteuropa macht, hat seinen Ursprung auch darin, dass Erzbischof Koch auch der „Renovabis-Bischof“ ist. Erste Kontakte zum Erzbistum Vilnius entstanden über die beiden Erzbischöfe. So feierte Erzbischof Gintaras Linas Grušas die Wiedereröffnung der Sankt Hedwigs-Kathedrale mit, ein Bernstein – Gintaras ist die litauische Übersetzung – findet sich auch in ihrem Altar. Die Einladung nach Berlin hat Erzbischof Grušas mit einer Einladung zum Weltkongress der göttlichen Barmherzigkeit nach Vilnius erwidert, eine kleine Delegation aus Berlin wird teilnehmen.

In den drei Jahren von 2026 bis 2028 soll die Partnerschaft wachsen. Kontakte und Austausch soll es geben auf der Ebene der Kirchenmusik, der Pastoral, der Caritas oder der Jugend. Viele Gruppen haben sich schon bei Judith Lübker Referentin für Weltkirche, mit ihren Ideen gemeldet. Sie koordiniert die weiteren Schritte. Eine erste Fahrt des Chores von Herz Jesu ist schon für Christi Himmelfahrt 2026 geplant, beschleunigt durch die litauische Pfarreikirchenmusikerin Karolina Juodelyte. Perspektivisch sollen sich auch weitere Kontakte zwischen einzelnen Pfarreien und Gemeinden festigen.

Dass das Erzbistum Berlin spät dran ist mit einer Bistumspartnerschaft birgt für Judith Lübker auch eine Chance für eine Partnerschaft auf Augenhöhe; Caritasdirektorin Ulrike Kostka bekräftigt den Eindruck, bei allen Unterschieden gebe es doch viele Gemeinsamkeiten mit dem litauischen Erzbistum.

Vilnius, an der Grenze zu Belarus gelegen, ist zuletzt durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine noch unter ganz anderer Rücksicht in den Blick gekommen, in besonderer Weise, seit eine Panzerbrigade der Bundeswehr in Vilnius in den Dienst gestellt wurde. Das gemeinsame Gebet um den Frieden und die Solidarität mit Litauen, wo die geopolitische Bedrohungslange in ganz anderer Intensität wahrgenommen wird als in Deutschland.

Für viele besteht auch eine Verbindung zu Vilnius über die polnische Ordensschwester und Mystikerin Maria Faustyna Kowalska, das erste Gnadenbild ihrer Vision vom barmherzigen Jesus wurde in Vilnius gemalt und wird dort verehrt.

Bis 2028 will man sich Zeit nehmen zum Kennenlernen und dem Ausbau der Beziehungen. Um Vilnius und Litauen besser verstehen zu können und weitere neugierig zu machen auf die Partnerschaft, ist eine digitale Veranstaltungsreihe „Litauen für Einsteiger:innen“ geplant. Sie gibt Einblick in Kultur, Geschichte, Land und Leute und macht Lust auf Vilnius. Auftakt ist am 15. Juni 2026, 18.00 Uhr.

Geplant ist bereits eine Partnerschaftswallfahrt im Sommer 2028, bei der viele Menschen und Gruppen aus dem Erzbistum Berlin die Gelegenheit bekommen sollen, die Erzdiözese Vilnius zu entdecken und weltkirchliche Begegnung zu erleben.

Aktuelle Informationen finden sich unter www.erzbistumberlin.de/vilnius.

Die Partnerschaftswallfahrt ist eine Etappe auf dem Weg zum 100-jährigen Jubiläum des Erzbistums Berlin, auf das sich ein Antrag des Ausschusses Pastoral bezieht. Unter der Überschrift „Ihr seid Zeugen dafür … auch in Berlin, Brandenburg und Vorpommern“, heißt es, die Plenarversammlung möge beschließen, „dass die Bistumsleitung es sich zum Ziel setzt, bis zum Bistumsjubiläum 2030 die Evangelisierung auf allen Ebenen des Bistums als vorrangige Aufgabe der Kirche zu erkennen, anzunehmen und zu erfüllen“. Dabei wird Evangelisierung in einem umfassenden Sinn verstanden. Evangelisierung bedeutet, „die Frohe Botschaft in der Welt zum Leuchten zu bringen: durch die Verkündigung des Wortes, den Dienst am Menschen um Christi Willen, durch Zuhören und Teilen der Sorgen und Freuden der Einzelnen, im Entdecken der Gegenwart Gottes in dieser Welt, in der Vermittlung von Hoffnung an alle, die auf der Suche sind.“ Der Antrag wurde mit großer Mehrheit beschlossen.

Noch nicht beschlossen wurde der Antrag zur Umsetzung der Klimaschutzziele. Hier besteht weiterer Klärungsbedarf, so dass mit einer Wiedervorlage im Herbst zu rechnen ist.

Die fünfte Plenarversammlung findet am 18/19. September 2026 statt. Sowohl für den Vorstand als auch für die Ausschüsse wurden reichlich Hausaufgaben erteilt. Die letzte Versammlung findet am 12./13. März, die gesamte erste Amtszeit wird fortwährend evaluiert von der Katholischen Arbeitsstelle für missionarische Pastoral (KAMP) in Erfurt.