Wohnen bei sich selbst

Foto: Abtei St. Gerdrud

Die klösterliche Variante von Quarantäne heißt Klausur. Das ist der abgeschlossene Bereich, den niemand betreten darf, der oder die nicht zur Gemeinschaft gehört. Dabei geht es tatsächlich um Absonderung, die war in der Geschichte es Mönchtums immer geistlich motiviert: Alles fernhalten, das den Raum der Begegnung mit Gott stören könnte.

Was für viele in den Tagen der Coronakrise eine Herausforderung ist – Tagesstruktur, Abstand halten, in den eigenen vier Wänden bleiben, Verzicht auf so vieles, was das Leben ausmacht, gehört im Kloster zum normalen Alltag. Wir Schwestern haben diesen Lebensstil selbst gewählt, um eine Freiheit für Gott zu gewinnen.

Als Benediktinerinnen haben wir den heiligen Benedikt vor Augen, von dem geschrieben steht, dass er „bei sich wohnte“. Das ist eine Umschreibung großen geistlichen Fortschritts und für die Mönche ein Idealbild, dem sie nacheifern.

Dennoch sind die Einschränkungen durch Corona auch in unserem Kloster in Alexanderdorf zu spüren. Unser Gästehaus ist geschlossen. Was besonders schwer wiegt: Unsere Gottesdienste feiern wir nicht mehr öffentlich.

Wir konnten den gewohnten Rahmen der liturgischen Feiern bis jetzt voll beibehalten, Ein Priester wohnt am Ort. Arbeit gibt es für jede Schwester genug, aber wir mussten unsere Mitarbeiterinnen in Kurzarbeit schicken, weil es im Gästehaus und in der Hostienbäckerei in diesen Wochen kaum etwas zu tun gibt.
Über die Medien sind wir gut informiert. Wir wissen um die vielfältigen Probleme, die mit der Krise einhergehen. In unseren Fürbitten nehmen wir sie jeden Tag auf. Als betende Gemeinschaft sehen wir uns mehr als sonst in der Stellvertretung für die vielen Christen, die keine Möglichkeit zum Gottesdienst in der Kirche haben. Wir wissen uns mit ihnen verbunden im Erleben eines ganz besonderen Osterfests. Und wir vertrauen und hoffen, dass der Herr Mittel und Wege weiß, wie er auch 2020 die Osterfreude in die Herzen bringen kann und die tiefe Erfahrung: Das Leben siegt.