Matthias Woesler chauffierte die Weihbischöfe seit mehr als drei Jahrzehnten durch die zweitgrößte Diözese Deutschlands. Nun kann er seine Zeit wieder ganz frei von anderen Terminen planen.
Nach 41 Jahren scheidet Matthias Woesler aus dem kirchlichen Dienst aus, von ihnen war er neun im Dienst des Caritasverbandes. Nach den unterschiedlichsten Tätigkeiten freut er sich nun auf den Ruhestand.
Eigentlich war Matthias Woesler als Lehrer empfohlen worden, was dem Katholiken jedoch verwehrt blieb. Stattdessen erhielt er eine Ausbildung zum Rundfunkmechaniker beim VEB Sternradio. Die Fließbandarbeit war ihm jedoch schnell zu monoton. Gern wäre der junge Mann mit einem Trabanten zu Reparatureinsätzen gefahren.
Später studierte Woesler Verkehrsingenieurswesen. Bevor der Berliner sein Studium jedoch begann, arbeitete er als Fahrlehrer in Ost-Berlin und trug die Uniform der Berliner Verkehrsbetriebe beim VEB Taxi in Prenzlauer Berg.
Der Satz „Ich schreibe mir mal Ihre Adresse auf.“ zog sich durch seinen beruflichen Werdegang und verschaffte ihm 1979 die Anstellung als LKW Fahrer bei der Caritas-Bauabteilung. Während des pastoraltheologischen Kongresses 1987 wurde der ehemalige Fahrlehrer eingeteilt, die Priester zu befördern. „Auf dem Hof der St. Hedwigs-Kathedrale standen die Autos der Bischöfe, Mercedes an Mercedes.“, erinnert sich der lebensfrohe Mann noch heute.
Etliche Stadtpläne und ein geweihter Navigator
Nach diesem Erlebnis bewarb er sich als Fahrer des damaligen Weihbischofs Wolfgang Weider. Wenige Wochen später erhielt er die begehrte Stelle, welche sein Leben fortan prägen sollte. Mehr als dreißig Jahre übte Woesler diese Tätigkeit mit Freude aus, nur wenn es mal wieder Stau in den Straßen der Hauptstadt gab, ärgerte er sich ein wenig. Sind die Bischofsautos heute moderner und auch für ihn als Fahrer komfortabler, so denkt er doch noch immer gern an die Zeit zurück, als er mit dem heute alten Mercedes Benz durchs Bistum fuhr: „Das war was Besonderes, auch wenn es vielleicht mehr Probleme gemacht hat, im Osten mit DDR-Kennzeichen an einem Mercedes herum zu fahren.“
Sein ehemaliger Passagier, Weihbischof em. Wolfgang Weider, weiß bis heute nur das Beste über seinen Steuermann zu berichten: „Herr Woesler ist ein besonders loyaler Mann. Durch seinen starken Glauben fand er immer die richtigen Worte, auch wenn wir in unbekannten Städten waren, kamen wir immer gut an.“ Das lag wohl auch an den zahlreichen Stadtplänen fremder Städte, die sich in einer großen Kiste im Kofferraum des Dienstwagens ansammelten. Manchmal wurde der Weihbischof auch zum Navigator, wenn er mit der Karte auf dem Schoß den Weg wies.
Eine Ausbildung zum Referenten in der Erwachsenenseelsorge hätte Matthias Woesler gern gemacht, aber es fehlte ihm die Zustimmung der Bistumsleitung. Weider erinnert sich weiter: „Er ist immer hilfsbereit und tatkräftig, er suchte immer nach neuen Aufgaben.“ Bis zuletzt erstellte Woesler auch den Schematismus für die Erzdiözese.
Im Privaten steigt der Urberliner auch gern mal auf das Motorrad um und genießt das Fahren auf zwei Rädern. Die Frage, worauf er sich am meisten im Ruhestand freue, beantwortet er bescheiden damit, sich von nun an seine Zeit frei einteilen zu können, ohne auf andere Termine Rücksicht nehmen zu müssen.