Aus der Schweiz nach Berlin: Der Jesuit Pascal Meyer wurde von Erzbischof Heiner Koch zum Priester geweiht und arbeitet am Canisiuskolleg als Lehrer. Für ihn darf es keine Scheu geben, das Evangelium zu verkündigen.
Als Pascal Meyer 16 Jahre alt war kamen die Jesuiten erstmals in sein Blickfeld. Er erinnert sich: „Wenn ich in einem meiner Computerspiele Jesuitenschulen in den Städten baute, stieg der Wissensstand der Bevölkerung rasch an und es war leichter, das Spiel zu gewinnen.“ Heute ist Pascal Meyer Jesuit. Im Juni wurde der 40-Jährige in Sankt Matthias Berlin zum Priester geweiht (Foto).
Die zweite Begegnung mit der Gesellschaft Jesu hatte Meyer durch den Film „Die Mission“, der die Jesuiten im Kampf für die indigene Bevölkerung Lateinamerikas zeigt. „Durch den Film begriff ich, dass Jesuiten Meister der Völkerverständigung sind. Dort, wo andere scheitern, das Wort Gottes zu verkündigen, schaffen es die Jesuiten, die Botschaft in die jeweilige Kultur zu übersetzen.“ Diese Internationalität des Ordens faszinierte Meyer.
Meyer sieht in Jesus Christus aber den eigentlichen Grund seiner Berufung. Nach einem Unfall ändert er sein Leben völlig. „Mir war völlig unverdient eine zweite Chance geschenkt worden. Ich hätte sterben können.“ Er sagt: „Dann gab es einen Moment in meinem Leben, der alles veränderte. Ich spürte, wie in meinem Herz die Frage pochte, was ich mit meinem Leben anfangen wolle. Diese brennende Frage war mit Jesus und seinem Leben verbunden.“ In der Folgewoche sprach Meyer mit einem Jesuiten in Zürich.
Schließlich legte er eine Generalbeichte über sein ganzes Leben ab. „Ich fing neu an, wollte mich mit Gott versöhnen. Und das tat ich auch.“ Etwas später nach ersten Kurzexerzitien stellte er sich die Frage: Willst du Jesuit werden? Sein geistlicher Beirat sagte: „Probier es einfach aus.“ Also ging Meyer in Nürnberg ins Noviziat. Er studierte Philosophie und Theologie und machte ein Praktikum beim internationalen Bildungswerk „Jesuit Worldwide Learning“. Seine Entscheidung, ein Jesuit zu werden, hat er nie bereut. „Ich bin glücklich!“
Das Prinzip des Ordensgründers Ignatius, „Alles zur höheren Ehre Gottes“, bedeutet für Meyer, sich nicht mit Minimallösungen zufrieden zu geben. Jesuiten suchen Gott in allen Dingen. „Was auch heißt, nach Dienstschluss ansprechbar zu sein“, betont Meyer. „In allen Situationen und Anfragen möchte ich immer das Beste für die Menschen und die Schöpfung zur Ehre Gottes erreichen.“
Dabei hilft ihm seine Fähigkeit, Kontakte zu knüpfen. Für ihn ist das eine Gabe Gottes und eine große Chance, Menschen zu erreichen. Meyer betont: „Bei der Weitergabe des Evangeliums darf es keine Scheu geben– auch über Social Media ist vieles möglich.“
Welche Vorbilder prägen den Neupriester? Neben dem heiligen Franz Xaver und dem ehemaligen Ordensoberen Petro Aruppe nennt Meyer Mary Ward. „Sie ist nicht selig gesprochen, nicht heilig und doch ein großes Vorbild. Mary Ward zeigt, wie Menschen unkonventionelle Wege gehen können, um Menschen zu erreichen. Sie eckte mit ihrem Wunsch, nach der Regel des heiligen Ignatius zu leben, bei den Jesuiten und der Amtskirche an.“ Heute lebt die Congregatio Jesu – so der neue Name der Mary-Ward-Schwestern – nach dieser Regel.
Bis Ende Juli war Pascal Meyer als Schulseelsorger im Berliner Canisiuskolleg tätig. Inzwischen übernehmen auf Wunsch der Ordensleitung Laien dieses Amt. Meyer bleibt aber in Berlin und ist als Lehrer am Kolleg tätig. Es ist sein Wunsch, als Priester in einer Schule, künftig junge Leute auf die Taufe und die Firmung vorzubereiten.