Der Wanderführer „Pilgerweg der Birgitta“ von Sandra Pixberg und der Rügener Pastorin Ellen Nemitz bietet neben den Routen von Lund nach Schwerin auch Gebete. Pastorin Nemitz sieht das Pilgern als Chance für die Kirchen in Mecklenburg-Vorpommern.
„Man kann nicht darüber schreiben, wenn man es nicht selbst mitgemacht hat“, ist Pastorin Ellen Nemitz überzeugt. Eine Pilgerwanderung verändere die Menschen nachhaltig. Seit 2015 ist sie Pastorin auf Rügen, zuständig für Altefähr, Rambin und seit 2018 auch Poseritz. Hier geht der Pilgerweg der heiligen Birgitta von Schweden entlang, der den nordeuropäischen Olavsweg mit dem berühmten Jakobsbweg verbindet. Seit 2013 zeigen Muscheln mit einem weißen Kreuz die Richtung. In drei Wochen mit 21 Tagesetappen wäre ein Beschreiten möglich. Doch genutzt wird der Pilgerweg über Rügen und Stralsund bis hin nach Roseburg bei Schwerin kaum. Dabei sei pilgern beten mit den Füßen, weiß Pastorin Ellen Nemitz.
„Menschen sind auf der Suche. Das ist unsere Möglichkeit die Kirchen zu öffnen“, ist die Pastorin überzeugt. Zusammen mit der Autorin Sandra Pixberg hat sie deshalb ein Buch veröffentlicht, einen Wanderführer über den „Pilgerweg der Birgitta“. Zwei Dinge zeichnet das Buch in Hosentaschenformat aus: Zum einen gibt es detaillierte Etappenbeschreibungen mit GPS-Daten zu jeder Etappe und Adressen für Übernachtungen, zum anderen Daten und Anekdoten zu allen evangelischen Kirchen entlang des Weges. Außerdem zu jeder Tagesetappe ein Morgen-, ein Mittags- und ein Abendgebet. Die Gebete und Mediationen nehmen dabei Bezug auf den Verlauf, auf die Phase der Pilgerreise oder auf die Botschaft, die von Birgitta überliefert wurde.
Birgitta von Schweden lebte von 1303 bis 1373 und gilt zusammen mit Katharina von Siena und Edith Stein als Schutzheilige Europas. Sie gilt als Begründerin des Erlöserordens. Nachweislich pilgerte sie mit ihrem Ehemann Ulf Gudmarsson 1341 von Schweden nach Santiago de Compostela.
„Eine Pilgerstrecke ist so eine Art Gottesdienst von Kirche zu Kirche. Dafür braucht man nicht einmal einen Pastor vor Ort, aber eine geöffnete Kirche“, so Ellen Nemitz. Deshalb kann sie sich auch Tagestouren oder Kurztouren vorstellen, nicht nur für Pilger sondern auch für die Gemeinde selbst: „Pilgern kann ein Weg der Gemeindearbeit sowohl für die Touristen als auch die Gemeinde vor Ort sein.“
Einen wunderbaren Kooperationspartner habe sie da in der Ökumene. Die katholische Tourismusseelsorgerin für Rügen, Marion von Brechan, unterstützt die Idee des Pilgerns. So haben sie nach Ostern den ökumenischen Emmausgang wiederbelebt, der für 2020 leider ausfallen musste.
Vor mehr als drei Jahren reiste Ellen Nemitz selbst auf dem Olavsweg in Schweden. „Zwei Drittel der Teilnehmer waren nicht kirchlich gebunden, aber spirituell suchend“, berichtet sie und weiter: „Pilgern ist ein überregionales Phänomen.“ So sei die schwedische evangelische Kirche in dieser Hinsicht besser aufgestellt. „In Schweden gibt es keinen durchgängigen Weg. Man pilgert immer kleinere Etappen. Auch in Norwegen und sogar auf Island gibt es Pilgerwege“, berichtet die Pastorin. „70 Prozent der Pilger auf dem nordeuropäischen Olavsweg sind Deutsche.“ Zur besseren Vernetzung lernt sie nun Schwedisch und kooperiert mit dem Pilgerpastor der Nordkirche, Bernd Lohse.
Ellen Nemitz, Sandra Pixberg,
Pilgerweg der Birgitta – Von Lund
über Rügen nach Schwerin auf
dem Jakobsweg; Edition lesezeichen
von Steffen Media GmbH;
ISBN 978-3-941681-57-6; 14,95
Euro; Der Erlös fließt in die Pilgerarbeit.