„Auf null“

Klimaschutzziel für 2040 – das Erzbistum Berlin will klimaneutral werden. Wolfgang Plehn vom Diözesanrat gibt Anregungen, wie das gelingen kann.

Einweggeschirr statt Wegwerfgeschirr. Teelichter nur ohne Alu-Fassung. Kein Fleisch aus industrieller Tierproduktion bei Gemeindefesten. Das sind nur einige Punkte eines nachhaltigeren Gemeindelebens zur Bewahrung der Schöpfung. Das Erzbistum Berlin hat noch weitaus größere Ziele im Blick: Bis 2030 sollen die Treibhausgasemissionen kirchlicher Immobilien um 50 Prozent und bis 2040 auf null sinken.

Dafür setzt sich insbesondere Wolfgang Plehn ein, Vorsitzender des Sachausschusses Laudato Si´ des Diözesanrats im Erzbistum. Der promovierte Umweltschützer war langjähriger Fachgebietsleiter im Umweltbundesamt und unterstützt Gemeinden auf dem Weg zu mehr Schöpfungsverantwortung. „Alle Gläubigen des Erzbistums sind aufgerufen, zu den Klimazielen beizutragen“, sagt er. Im Blick hat er dabei vor allem die Pfarreien. „Als Kirche sind wir aufgefordert, den Menschen aus unserem Glauben heraus Schutz zu bieten.“ Und dabei könne Kirche Vorreiter für die Gesellschaft sein.

Konkrete Schritte zur Treibhausneutralität können sein: Reduzierung versiegelter Flächen, Lieferverträge für erneuerbare Energien, Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen, Gebäudedämmung, Reduzierung der Raumtemperatur wenig genutzter Räume. So mindere eine Senkung um ein Grad Celsius den Energieverbrauch durchschnittlich um sechs Prozent.

Wolfgang Plehn bewertet den derzeitigen Zustand der meisten Immobilien im Erzbistum als nicht gut. Doch sieht er beste Voraussetzungen, durch geeignete Maßnahmen Wärmeverluste zu verringern und die Energieeffizienz zu optimieren. Die jetzige Lage sei auch ein Startpunkt, deutlich aufgestockte staatliche Fördermöglichkeiten zu nutzen. Ein Klimaschutzfond des Erzbistums soll die staatlichen Zuschüsse aufstocken. „Er muss bald eingerichtet werden.“

Als Anreiz zum Nachdenken über die solidarischen, ökologischen und globalen Wirkungen nachhaltigen Handelns gibt es das ökumenische Siegel „Faire Gemeinde“. Erste Kirchengemeinden im Erzbistum haben das Siegel bereits; weitere arbeiten derzeit an der Antragstellung.

Auf die Raumheizung von Kirchen sollte im Winter weitgehend verzichtet oder die Grundtemperatur auf etwa 8 Grad Celsius abgesenkt werden. „Die Erwärmung großer Luftvolumina verbraucht eine große Menge fossile Energie, die zur Bewahrung der Schöpfung nicht verbrannt werden sollte.“ Bei Neubauten ist der Einbau fossiler Heiztechnik nicht mehr zulässig, um die Emissionen von Treibhausgasen zu vermeiden. Zur Unterstützung der Pfarreien ist vorgesehen, eine Vollzeitstelle zum Klimaschutzmanagement zu schaffen.

„Wir wollen Zeichen aus unserem Glauben setzen und in der Gesellschaft voranschreiten“, sagt Wolfgang Plehn. „Die Klimaveränderungen sollten uns wachrütteln, für uns und die nachfolgenden Generationen verantwortungsbewusst aktiv zu werden.“ Langfristig übersteige dabei der Nutzen den Aufwand für energetische Sanierungen bei Weitem, meint Plehn. „Es gibt nur ein Leben mit der Natur, nicht gegen die Natur.“