Banker und Malteser

Ein Gesicht der Malteser-Kampagne „Doppelleben“: Stefan Gottschol im Malteser-Katastrophenschutz und im Banker-Beruf. Fotos: privat

Seit 90 Jahren sind die Malteser in Berlin aktiv, um Menschen in Not zu helfen. Mittlerweile engagieren sich in der katholischen Hilfsorganisation mehr als 1500 Ehrenamtliche. Seit 1994 ist Stefan Gottschol einer von ihnen.

Beim Berliner Katholikentag 1990 waren dem damals 15-jährigen Stefan Gottschol die Sanitäter in den leuchtend orangeroten Jacken ins Auge gefallen. Vier Jahre später stieg er selbst ein in den Sanitätsdienst des Malteser Hilfsdienstes. Er hatte gerade seine Ausbildung bei der Berliner Volksbank begonnen. Im Ehrenamt bei den Maltesern konnte er seine Zeit für etwas Gutes einsetzen und hatte zugleich Abwechslung zu der vorwiegend sitzenden Tätigkeit bei der Bank. „Die Aussicht, Open-Air-Konzerte mitzuerleben, ohne mir dafür ein Ticket besorgen zu müssen, hat mich als junger Mensch auch gereizt“, erinnert er sich.

Im Sanitätsdienst und Katastrophenschutz

Sich für die katholischen Malteser und nicht für eine andere Hilfsorganisation zu entscheiden, lag nahe. Seit seiner Erstkommunion in der Salvator-Gemeinde Lichtenrade hatte sich Stefan Gottschol als Ministrant und in der Pfarrjugend engagiert. Ein älterer Ministrant lud ihn irgendwann in die Maltesergruppe ein, die sich jede Woche im Lichtenrader Gemeindehaus traf. Er fand die Leute nett, hatte Lust auf Sanitätseinsätze und blieb. Dass die Malteser ihm bereits 1988 angenehm aufgefallen waren, als er in der katholischen Marienschule an einem ihrer zweitägigen Erste- Hilfe-Kurs teilnahm, fiel ihm erst später wieder ein.

Fast 30 Jahre sind seit Stefan Gottschols erstem Malteser- Gruppentreffen vergangen. Als Privatkundenberater arbeitet er bis heute bei der Bank, die ihn ausgebildet hat und auch den Maltesern ist er treu geblieben. Im Sanitätsdienst hat er es bis zum ehrenamtlichen Einsatzleiter der höchsten Führungsstufe gebracht und darf Großeinsätze mit über 400 Einsatzkräften führen. Zudem ist er Verbandführer im Katastrophenschutz.

Zum Hochwassereinsatz stellt ihn die Bank frei

Als Familienvater mit drei schulpflichtigen Kindern hat er weniger Zeit als zu Beginn des Engagements im Ehrenamt. Am Wochenende ist er zum Beispiel oft mit seinem Sohn unterwegs, der hochklassig Handball spielt. Prioritäten und die Anzahl der Einsätze haben sich verändert. „Aber wo es geht, versuche ich, mit dabei zu sein“, sagt Stefan Gottschol. Große Veranstaltungen wie Konzerte oder Sportveranstaltungen stehen auch für 2023 und 2024 fest in seinem Kalender. Außer Frage steht für ihn auch, dass er in besonderen Katastrophenlagen seine Erfahrung und sein Fachwissen zur Verfügung stellt, und auch für die Berliner Volksbank ist es selbstverständlich, ihn für Katastropheneinsätze von der Arbeit freizustellen. So war er 1997 beim Hochwasser in Brandenburg und 2013 in Sachsen- Anhalt als Helfer mit vor Ort, beim extrem herausfordernden Einsatz im Ahrtal trug er 2021 Mitverantwortung für 800 Einsatzkräfte.

Der schönste Einsatz: Weltjugendtag in Köln

Die schönsten Einsätze sind für ihn die Sanitätsdienste bei Katholikentagen. „Mich beeindruckt immer wieder die Atmosphäre dort und die große Empathie, die uns da entgegengebracht wird“, sagt er. Besonders unvergesslich ist ihm der Weltjugendtag 2005 in Köln. Zu spüren, wie der Glaube die jungen Menschen aus aller Welt vereint, tat auch ihm als Helfer gut.

Katholische Christen, die wie Stefan Gottschol in ihrer Gemeinde auf die Malteser aufmerksam wurden, sind eher selten unter den Freiwilligen, die in den vergangenen Jahren zu den Maltesern gestoßen sind. „Wir freuen uns über jeden, der sich engagieren möchte. Dass man sich mit dem christlichen Glauben identifiziert, ist da eher nicht vorrangig. Jeder und jede ist willkommen“, sagt er. Auch wenn er selbst in seinem Ehrenamt viel Erfüllung gefunden hat, würde er niemanden in diese Richtung drängen, schon gar nicht seine eigenen Kinder. Seine Tochter interessiert sich gerade für den Schulsanitätsdienst. „Jeder soll frei sein, sich zu engagieren und das auch wieder zu lassen“, ist Stefan Gottschol wichtig.

Für die Social-Media-Kampagne zum Malteser Jubiläum unter dem Motto „Doppelleben – Ehrenamt mit Leidenschaft“ wird er demnächst sein Gesicht zeigen. www.malteser-berlin/ehrenamt