Begleiten und unterstützen

Oliver Reifenhäuser, Trainer und Berater für Ehrenamtsfragen, erläuterte zentrale Begriffe rund ums Ehrenamt.

Die Erwartungen von Engagierten an ihr Ehrenamt haben sich verändert. Bei einem Studientag gab es konkrete Hinweise für eine engagement-freundliche Kirche.

Wie gewinnt und begleitet man in Kirchengemeinden Ehrenamtliche? Das war die zentrale Frage der Studientagung für Mitarbeiter in der Pastoral des Erzbistums Berlin. Leitgedanke war „Für eine engagement-freundliche Kirche“. Obwohl in der Gesellschaft die Bereitschaft wächst, sich ehrenamtlich zu engagieren, ist das freiwillige Engagement in Pfarreien, Gemeinden und Orten kirchlichen Lebens längst kein Selbstläufer mehr.

Elf Thesen, damit sich Menschen engagieren

Wie und wie lange kann ich mich engagieren? Passt meine Aufgabe zu mir? Kann ich mitgestalten? Auf solche Fragen müssen sich Verantwortliche einstellen. Die Erwartungen haben sich verändert: „Wir brauchen eine engagement- freundliche Kultur, dass sich Menschen auch künftig gern unter dem Dach der Kirche engagieren“, weiß Oliver Reifenhäuser. Der Trainer und Berater erläuterte seine Erfahrungen in elf Thesen:

1. Die Bereitschaft, sich zu engagieren, ist in den letzten Jahren gestiegen. Viele Menschen wollen sich für eine sinnvolle Sache einsetzen, wissen aber nicht, wo und wie. Engagementsangebote sollten konkret statt allgemein, informativ und ansprechend sein, Motive aufgreifen, mit Angaben zu Aufgaben und Zeitbedarf.

2. Traditionelle Ehrenämter, die hohen Zeiteinsatz und langfristige Bindung erwarten, sind schwer zu besetzen. Ehrenamtliche sind heute anspruchsvoller, eigennütziger und fordernder. Darum sollte die Freude eine Rolle spielen.

3. Ehrenamtliche wollen und brauchen feste Ansprechpartner, auch für die überfachliche Begleitung in der Ehrenamtskoordination. Beraten, fördern, vernetzen soll über die gesamte Einsatzdauer gewährleistet sein.

4. Ehrenamtliche wollen, dass Hauptberufliche sie als gleichwertige Mitarbeiter behandeln.

5. Viele Ehrenamtliche erwarten, dass sie und ihr Engagement anerkannt und wertgeschätzt werden. Dafür ist eine „Kultur der Anerkennung und Wertschätzung“ unerlässlich.

6. Viele Ehrenamtliche wollen Klarheit, Verbindlichkeit und Sicherheit im Engagement. Das gelingt am besten durch ein Erstgespräch „mit Passung“. Dabei sollte über Motive und Werte, Erwartungen, Aufgaben und Charismen, Zeiten und Dauer des Einsatzes gesprochen werden.

7. Viele Ehrenamtliche wollen sich persönlich und fachlich weiterentwickeln. Dazu brauchen sie Bildung und Förderung durch Rückmeldung, Reflexion, Qualifizierung, Erfahrungsaustausch, auch eine Engagement-„Karriere“.

8. Viele Ehrenamtliche wollen im Engagement Entscheidungs-, Gestaltungs- und Entfaltungsspielraum. Das gelingt durch „Vertrauen und Verantwortung“ für eigene Entscheidungen.

9. Ehrenamtliche bringen neue Perspektiven und gute Ideen in eine Organisation. Offenheit und Innovation für neue Projekte verbessern die Kultur der Gemeinden und führen ihr neue Energie zu.

10. Ehrenamtliche fühlen sich der Organisation oder ihrer Gemeinde und den Menschen oft auch nach ihrem Engagement verbunden. Ehemaligentreffen, Newsletter, Einladungen, Internet- Kontakte stärken die Loyalität.

11. Ehrenamtliche spüren, ob und wie sich eine Organisation für sie engagiert. Deshalb solle die Qualität des Engagements kontinuierlich reflektiert werden, damit eine Qualitätsverbesserung möglich wird.

Leitgedanken mit „Fleisch auf den Rippen“

„Fleisch auf die Rippen für diese Leitgedanken“ waren die „Baukästen voller Ideen“ aus Gemeinden in ganz Deutschland. „Komm mit ins Boot“ ist der Broschüre- Titel einer Kirchengemeinde aus Haan, um für freiwillige Mitarbeit zu werben. Eine Kirchengemeinde aus Gladbeck hat das Radioprojekt „Radio Ruhrlife“ gestartet. In Köln war eine Postkartenkampagne in kölscher Mundart erfolgreich bei der Werbung für Freiwillige. „Kaffee Mobil“ war die Idee einer Kirchengemeinde in Hattingen, um Menschen anzusprechen.

„Wenn die Leute nicht zu uns kommen, müssen wir zu ihnen kommen“, war die Überzeugung von Reifenhäuser. Das erläuterte er anhand eines Modells zum Freiwilligenmanagement. Wichtige Bausteine waren dabei: Mitarbeiter informieren und einbinden, Multiplikatoren benennen und qualifizieren, Qualitätsstandards festlegen und organisatorische Rahmenbedingungen schaffen, Freiwilligenkultur weiterentwickeln, Projekte für Freiwillige entwickeln und steuern, Kooperationen und externe Netzwerke aufbauen, Öffentlichkeitsarbeit und Leitbild anpassen, Freiwilligenmanagement evaluieren und weiterentwickeln.

Wie gewinnt man Ehrenamtliche und Initiatoren? Welche Instrumente aus dem Freiwilligenmanagement haben sich bewährt? Wie implementiert man ein systematisches Freiwilligenmanagement? Das waren weitere Fragen dieses Studientages unter Leitung von Ute Eberl und Peter Kloss-Nelson vom Arbeitsbereich Sendung im Erzbischöflichen Ordinariat.