Das freundliche Gesicht am Portal

Elisabeth Prügger-Schnizer leitet ein Team von Ehrenamtlichen, das Gäste in der Berliner Sankt Hedwigs-Kathedrale willkommen heißt. Foto: Dorothee Wanzek

Nach der Wiedereröffnung soll sich die Berliner Sankt Hedwigs-Kathedrale mit Leben füllen. Elisabeth Prügger-Schnizer ist seit 1. November als Referentin für Theologie, Pastoral und Kultur tätig. Zu Kuppelkirchen hat die gebürtige Österreicherin eine besondere Beziehung.

Elisabeth Prügger-Schnizer liebt Kuppelkirchen: 20 Jahre lang wirkte sie an St. Ludwig in Darmstadt, seit 1. November vergangenen Jahres ist die Berliner Sankt Hedwig-Kathedrale ihr Arbeitsplatz. Beide Gotteshäuser haben viel gemeinsam: Sie wurden in ihren Städten als erste katholische Kirchenbauten nach der Reformation errichtet und dem römischen Pantheon nachempfunden. In beiden Kirchen war und ist Prügger-Schnizer als Pastoralreferentin dafür zuständig, der Kirche ein freundliches Gesicht zu geben und besonders die Menschen anzusprechen, die mit Glaube und Kirche wenig zu tun haben. 

Dabei stammt sie aus einer tief katholischen Gegend, der österreichischen Steiermark. „In meiner Schulklasse waren alle katholisch, wir sind gemeinsam zur Erstkommunion gegangen“, erzählt sie. Sie studierte Theologie in Graz, arbeitete vier Jahre in einer Pfarrei in der Südsteiermark, bis sie mit ihrem Mann 2003 nach Genf zog. Hier lernte sie erstmals die Ökumene kennen, kam mit Lutheranern und Calvinisten zusammen. „Das hat mir gutgetan, diese Weite zu spüren“, meint sie rückblickend. Die Zusammenkunft mit anderen Konfessionen habe ihren Horizont deutlich erweitert. 

Die Zeit in der Schweiz währte nur kurz, 2004 folgte sie ihrem Mann nach Darmstadt. Und – genau wie in der Berliner Hedwigskathedrale – wurde ihre Gemeindekirche, der Kuppelbau St. Ludwig, gerade umgebaut und modernisiert. Aber die Gemeinde setzte andere Akzente, der Innenraum wurde farbig gestaltet, etwa mit einer blauen Kuppel. Hier baute sie neben der Gemeindearbeit auch das Projekt „Offene Kirche“ mit auf. „Ich mag an Kuppelkirchen das Symbolhafte“, erklärt Prügger- Schnizer. Die runde Form sei wie eine Weltkugel und das zum Himmel geöffnete Opaion stehe für den Austausch zwischen Gott und Mensch. 

Die Hedwigskathedrale hat für die gebürtige Österreicherin etwas Besonderes: So befindet sich der halbkugelförmige Altar genau unter der Dachöffnung und bildet eine Achse mit dem Taufbecken in der Krypta, das für den Beginn des christlichen Lebens stehe. „Rundkirchen haben eine besondere Symbolik“, betont Prügger- Schnizer. So stehe der Klerus mit den Laien auf einer Ebene, keiner sei besonders herausgehoben. Damit sei der Gedanke der „communio“, bei der alle eins in Christus seien, besonders gut verwirklicht. 

An der Sankt Hedwigs-Kathedrale hat die Referentin für Theologie, Pastoral und Kultur bereits ein Netzwerk von 25 Ehrenamtlichen aufgebaut, die künftig das „Welcome- Team“ bilden werden. Die jüngsten Mitglieder seien gerade 25 Jahre alt, viele würden mehrere Sprachen sprechen. Das ist in der Kathedrale, die direkt hinter dem Prachtboulevard Unter den Linden mitten im Herzen der Bundeshauptstadt mit ihrem internationalen Flair steht, besonders wichtig. „Die Ehrenamtlichen sollen der Kirche ein freundliches Gesicht geben“, betont Prügger-Schnizer. Sie stehen als erste Ansprechpersonen zur Verfügung, etwa als Lotsen, und auch – falls gewünscht – für ein Gespräch. Dabei werden sie mit vielen Besuchern zusammentreffen, die nicht kirchlich geprägt sind. „Die Menschen haben Sehnsüchte, man kann sie von Mensch zu Mensch ansprechen“, ist sie überzeugt. 

Zudem werden die Ehrenamtlichen an der Katholischen Akademie zu Kirchenführern ausgebildet. Geplant sind unter anderem Angebote für spezielle Zielgruppen, etwa für Kinder und Jugendliche. Auch Ausstellungen will die Pastoralreferentin in Zukunft organisieren, ebenso vernetzt sie sich mit anderen kirchlichen Akteuren wie der Berliner Citypastoral. 

Das geistliche Programm gestaltet sie ebenfalls mit: Unter anderem gibt es dreimal pro Woche mittags um 12 Uhr einen Angelus, eine Mittagsmeditation mit Musik, Texten und Segen. „Ich habe eine große Liebe zu lyrischen Texten“, erzählt Prügger- Schnizer. „Damit kann man auch Menschen berühren, die nicht kirchlich geprägt sind.“