Das Schwalbennest unter der Kuppel

Martin Doering ist Hobbyorganist und -fotograf und hat die Orgel in St. Hedwig aus vielen Blickwinkeln fotografiert. Weitere Bilder sind auf seiner Website zu sehen: www.die-orgelseite.de Foto: Martin Doering

Die Schwalbennestorgel der Sankt Hedwigs-Kathedrale ist zurück und wird am 27. April feierlich eingeweiht. Anschließend würdigt eine Festwoche mit internationalen Orgelabenden den neuen Look des alten Instruments.

Eine neue optische Wirkung sollte entstehen und trotzdem das Alte erkennbar bleiben. Was wohl auf den ganzen Umbau der Sankt Hedwigs-Kathedrale zutrifft wird an der Domorgel besonders deutlich. Diese wurde 1977 von der Bonner Orgelbaufirma Klais gebaut und prägte mit ihren markanten, messingfarbenen Bekrönungen den alten Kirchenraum mit. Während des Umbaus der Kathedrale wurden die 4 630 Orgelpfeifen ausgelagert und kehrten vor einigen Wochen an den Ort ihrer Bestimmung zurück – in alter Anordnung und doch in neuem Gewand. „Die optische Neugestaltung war ein wahnsinnig spannender Prozess, der über ein halbes Jahr ging“, erinnert sich Domorganist Marcel Andreas Ober. Am Ende stand der Entwurf eines schmalen, hohen und leicht aussehenden Instruments, dessen 66 sichtbare Pfeifen wie vor dem Umbau mit den Säulen der Kathedrale korrespondieren. Dabei steht die Orgel nicht auf einer Empore, sondern hängt an der Wand – eine technische und statische Leistung, die man als Schwalbennestorgel bezeichnet. 

Auch der charakteristische Klang ist geblieben. Er ist zeittypisch für die 1970er Jahre: „Manche Klangfarben sind fast mittelalterlich und das Instrument ist besonders für Barockmusik gut geeignet, kann aber alle Epochen spielen“, erklärt Domorganist Ober. Die neue Raumakustik, die schon während des Umbaus mit einem Computer modelliert wurde, kommt dem Instrument dabei sogar zugute: Die kleinere Kuppel erzeugt eine höhere Nachhallzeit und der neue Putz betont die Basstöne, die bei dem Instrument eher schmal ausfallen. Zwei Erweiterungen haben die Verantwortlichen noch vor: Eine Chororgel unterhalb des Hauptinstruments, sowie ein freier Spieltisch im Kirchenraum sollen bald das Zusammenspiel der Orgel mit Chor und Orchester erleichtern. 

Die neue alte Orgel der Kathedrale wird am Sonntag, den 27. April, feierlich eingeweiht. Im Gottesdienst erklingt eine Messe für Bläser, Orgel und Chor, komponiert vom Regensburger Domkapellmeister Christian Heiß. Im Anschluss stellen Domorganist Ober und Orgelbauer Philipp C. A. Klais das Instrument klanglich und bei Führungen vor.

Die Orgelweihe ist Startschuss einer Orgel-Festwoche, die mit Musik aus allen Epochen die Vielfalt des Instruments zeigt:
• Am 28. April erklingt ein Konzert des ehemaligen Domorganisten Max Baumann, das dieser eigens für diese Orgel komponiert hat.
• Am 30. April gastiert Angela Metzger aus München.
• Am 2. Mai folgt Giampaolo di Rosa aus Rom.
• Am 4. Mai wagt der Belgier Maxime Denuc ein Experiment: Bei der Musik seines Albums „nachthorn“ wird die Orgel erstmals von einem Computer gesteuert.
• Am 7. Mai schließt Thierry Escaich, einer der Organisten von Notre-Dame de Paris, die Festwoche ab.
• Infos zu Orgelweihe und Festwoche finden: www.hedwigschor-berlin.de/orgel/orgelweihe