In der Binzer Kirche Stella Maris auf Rügen zeigt eine Ausstellung spirituelle Ergebnisse von Ausdrucksmalerei.
„Der ganz grüne Engel ist mein Liebster“, erzählt Gaby Stegmann: „Der drückt so alles aus: So viel Hoffnung und Liebe.“ Die Frau aus Nordrhein-Westfalen stellt derzeit ihre Engelbilder in der katholischen Kirche Stella Maris in Binz auf Rügen aus.
Die ein Meter hohen Werke sind Ergebnisse der Ausdrucksmalerei, der sie seit 2007 nachgeht. „Natürlich habe ich auch andere Motive, die immer wieder vorkommen wie Spiralen“, erzählt die 58-Jährige. Dennoch arbeitet sie vor allem symbolisch, wenig gegenständlich, dafür aber mit kräftigen Farben. „Ich sehe manchmal Klänge als Farben“, erzählt die Gemeindereferentin im Schuldienst. Ihre Spiritualität sei ihr sehr wichtig. Gerade die Psalmen setzt sie gerne als Bilder um. Die Engelbilder, die in Binz nun zu sehen sind, hat sie extra für diese Ausstellung aus den fast 60 Kunstwerken herausgesucht. Eigentlich war die Teilnahme an Kursen für Ausdrucksmalerei für sie etwas sehr privates.
In die Öffentlichkeit zu gehen, kam ihr erst überhaupt nicht in den Sinn. „Aber ein befreundeter Priester aus Mainz wollte mit meinen Bildern einen meditativen Gottesdienst gestalten. Das war die Initialzündung“, lacht Gaby Stegmann. „Ich habe erst gesagt ‚Du spinnst‘, doch da kam ganz viel Resonanz.“ Resonanz schätzt die Künstlerin sehr, die ihre Arbeiten nicht als Kunst ansieht. „Andere Menschen können sich wiederfinden. Das finde ich wichtig“, räumt sie ein. Mittlerweile gestaltete sie neben einer Passion in Mainz, Wortbilder für einen Kreuzweg in Essen und ein Kinderbuch: Pasquarellas Perlen.
„Die Ausdrucksmalerei kommt aus der Kunsttherapie. Man arbeitet in kleinen Gruppen, aber jeder für sich“, erklärt sie. Nach einem Impuls suchen sich die Teilnehmer eine von 30 Farben aus und gehen an den kreativen Prozess. „Ich arbeite im Stehen mit direkten Kontakt mit den Händen zum Material“, so Stegmann. Meist schmiert sie die einen Meter hohen Papiere mit den Händen zunächst mit Kleister ein. Erst danach kommt die Farbe. „Das hat den Vorteil, dass ich die Farbe lange verändern kann. Die Arbeit wird flexibel. Ich kann eine komplette Farbe auch wieder runter nehmen“, so die Künstlerin über das kreative Schöpfen. Manchmal nimmt sie auch ein altes Bild zur Hand und verändert es völlig, weil es nicht mehr zu ihrer Seelenlage passt.
Die Binzer Kirche ist bis September täglich von 12 bis 18 Uhr offen.