Sie ist mehr als eine beliebte Sehenswürdigkeit: In der Seemannskirche im Ostseebad Prerow ist Gastfreundschaft besonders wichtig. Denn zur Urlaubszeit werden sonntags in der evangelischen Kirche auf dem Darß auch katholische Messen gefeiert.
Zwischen Bodden und Ostsee, auf dem Darß, steht ein besonderes Gotteshaus: die Seemannskirche in Prerow. Sie ist nicht nur die älteste Kirche der Halbinsel, sondern auch ein Ort, an dem sich Geschichte, Frömmigkeit und gelebte Ökumene verbinden.
Gerade in den Sommermonaten verändert sich hier das kirchliche Leben spürbar. Der Norden Deutschlands gilt seit Jahrhunderten als Diaspora – katholisches Leben ist rar, evangelische Kirchen prägen das Bild. Doch mit den Urlaubern aus West- und Süddeutschland kommt Bewegung in die konfessionelle Landschaft. Wer hier Ferien macht, bringt auch seinen Glauben mit. Und so füllen sich Kirchenräume neu, entstehen Begegnungen über konfessionelle Grenzen hinweg – oft ganz selbstverständlich. So auch in der Seemannskirche. Seit Jahrzehnten wird hier im Sommer katholische Liturgie gefeiert – ein Zeichen gegenseitigen Vertrauens und gelebter Gastfreundschaft.
„Schon bevor ich 2020 Pfarrer in St. Bernhard wurde, feierte man seit den 90er Jahren im Juli und August am Sonntag die Abendmesse um 18 Uhr in der Seemannskirche in Prerow“, berichtet Pfarrer Johannes Schaan aus Stralsund. „Weil dieser Gottesdienst von den Urlaubern immer gut angenommen und besucht war, wollen wir diese Tradition nicht aufgeben“, betont er. Und fügt hinzu: „Ich bin sehr dankbar für die ökumenische Gastfreundschaft.“
Diese Offenheit hat Tradition. „Es gab und gibt auf dem Darß und in Zingst schon lange eine rege ökumenische Zusammenarbeit, der wir in diesem Jahr mit einem gemeinsamen ökumenischen Gottesdienst am Seemanskirchenfest am 9. August um 10.30 Uhr wieder einmal Ausdruck verleihen wollen“, sagt Schaan.
Die Seemannskirche, zwischen 1726 und 1728 erbaut, gehört es zu den ältesten Gotteshäusern auf dem Darß. Umgeben ist sie vom ältesten Friedhof der Halbinsel. Ihr Inneres birgt kunsthistorische Schätze: der reich verzierte spätbarocke Kanzelaltar von 1728, geschaffen von einem Stralsunder Meister, oder die ebenso kunstvolle Taufkapelle von 1740.
Doch vielleicht am eindrücklichsten erzählen die Votivschiffe von der Frömmigkeit der Küstenbewohner. Sie hängen von der Decke und sind Dankesgaben von Matrosen und Kapitänen, die sich Gottes Schutz auf hoher See anvertrauten. Unter ihnen ragt besonders die Dreimastfregatte „Peter Kräft“ von 1780 hervor. Sie ist mehr als ein kunstvolles Modell – sie ist ein Zeugnis gelebten Glaubens in existenziellen Situationen.
Die Kirche ist montags bis samstags von 10 bis 18 Uhr und sonntags von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Außerhalb der Saison täglich von 10 bis 16 Uhr. In der Saison gibt es fast jeden Donnerstag Konzerte und andere Veranstaltungen.
Und während draußen der Wind über die Ostsee zieht und die Wellen unaufhörlich an die Küste schlagen, bleibt drinnen etwas bestehen: die leise Gewissheit, dass Glaube trägt – damals wie heute.