Berlin. Unbeleckt ist Pater Manfred Kollig in Verwaltungsdingen nicht: Seit 13 Jahren ist er „nebenbei und zusätzlich“ als Provinzökonom der Arnsteiner Patres in Deutschland für die Verwaltung der Gemeinschaft
zuständig. Auch in der Verwaltung sieht der zukünftige Generalvikar Möglichkeiten zur Seelsorge. Er freue sich auf das „Abenteuer Berlin“, sagt Pater Manfred Kollig den Journalisten, die sich bei seinem ersten Besuch im Erzbischöflichen Ordinariat einfinden, um mit dem zukünftigen Generalvikar des Erzbistums zu sprechen. „Die Welt ist Gottes so voll“, zitiert er den Jesuitenpater und Widerstandskämpfer Alfred Delp, der 1945 in Berlin-Plötzensee hingerichtet wurde. „Die Welt ist Gottes so voll“, das sei auch sein, Pater Manfred Kolligs, Credo – und das wolle er auch in Berlin entdecken.
Der Reiz: Berlinale und Kleinkunst in Hinterhöfen
Eine direkte Verbindung zu dieser Stadt habe er bisher nicht gehabt, außer, dass sie seine Hauptstadt
sei. „Aber jetzt habe ich ja genug Zeit, Berlin kennenzulernen“, sagt er – und bekennt, dass ihn die Berlinale genauso reizt wie die Kleinkunst in den Hinterhöfen. Fremd ist ihm die extreme Diaspora in den Weiten des Bistums: „Ich bin viel gewechselt, war 24 Jahre in Münster und sechs im internationalen
Dienst. Ich habe gesehen, unter welch unterschiedlichen Bedingungen die Menschen leben. Aber dass in einem Bereich wie Vorpommern nur 15 000 Katholiken leben, das ist mir neu und darauf bin ich gespannt.“ Er sieht das auch als Chance: „Das bringt uns der Urkirche näher.“
Der bisherige Seelsorgeamtsleiter des Bistums Münster, der seine neue Aufgabe im Februar antreten wird, schätzt die Ökumene. „Wir müssen zeigen: Wir sind keine Konkurrenten“, fordert er von den Christen. Vielmehr müsse man schauen: Wofür können wir gemeinsam beten? Das Reformationsgedenken im kommenden Jahr gebe „Zeit, sich auf den Eigentlichen zu besinnen“. Denn, so wiederholt er gern: „Die Welt ist Gottes so voll.“
Die Not ist immer größer als wir
Was den Pastoralen Prozess „Wo Glauben Raum gewinnt“ angeht, lobt Pater Kollig vor allem die Entscheidung, die Katholiken mitreden zu lassen, wie sie sich die gemeinsame Zukunft im Pastoralen Raum vorstellen: „Es gibt nicht nur die eine Perspektive“, weiß er: „Ich habe nicht den Rundumblick“.
Deshalb wolle er auch in der neuen Aufgabe als Generalvikar zunächst viel zuhören. „Verwaltung kann fördern, ermöglichen und verhindern“, weiß er. „Als Verwaltung müssen wir gemeinsam klären: Was sollen wir tun?“ Gleichzeitig sei es wichtig zu wissen: Was können wir? „Wir können nicht die Welt retten – die Not ist immer größer als wir“, ist ihm auch im Hinblick auf die Caritas klar. „Wir sind nicht Retter und Erlöser, wir lassen etwas Rettendes und Erlösendes spüren, aber wir sind nicht der Hauptgang.“ Die
Caritas sei wichtig als eine Säule der Pastoral: „Eine Pastoral, die nicht caritativ ist, ist keine.“