Distanzen überwinden Pastoraler Raum in Vorpommern eröffnet

Foto: Anja Goritzka

Vorpommern. „Der Prozess "Wo Glauben Raum gewinnt" bedeutet keine Zentralisierung. Die Gemeinden müssen es zusammen machen“, meint Erzbischof Heiner Koch. Dass dies in Vorpommern gelingen kann, ist er überzeugt. Hier eröffnete er am 14. Dezember die Entwicklungsphase des Pastoralen Raumes Usedom-
Anklam-Greifswald. Rund 4800 Katholiken leben hier auf 2330 Quadratkilometern.

Sechs Gottesdienststandorte gibt es, zwei Kindertagesstätten, ein Seniorenzentrum der Caritas-Altenhilfe, das Ferien- und Begegnungshaus St. Otto, den Pfadfinderstamm Boddenkieker der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG), die Katholische Studentengemeinde St. Augustinus, Beratungsangebote der Caritas in Anklam und Greifswald und zahlreiche weitere Kreise und Gruppen. Diese Vielfalt in der Diaspora nun zusammenzubringen und zu stärken, ist die Aufgabe der drei Pfarrer und ihrer hauptamtlichen Mitarbeiter. Aber auch die Ehrenamtlichen, die Gläubigen selbst, sind in den nächsten drei Jahren gefragt. „Die drei Gemeinden sind äußerst unterschiedlich. Sie wissen aber darum“, so Erzbischof Koch bei seinem Besuch in Vorpommern. Hierzu gehört, zukünftig neue Angebote für die eher ruhigeren Gebiete des Pastoralen Raumes zu entwickeln oder anderes übergreifend anzubieten. Ansätze für ein Miteinander gab es zum Beispiel schon 2016 durch eine gemeinsame Pilgerfahrt zur Heiligen Pforte nach Swinemünde oder die gemeinsame Firmung aller Anwärter aus ganz Vorpommern in Greifswald mit vorhergehender gemeinsamer Firmvorbereitung. Distanzen müssen dazu überwunden werden, besonders räumliche. Erzbischof Koch bekam von diesem logistischen Aufwand einen kleinen Eindruck, war er doch insgesamt 179 Kilometer unterwegs – von Gützkow über Wolgast nach Zinnowitz und Heringsdorf auf Usedom zurück nach Anklam und anschließend nach Greifswald.

„Verbindungen müssen geschaffen werden. Auf den Bus kann man sich hier nicht verlassen“, meinte dann auch Gemeindereferentin Marion von Brechan und ergänzt: „Wir haben für die heutige Messe einen Bus mit 40 Plätzen für Greifswald bestellt. Der war voll. Viele wären aber ohne dieses Angebot nicht gekommen.“ Pfarrer Olaf Polossek von der Insel Usedom sieht aber auch Fallstricke, die es in den nächsten Jahren zu überwinden gilt: „Die Eigenprägung der Gemeinden erschwert mitunter auch die Zusammenarbeit.“ Dabei wird diese zukünftig notwendig sein, denn nur so kann ein neuer Glaubensraum entstehen. Erzbischof Koch appellierte in der Eröffnungsmesse an die Gläubigen, dass sie Brücken sein müssten, zueinander und in die Gesellschaft hinein. Gerade dies ist nach den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern wichtig.

Hier entschied die AfD in vielen vorpommerschen Gebieten die Wahl für sich, so dass sie nun mit im Schweriner Landtag sitzt. „Es ist begeisternd, wie verlässlich die Ehrenamtlichen sind, die da sind. Es scheint fast so, als würden die Katholiken hier einfach sagen, dass sie sich ihr Vorpommern nicht kaputt machen lassen“, meinte Koch weiter. Immer wieder hörte er auch in Gesprächen während seines zweitägigen Besuches, dass die Gesellschaft in Mecklenburg-Vorpommern durchaus offen ist für Gläubige und sie Fragen stelle. Theresia Asmussen, Erzieherin und zukünftige Leiterin der katholischen Kindertagesstätte Wolgast fasste es zusammen: „Die Generation der Ablehner ist vorbei.

Jetzt sind es Skeptiker und Fragende.“ Ihre 35 Kinder – nur drei sind katholisch – bringen den eigenen Eltern den Glauben nahe, indem sie zum Beispiel einfach auf ihr Tischgebet bestehen.

Info

In Vorpommern starteten im März 2016 die Gemeinden Rügen, Stralsund und Demmin in ihre Entwicklungsphase zum Pastoralen Raum. Nun folgten die Gemeinden Usedom, Anklam und Greifswald. Pasewalk und Hoppenwalde werden Anfang 2017 in die Entwicklungsphase starten.