Seit 100 Jahren engagieren sich Mitglieder des katholischen Johannesbundes seelsorgerisch und caritativ in Dallgow-Döberitz.
Mit einem Gottesdienst des „Sozialapostels“, Priesters und Ordensgründers Pater Johannes Maria Haw (1871-1949) auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz in Dallgow- Döberitz, westlich von Berlin, fing es an. Das war am 2. Juli 1925 und dieser Tag wird als der Beginn des seelsorgerischen und caritativen Wirkens der Schwestern und Brüder des katholischen Johannesbundes angesehen.
Unter den Bergleuten in Holz an der Saar lernte Pfarrer Haw die Not von Familien kennen, wenn Familienmitglieder in die Abhängigkeit von Alkohol gerieten. Diese Eindrücke und Erfahrungen bestimmten seinen weiteren Lebensweg. Mit Hilfe seines Freundes, des Pfarrers von St. Michael Berlin-Mitte und späteren Bischofs vom Ermland, Maximilian Kaller, erwarb Pfarrer Haw für den Johannesbund in Döberitz, dem jetzigen Dallgow-Döberitz, ein Haus mit Gartengelände und Werkstätten, wo entlassene Strafgefangene und später auch Obdachlose betreut wurden.
Erster Leiter des Heimes war Pater Andreas Schmitt. Mit ihm kam die erste Oblatenschwester, die in der Küche half. Im ehemaligen Weinkeller wurde der Versuch unternommen, eine Schusterei sowie eine Champignonzucht und eine Stuhlflechterei entstehen zu lassen. Die Bewohner des Hauses sollten durch eigene Arbeit zu ihrem Lebensunterhalt beitragen. 1934 beauftragte der Berliner Bischof Nikolaus Bares Pater Andreas Schmitt mit der Seelsorge für die Gemeinde Döberitz und die Nachbarorte. Es kamen die ersten Hausschwestern für die Gemeindearbeit in den Ort. Sie besuchten und pflegten die Kranken.
Verbot und Weiterführung der Arbeit
1941 wurde der Johannesbund von der Berliner Gestapo als Staatsfeind verboten, die zu ihm gehörenden Gemeinschaften wurden aufgelöst, das Vermögen beschlagnahmt. Gleich nach dem Krieg begann der Johannesbund mit dem Wiederaufbau seines Werkes. Auf dem Gelände des Johanneshauses wurde 1945 ein Kindergarten eingerichtet. Die 120 Kinder wurden von den nach Dallgow zurückkehrenden Schwestern betreut. Diese betrieben auf dem Gelände Landwirtschaft und trugen so zur Versorgung der Kinder und des Seniorenwohnheimes bei.
1984 wurde der Kindergarten geschlossen. Aufgrund der politischen und gesellschaftlichen Situation in der DDR wurden nur noch wenige Kinder im katholischen Kindergarten angemeldet, so dass eine Weiterführung nicht möglich war. Das frei gewordene Michaelshaus wurde umgebaut. Hier zogen zwölf Senioren ein.
Die Trägerschaft für das Seniorenheim wurde 1988 an den Berliner Caritasverband übergeben. Die Betreuung der Senioren erfolgte nun durch weltliche Kräfte. Nach der Wiedervereinigung wurde die Trägerschaft für das Johanneshaus in Dallgow-Döberitz an die Johanneshaus GGmbH übertragen. Gesellschafter sind der Johannesbund Leutesdorf sowie der Caritasverband für Berlin und der Caritasverband für das Erzbistum Berlin.
Auf dem Gelände befindet sich auch die Kapelle „St. Johannes der Täufer“, die zur Katholischen Pfarrei Heilige Familie, Spandau-Havelland gehört. Dort finden für die Bewohner regelmäßig Gottesdienste statt. Seit 1999 befindet sich in unmittelbarer Nähe wieder eine Kindertagestätte in katholischer Trägerschaft – St. Martin. Akzeptanz von anderen und Empathie sind wichtige Werte der Kita, die hier den Kindern jeden Tag vorgelebt und vermittelt werden. Die enge Zusammenarbeit mit dem Seniorenheim „St. Johannes“ ist ein entscheidener Teil dieser Wertearbeit. Im Kontakt mit den Senioren erlernen die Kinder Respekt und Rücksichtnahme.
So schließt sich in der 100-jährigen Geschichte des seelsorgerischen und caritativen Wirkens katholischer Christen hier vor Ort in Dallgow-Döberitz der Kreis. Als Getaufte und Gefirmte sind insbesondere wir aufgefordert, die Zeichen der Zeit zu erkennen und die Botschaft Jesu im Hier und Jetzt zu leben. Dies ist auch Anliegen des Prozesses „Wo Glauben Raum gewinnt“ – Menschen auch heute mit der Botschaft Jesu in Berührung zu bringen. Es geht nicht um große Konzepte und Perfektion, sondern ums Wahrnehmen, Erkennen und Handeln im Alltag. Dabei kann ein Ausspruch Jesu als Leitwort gelten: „Was ihr für den Geringsten unserer Geschwister getan habt, das habt ihr mir getan.“