„Ein Katholik auf 1,2 Quadratkilometern“

Für jeden „Ort kirchlichen Lebens“ in der künftigen Prignitzer Großpfarrei wurde eine Kerze entzündet. Die Katholiken zwischen Lenzen und Wittstock sollen sich in spätestens drei Jahren zusammenschließen. Foto: Oliver Gierens

Die katholischen Pfarrgemeinden in der Prignitz zögerten ihre Fusion zu einer Großpfarrei bislang hinaus. Doch jetzt gab Erzbischof Heiner Koch in Wittenberge den Startschuss für den Prozess.

2013 veröffentlichte der damalige Erzbischof Rainer Maria Woelki die Pastoralen Leitlinien für das Erzbistum Berlin. Damit wurde ein Prozess eröffnet, an dessen Ende die Vereinigung von damals bestehenden Pfarreien zu neuen Großpfarreien steht. Auch in der Prignitz hat das jetzt Konsequenzen: Aus den drei Pfarreien St. Heinrich in Wittenberge, Heilig Kreuz in Wittstock sowie Heilig Geist in Kyritz und Neustadt/Dosse soll bis zum 1. Januar 2028 – oder eventuell ein Jahr später – eine Großpfarrei werden. Bis zur endgültigen Fusion soll es eine Entwicklungsphase geben, die am 20. Februar in der Wittenberger Pfarrkirche St. Heinrich von Erzbischof Heiner Koch eingeläutet wurde. In einem Gottesdienst schwor er die Gläubigen auf einen gemeinsamen Weg hin zu einer Fusion ein.

Die drei Pfarreien haben derzeit jeweils rund 1000 Mitglieder. Sie verteilen sich auf Gemeinden in Wittenberge, Perleberg, Havelberg, Pritzwalk, Meyenburg, Wittstock, Neustadt/Dosse und Kyritz. Selbst bei einer Fusion würden nur rund 3000 Gläubige der Großpfarrei angehören, die ihren Sitz in Wittenberge haben soll. Sie umfasst eine Fläche von gut 3600 Quadratkilometern. „Das heißt, auf 1,2 Quadratkilometer kommt ein Katholik“, bemerkte der Erzbischof nicht ohne Schmunzeln.

Zurzeit werden die Katholiken in diesem Gebiet von drei Priestern betreut: Vinsensius Visca hat im Herbst vergangenen Jahres die Pfarrei St. Heinrich in Wittenberge übernommen. Er soll leitender Pfarrer der neuen Großpfarrei werden. Pater Harold Bumann (Institut des fleischgewordenen Wortes) ist für die Pfarrei Heilig Kreuz zuständig. Heilig Geist in Kyritz und Neustadt/Dosse wird noch von Pfarrer Markus Hahn betreut, Ende des Monats wird ihn Pfarrer Markus Hartung ablösen. Hinzu kommen noch Pater Martin Conforte (Institut des fleischgewordenen Wortes), der als Kaplan in Heilig Kreuz wirkt, und die Gemeindereferentin Edeltraud Richter aus Wittstock. Laut Pfarrer Visca sollen perspektivisch nur noch zwei Pfarrer für die Großpfarrei zuständig sein, dafür aber zwei Gemeindereferenten. Außerdem soll es Verwaltungsleiter geben, die die Priester entlasten – etwa in der Immobilienverwaltung oder in kaufmännischen Angelegenheiten. Dazu werden zwei halbe Stellen geschaffen.

Wie die Pfarrei St. Heinrich in einer Pressemitteilung selbst einräumt, haben die meisten Pfarreien im Erzbistum den Pastoralen Prozess schon durchlaufen oder zumindest gestartet. Für die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Catherine Brödder ist die Fusion eine „große Herausforderung“, wie sie im Gespräch sagte. „Wir waren nicht begeistert und haben uns etwas dagegen gesträubt“, räumt sie ein.

Der Weg zu einer gemeinsamen Pfarrei werde schwierig werden, so Brödder. Trotzdem sei sie „guten Mutes“, dass der Zusammenschluss gelinge. In jeder Gemeinde gebe es engagierte Menschen. Ab sofort gehe es darum, ein gemeinsames Pastoralkonzept zu erarbeiten. Ganz verzichten sollen die Gemeinden auf ihre eigene Identität aber nicht: Neben einem gemeinsamen Pfarrgemeinderat soll es auch drei Pfarreiräte in den bisherigen Pfarrgemeinden geben.