Das Ökumenische Frauenzentrum Evas Arche in Berlin wird 30 und trifft mit seinen Angeboten seit Jahren den Nerv vieler Frauen. Damals wie heute wird das Angebot hauptsächlich von Ehrenamtlichen getragen.
Ein munteres halbes Dutzend Frauen im Rentenalter sitzt an diesem strahlenden Aprilmorgen an einer Frühstückstafel im Herzen von Berlin-Mitte. Brote, Salat, Ei und Nachtisch, Blumen und Kerzen gibt es. Auch Sekt und Pralinen. Die sind von Gisela, die Geburtstag hat. Cordula Brecht, die die Runde leitet, beglückwünscht die Jubilarin, die nicht mit der Sprache rausrückt, wie alt sie geworden ist. „Etwa 70, irgendwas Rundes, oder?“, fragt sie augenzwinkernd und alle Frauen lachen.
Die meisten kennen sich hier schon lange und sind älter. Bärbel aus Reinickendorf ist mit 78 fast ein Küken. Sie fand Zugang zu diesem „Frauenfrühstück“ von „Evas Arche“ über ihre Freundin Hanna. Hanna ist jetzt in der zweiten Frühstücksgruppe, die wegen der Pandemie eröffnet wurde. „Sonst waren wir über 20 Frauen hier“, erklärt Bärbel. Es stört sie wenig, dass sie zurzeit nicht neben der Freundin sitzt. Sie hat neue Bekanntschaften in der Runde gemacht.
Hanna kommt bald 30 Jahre zum „Frauenfrühstück“, fast so lange, wie es das „Ökumenische Frauenzentrum Evas Arche“ gibt. Auch andere Frauen sind von Anfang an dabei. Sie leben nicht nur in Mitte, sondern auch in anderen Bezirken.
Die Arche – Kommunikations-, Informations- und Beratungszentrum von Frauen für Frauen in Berlin – unterbreitet ihre Angebote nicht nur im eigenen Kiez. Sie feierte am 6. Mai ihr 30-jähriges Bestehen. Die katholische Theologin Anne Borucki-Voß, Bildungsreferentin und für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, erzählt, dass das erste Projekt des Vereins ein Krankenhaus-Besuchsdienst war. Denn das St. Hedwigs-Krankenhaus liegt nur einen Steinwurf entfernt. Dieses Projekt gibt es bis heute und es wird, wie fast alle Aktivitäten des Vereins, von Ehrenamtlichen getragen. Sie werden von zurzeit zehn Mitarbeiterinnen von „Evas Arche“ angeleitet. Finanziert werden Angestellte und Aktivitäten aus mehreren Senatstöpfen, Spenden der katholischen und evangelischen Kirche sowie der Koepjohannschen Stiftung.
Lebens-, Familienrechtsund Sozialberatung von Frauen im Fokus
Vor 30 Jahren begann alles in Räumen direkt neben der Sophienkirche. Nachdem die Zahl der Angebote und Mitstreiter wuchs, zog die Arche ein paar Meter weiter. Seit den Anfängen spielt die Ökumene eine wichtige Rolle in der Vereinsarbeit. Man sprach die Frauen mit einem vielfältigen Programm an, mit Vorträgen, Führungen, Frauengeschichtlicher Bildung. Es gab körperbezogene Kurse wie Yoga und ähnliche, die es heute in der Stadt zuhauf gibt.
Deshalb hat man sich auf die spezifische Lebens-, Familienrechts- und Sozialberatung von Frauen in Problemsituationen spezialisiert. Das wird sehr gut angenommen. Führungen, beispielsweise zum Mythos Frauen- und Männerberufe aus der Historie betrachtet, Frauenwanderungen, das Frauen-Bibel-Treffen und die „Lange Nacht der Religionen“ gehören dazu. Ebenso Projekte wie „Mobile“, in dem Ehrenamtliche pflegebedürftige Frauen zu Spaziergängen, Einkäufen und anderem begleiten. Das wurde während der Pandemie mit großem Kraftaufwand aufrechterhalten, damit die Frauen nicht vereinsamen oder ihre pflegenden Angehörigen kurze Auszeiten nehmen konnten. Eine über alle Maßen Zeit und Platz beanspruchende Arbeit, die momentan wegen der eingetroffenen Ukrainerinnen noch mehr als sonst gefragt ist, leisten Mitarbeiterinnen und Ehrenamtliche bei „Welcome-Baby-Bags“ (Willkommen- Baby-Taschen): Vermittelt durch Hebammen, Sozialarbeiterinnen, Gesundheits- oder Jugendämter können bedürftige schwangere Frauen schnell und unbürokratisch eine prall gefüllte Tasche mit Babyausstattung bekommen. Dafür wird Kleidung und Geld gesammelt. Es gibt ein großes Lager für die Spenden und der Bedarf ist riesig.
Amelie Schwermer, die dieses Projekt leitet, ist heute beim Frauenfrühstück zum „Impuls“ gekommen. Nachdem die Frauen sich gestärkt und das Neueste ausgetauscht haben, erzählt jeweils eine Mitarbeiterin von ihrem Projekt oder wichtigen Ereignissen. Amelie Schwermer fragt für die bevorstehende Jubiläumsfeier nach Erfahrungen aus den „Arche“-Anfängen. Dabei wird schnell klar, dass fast alle Frauen zu Hause allein und wirklich froh über diese Möglichkeit sind, Gleichgesinnte zum Austausch zu treffen.