Stralsund wollte sich nicht an der Kampagne Fairtrade-Stadt beteiligen. Zu Unrecht, findet Patrick Kunze, BDKJ-Referent für Vorpommern, und organisierte eine fünftägige Aktion zum Thema „Fairer Handel“.
Vor 50 Jahren haben sich evangelische und katholische Jugendverbände zusammengetan, um das Fairtrade-Siegel nach Deutschland zu holen. Seit 1992 garantiert der unabhängige Verein TransFair mit der Marke Fairtrade, dass vom Welthandel benachteiligte Bauern und Plantagenarbeiter bessere Lebensperspektiven erhalten. „Dabei ist Fairtrade das niedrigste Level, was wir anwenden können“, erläutert Patrick Kunze, BDKJ-Referent (Bund der deutschen katholischen Jugend) in Vorpommern. Eine Woche lang stand er auf dem Stralsunder Alten Markt, um über das Siegel Fairtrade aufzuklären. Auslöser für diese politische Aktion: Im Januar lehnte die Stralsunder Bürgerschaft die Initiative zur Ernennung Stralsunds zur Fairtrade- Stadt ab. Dabei wäre die Hansestadt mit diesem Siegel in guter Gesellschaft. Rostock, Schwerin, Greifswald und Zinnowitz zählen in Mecklenburg-Vorpommern zu den über 700 weltweiten Fairtrade-Towns (Städten).
Fünf Ziele müssen erfüllt werden, damit sich eine Stadt Fairtrade- Town nennen darf: In allen Sitzungen der Bürgerschaft und der Ausschüsse werden fair gehandelter Kaffee und andere Produkte verwendet. Folgender Punkt ist abhängig von der Einwohnerzahl. Für Stralsund gilt: In mindestens zwölf Einzelhandelsgeschäften und sechs Restaurants werden mindestens zwei Fairtrade-Produkte gehandelt. In öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Vereinen und Kirchen werden Produkte aus fairem Handel verwendet. Zusätzlich finden dort regelmäßig Bildungsaktivitäten zum Thema statt. Als letzter Punkt sollten die örtlichen Medien über die Aktionen der Stadt auf dem Weg zur Fairtrade-Town berichten.
Eine Demonstration für gerechte Bezahlung
Patrick Kunze konnte die Aktion auf dem Alten Markt nur als Demonstration anmelden, unter Coronabedingungen. Einmal pro Stunde erklärte er über ein Mikrofon, weshalb er mit seinen Helfern dort stand. Die Reaktionen der Bürger waren unterschiedlich. „Es gab welche, die empfanden unsere Aktion als übergriffig, bezeichneten uns als ‚Fairtrade-Sekte‘. Andere, vor allem Touristen, kannten Fairtrade aus ihrer Heimatstadt, weil diese auch Fairtrade-Town ist“, erzählte er. „Fakt ist, dass das Siegel ein niederschwelliges Level hat. Die Produzenten im globalen Süden werden unterstützt, indem ihnen eben faire Preise gezahlt werden.“ Bei Fairtrade-Produkten handelt es sich heute bei weitem nicht nur um Kaffee, Bananen oder Kakao. Auch Textilien und Fußbälle werden mit diesem Siegel produziert und gehandelt.
Die Demonstration fand in der Interkulturellen Woche der Stadt statt. So organisierte Kunze auch ein faires Frühstück im evangelischen Jugendclub und ein faires Abendessen im evangelischen Nachbarschaftszentrum Grünhufe, stellte faire Fußbälle für ein Fußballturnier und organisierte ein Kinderfest im kleinen Rahmen mit.