Die Berliner Gruppe „TheaterB“ bringt die Geschichte der heiligen Helena auf die Bühne. Anlass für die ungewöhnliche Hauptfigur ist das Patronat der Heimatpfarrei des Regisseurs.
Ein Theaterstück über Liebe, Gewalt, Macht, Muttergefühle und das Leben einer starken Frau ist zurzeit in mehreren Berliner Kirchen zu sehen. Darin wird eine entscheidende Phase für die Entwicklung des Christentums beleuchtet. Schauplatz ist das Römische Reich im vierten Jahrhundert: In der unsicheren, von politischen Brüchen geprägten Zeit haben Männer das Sagen. Der Glaube an verschiedene Götter ist üblich, doch wird bald durch die Verbreitung des Christentums und dessen Erhebung zur Staatsreligion zurückgedrängt werden. Es ist ein Ziel des Stücks, diese komplizierten Ereignisse zu ordnen, in einen historischen Kontext zu setzen und die Entstehung des Christentums einfach und bildlich zu vermitteln.
Beim Studium in Münster gründete Marcel Reuter mit Kommilitonen ein Studententheater, das er 2023 in Berlin, wo er jetzt lebt, reaktivierte. Als er erfuhr, dass seine Gemeinde als neue Großpfarrei „St. Helena“ heißen würde, recherchierte er zu dieser historisch verbürgten Frau. Schnell fesselte ihn der Stoff, obgleich er wenig direkt zu ihr, jedoch in der Biografie ihres Sohnes Konstantin einiges über sie fand.
Marcel Reuter liebt Geschichten und das Schreiben – er entwickelte eine Story, die er, eingebettet in die Historie, mit verbürgten Personen, Plätzen und Ereignissen erzählt. Helena (Pia Maria Görner), die auf der Bühne Wirtin in einer Kneipe in Nikomedia ist, entgeht mit Hilfe des Offiziers Constantinus (Marcel Reuter) den Nachstellungen von Galerius (Adrian Rosinsky). Eine Liebe entbrennt und obwohl Constantinus eine andere, seinem Stand entsprechende Frau heiratet, bekommt Helena seinen Sohn, den späteren Kaiser Konstantin. Der siegt in der berühmten Schlacht an der Milvischen Brücke über Rom, wird alleiniger Kaiser, erteilt den Christen die Glaubensfreiheit und beruft 325 das Konzil von Nizäa ein. Seine Mutter Helena wirkt bei vielen Konflikten ausgleichend mit. Nach dem Mord an ihrem Enkel wird sie nach Palästina ausziehen, Grab und Kreuz Christi finden und am Schluss des Stückes hochbetagt und zufrieden auf ihr Leben zurückblicken.
Ganze zwei Stunden füllt Marcel Reuters Theaterstück, ohne langweilig zu werden. Lieder hat er getextet und vertont, Kostüme geschneidert. Das war schwieriger als gedacht, wie er sagt. Reuter führt auch Regie. Weil die Resonanz in seiner Pfarrei St. Helena nicht so war, wie erhofft, suchte Marcel Reuter per Annoncen andere Mitstreiter. Viele meldeten sich – einigen gefiel die Trägerschaft der katholischen Kirche nicht, manche fremdelten mit dem religiösen Thema. Marcel Reuter gab aber nicht auf und formierte ein multikulturelles Ensemble. Die Akteure zeigen Enthusiasmus und Spielfreude, nicht deutschstämmige Schauspieler sind um deutliche Aussprache bemüht, damit dem Publikum nichts entgeht.
„Es hat mir gut gefallen und ich habe viel erfahren, Verbindung zur Gegenwart herstellen können“, so Ursula aus Dahlem, die mit Freundin Daniela bei einer Vorstellung dabei war. Dass Fragen bleiben, man kritisch mitdenken soll, zeigt das Fragenzeichen nach „Sancta“ im Titel des Stücks. Und ist ausdrücklicher Wunsch und Ziel für Marcel Reuter und sein Team.