Es begann auf dem Gurkenacker

Gedenktafel an die Christianisierung Pommerns auf dem Schlossberg der Stadt Usedom. Foto: Dorothee Wanzek

Als Vorsitzender des Heimatvereins der Stadt Usedom führt Günther Jikeli oft Schulklassen und Besuchergruppen durch das Inselstädtchen. Seit einigen Jahren erzählt er dabei auch einiges über den heiligen Bischof Otto.

Auf seiner ersten Missionsreise vor 900 Jahren jagten die Insulaner Otto von Bamberg davon. Der ließ sich nicht beirren und kam vier Jahre später wieder – diesmal erfolgreich. Der 79-jährige Usedomer Günther Jikeli schätzt Otto nicht nur wegen seines langen Atems. „Er war bestens vorbereitet für seine Mission“, erzählt der Hobbyhistoriker den Teilnehmern seiner Führungen. Mit der Kultur der slawischen Ureinwohner Pommerns sei der Bamberger Bischof vertraut gewesen, habe sogar ihre Sprache gekonnt. Das erleichterte ihm, sie auf friedlichem Wege, mit Argumenten, von der christlichen Botschaft zu überzeugen.

Günther Jikeli kennt die Usedomer Schauplätze, die an Otto erinnern – soweit sie bereits erforscht sind. Es sei mühselig, die Zeugnisse der drei Schreiber, die über Ottos Reisen berichteten, mit archäologischen Funden überein zu bringen, weiß er. An manchen verheißungsvollen Orten habe es bisher noch gar keine Ausgrabungen gegeben.

Klar ist, dass Otto und seine Begleiter mit ihren Schiffen dort angelegt haben müssen, wo sich heute der Jürgensee befindet. Dort gab es einen alten slawischen Handelsplatz, die sogenannte „Burgstadt Uznam“, der Wasserspiegel stand ein bis zwei Meter höher als heute. Als Kind hat Günther Jikeli oft in der Nähe des dortigen „Gurkenackers“ gespielt. „Wir haben dort manchmal heimlich Gurken ,geerntet’ und dabei alte Münzen entdeckt, die Maulwürfe an die Oberfläche gebracht hatten“, erinnert er sich. Von dort aus führt der Heimatvereins-Vorsitzende meist direkt zum Schlossberg. Eine Gedenktafel erinnert daran, dass pommersche Adelige am 10. Juni 1128 im Beisein Bischof Ottos das Christentum annahmen.

Von der Anhöhe des Berges aus deutet Jikeli auf den nahegelegenen Feuerwehrschlauchturm. An gleicher Stelle befand sich einst die St. Pauli-Kirche, die auf Ottos Initiative hin entstand. Auf einer Rinderweide vor dem Städtchen erinnert nichts mehr an das Prämonstratenserkloster Grobe, das dort Mitte des 12. Jahrhunderts gegründet wurde und 1307 einem Hochwasser zum Opfer fiel. Die Erinnerungstafel, die der Heimatverein dort aufstellte, wurde zweimal zerstört. Günther Jikeli, evangelischer Christ und mit einer Katholikin verheiratet, ärgert es, dass der Kultur und dem Glauben der Vorfahren zu wenig Respekt entgegengebracht werde. Umso mehr freut ihn das rege Interesse an seinen Führungen. Etwas aufgeregt war er kürzlich, als sich der emeritierte Erzbischof Ludwig Schick – als Bamberger ein ausgewiesener Otto-Kenner – unter seine Gäste mischte. Als er ihm anschließend anerkennend auf die Schulter klopfte, fiel ihm ein Stein vom Herzen.