Vor einem Jahr hat sich die Berliner Polizistin Lynn Kickbusch taufen lassen, im Alter von 43 Jahren. Ein Jahr später berichtet sie, wie es dazu gekommen ist – und wie der Glaube sie stärkt.
Lynn Kickbusch hatte immer das Gefühl, fast schon ein Urvertrauen, dass da etwas ist, das sie beschützt. Doch bis zu ihrer Taufe vergingen über 40 Jahre. Geboren und aufgewachsen ist sie in Ost-Berlin. Ihre Mutter ist evangelisch getauft, ihre Familie sonst aber nicht religiös. In Kirchen gingen sie erst nach der Wende. „Und auch nur an Weihnachten oder um sie zu betrachten, einfach, weil sie schön sind“, erzählt Lynn Kickbusch.
Ihr Bruder ließ sich als Jugendlicher evangelisch taufen, engagierte sich in der jungen Gemeinde, später dann im Gemeindekirchenrat. „Als Jugendliche bin dann auch mal mitgegangen in einen Gottesdienst, war auf einer Fahrt der jungen Gemeinde dabei. Aber damals ging es mir vor allem um die Gemeinschaft, weniger ums Spirituelle“, weiß Lynn Kickbusch noch.
Romwallfahrt gab den Anstoß
Das Bedürfnis nach Spiritualität stellte sich bei Lynn Kickbusch erst ein, als sie schon in ihren Dreißigern war und bei der Polizei arbeitete. Sie begann, sich mit den verschiedenen Religionen auseinanderzusetzen. Die Muslime im Kollegenkreis freuten sich, als sie interessiert nachfragte. „Mich mit dem Islam zu beschäftigen, war eine komplett neue Welt für mich. Vor allem das praktische Ausleben, etwa beim Fasten, hat mich beeindruckt“, sagt sie.
Dass die katholische Kirche ihre Heimat geworden ist, hat mit einer einschneidenden Erfahrung zu tun. Die katholische Polizeiseelsorge hatte zu einer Romwallfahrt eingeladen. Lynn Kickbusch fragte sich, was man auf so einer Wallfahrt eigentlich mache. Also fuhr sie mit. Sie erinnert sich, was sie begeisterte: „Wir haben viele Gottesdienste gefeiert und viel von der Stadt Rom gesehen. Vor allem war es aber das gemeinsame Erleben des Glaubens, zusammen zu beten und zu den Ursprüngen zurückzugehen.“
Ein Moment hat sich in ihr Gedächtnis eingebrannt. Am letzten Tag der Wallfahrt besuchte die Gruppe die Papstbasilika St. Paul vor den Mauern. „Mein Kopf war schon so voll von den vielen Eindrücken, dass ich mich weiter nach vorn gesetzt habe“, weiß Lynn Kickbusch noch. Als sie nach oben sah, erblickte sie das Mosaik von Jesus und den Aposteln. „Es hat eine solche Wärme und Freundlichkeit auf mich ausgestrahlt, mich so berührt, dass ich das Gefühl hatte, Jesus würde mich gerade persönlich ansprechen.“ Das Foto, das sie von dem Mosaik machte, hängt nun in ihrem Schlafzimmer. Sie nahm aber nicht nur das Bild nach Hause. „Sondern auch das ganze Gefühl, das ich damals hatte“, so Lynn Kickbusch.
Immer eng begleitet worden
Zu Hause kam ihr der Gedanke, sich taufen zu lassen. „Er war spontan in meinem Kopf, aber die Entscheidung ist ja über längere Zeit in mir gereift. Dann hat es sich einfach richtig angefühlt“, erklärt Lynn Kickbusch. Geholfen hat ihr auf ihrem Weg, dass sie stets Gefährten an ihrer Seite wusste, die ihr offen und herzlich begegneten: „Bei mir waren das Menschen wie Polizeiseelsorger Frank-Peter Bitter oder Klaudia Höfig von der interkulturellen Pastoral, aber auch Lissy Eichert und Pater ‚Kalle‘ Lenz aus St. Christophorus hier in Berlin-Neukölln.“
Die Taufe an sich beschreibt Lynn Kickbusch als „gar nicht so spektakulär, wie man sich das vielleicht denkt“. Sie hatte sich bewusst für die Vorabendmesse in der kleineren Kapelle der Christophoruskirche entschieden. „So waren wir näher beieinander, es war ein intimerer Rahmen.“ Sie freute sich, wer alles gekommen war: ihre Mutter und ihr Bruder, auch viele ihrer Freunde. „Auch die, die mit Kirche sonst nicht viel zu tun haben, weil sie spüren, dass mich der Glaube stärkt.“
Gott hat Leerstelle gefüllt
Ihr Glaube ist ihr auch beruflich eine Stütze geworden. „Als Polizistin begleitet man Menschen mit schweren Schicksalen in teilweise sehr schweren Stunden.“ Sie wolle sich ein Beispiel daran nehmen, wie Jesus auf die Menschen zugegangen sei. Die geistlichen Angebote für sie und ihre Kollegen auf der Dienststelle findet sie wichtig – und engagiert sich auch deshalb im Beirat der katholischen Polizeiseelsorge. „Wir unterstützen den Polizeiseelsorger bei der Organisation und halten ihn auch auf dem Laufenden, was die Kollegen gerade besonders beschäftigt.“
Gott, stellt Lynn Kickbusch fest, hat eine Leerstelle in ihr und ihrem Leben gefüllt. Dieses Gefühl wünscht sie auch ihren Mitmenschen. „Wir sind ja in einer schnelllebigen Zeit, die viel von Äußerlichkeiten lebt“, sagt sie. Den Blick zu weiten, „aus einem selbst heraus“, könne vielen guttun. „Und zu sehen: Ich bin dabei nicht allein.“