„Es hat uns alle überrascht“

Engagieren sich gern (von links): Dithield Rossow, Nathalie Erft, Irene Wilcke, Ingrid Schacht und Gudrun Schwarz in der „Wegwarte“ des Freiwlligenzentrums der Caritas Anklam. Foto: Anja Goritzka

Das Freiwilligenzentrum der Caritas in Anklam erhielt den diesjährigen Diözesanpreis der Katholiken im Erzbistum. Das Engagement der Ehrenamtlichen reicht vom Nachbarschaftstreff bis zum Sprachunterricht.

Das Freiwilligenzentrum der Caritas in Anklam mit ihrem Nachbarschaftstreff „Wegwarte“ erhielt den diesjährigen Diözesanpreis der Katholiken im Erzbistum Berlin. Er ist mit 2000 Euro dotiert. Im April wird der Preis bei der Diözesanvollversammlung in Greifswald übergeben. Die Ehrenamtlichen freuen sich schon darauf.

„Dass wir den Diözesanpreis 2023 erhielten, hat uns alle sehr überrascht“, gibt Axel Kühl zu. Er arbeitet bei der Caritas im vorpommerschen Anklam. Hier ist das Freiwilligenzentrum mit dem Treffpunkt „Wegwarte“ ansässig. 25 bis 30 Ehrenamtliche engagieren sich in der Kleinstadt an der Peene in unterschiedlichen Gruppen: Unter anderem gibt es Sprachkurse für Geflüchtete, einen Töpfer-, einen Näh-, einen Strick-, einen Malkurs für ukrainische Kinder und einen Umsonstladen. Ein internationaler Radtreff lädt seit 2016 regelmäßig zu Ausflügen ein. Einmal im Monat lädt die „Wegwarte“ zum gemeinsamen Frühstück und viele Ehrenamtliche bringen etwas für das Büfett mit, meist selber gebacken oder gekocht. „Die Angebote variieren auch immer mal wieder. Wenn jemand eine Idee hat, kann er gerne auf uns zukommen“, sagt Axel Kühl.

Während der Corona-Pandemie war auch das Anklamer Freiwilligenzentrum von Einschränkungen betroffen. Manche Angebote wie die Schülerhilfe waren nicht mehr machbar. „Jetzt sind wir froh, dass die Ehrenamtlichen wieder kommen“, so der Caritasmitarbeiter.

Mützen und Handschuhe für Förderschule

2008 wurde das Freiwilligenzentrum in Anklam eröffnet, 2013 folgte der Nachbarschaftstreff „Wegwarte“. Seit 2014 gibt es das „Strickcafé“ geleitet von Ingrid Schacht. Zehn bis 12 Frauen stricken gemeinsam Mützen, Handschuhe, Socken. Aber nicht für sich selber, sondern für Einrichtungen der Stadt. „Vor Corona hatten wir immer die Säuglingsstation des Krankenhauses mit Mützchen versorgt. Letztes Jahr haben wir Mützen und Handschuhe für die Förderschule ‚Kleeblatt‘ gestrickt“, erzählt Ingrid Schacht.

Irene Wilcke stellt im Nähprojekt mit anderen Ehrenamtlichen derzeit Nesteldecken für an Demenz erkrankte Menschen her. „Das Seniorenheim, was wir angefragt hatten, freut sich schon auf die Decken“, sagt die 73-Jährige. Als sie 2016 in den Ruhestand ging, erfuhr sie, dass es in der Wegwarte Nähmaschinen gab. „Ich habe viele Interessen, nicht nur Handarbeit, aber irgendwann wird es daheim zu viel. Es ist wunderbar, dass wir hier nicht nur für uns nähen, sondern eben auch für andere“, sagt sie. Die Nähmaschinen, die damals im Freiwilligenzentrum standen, schaute sich Irene Wilcke genau an. Zwei alte konnten bleiben, zwei neue Exemplare wurden dazu gekauft. Regelmäßig treffen sich seitdem fünf bis sechs Frauen zum Nähen.

Auch für die Arbeit mit Geflüchteten ist Platz im Freiwilligenzentrum. Eine Privatinitiative rund um den heute 80-jährigen Rolf Köhler bot schon vor 2015 in der Anklamer Südstadt Deutschkurse an. Dann sollten sie für ihre genutzten Räume Miete zahlen. Die Caritas bot ihre Räumlichkeiten an. Zehn Lehrer unterrichten seitdem Geflüchtete aus Syrien, Afghanistan, Irak, der Ukraine. „Wir liegen zwar nicht in der Innenstadt, aber doch sehr zentral, sind für alle gut erreichbar“, meint Axel Kühl. „Das Unterrichten macht Freude, wenn wir sehen, dass sie sich Mühe geben“, ergänzt Gudrun Schwarz zu ihrer Arbeit als Deutschlehrerin.

Unterstützung der Ehrenamtsstiftung

Die Anklamer Caritas indes sucht immer wieder Unterstützer für die vielfältigen Projekte des Freiwilligenzentrums. „Wir sind natürlich Ansprechpartner, bewerben uns aber auch bei unterschiedlichen Förderern“, sagt Kühl. Die Nähgruppe wird deshalb das dritte Jahr in Folge von der Ehrenamtsstiftung Mecklenburg- Vorpommern mit 1000 Euro unterstützt. Der internationale Radtreff konnte sogar mit Unterstützung des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ eine kleine Broschüre heraus bringen, mit vielen Fotos und Rezepten: „Radeln & Marmeladeln rund um Anklam“. Helfen und Unterstützen ist für alle die treibende Kraft. So ein Preis wie der des Diözesanrates der Katholiken des Erzbistums Berlin dabei eine hohe Anerkennung.