Fair ist, Armut zu lindern

Foto: Nicolas Villaume

„Was ist denn fair?“, fragt der Weltgebetstag der Frauen und stellt dieses Jahr die Philippinen in den Mittelpunkt. Die Berlinerin Maike Majewski reiste auf einer Studienreise der kirchlich gegründeten Genossenschaft Oikocredit dorthin.

Frau Majewski, Sie waren zum ersten Mal auf den Philippinen. Was hat Sie dort bewegt?

Ich war nicht das erste mal in einem Dritte-Welt-Land, aber es war das erste Mal, dass ich in die
Häuser hineingehen durfte. Zu sehen, unter welchen Umständen Menschen leben – was die Armutsgrenze
von 1,25 Dollar bedeutet. Ich bin ja auch Mutter. Da reinzugehen und mir vorzustellen, ich müsste jeden Tag leben und arbeiten wie diese Frauen dort.

Wie sieht das denn aus?

Die ganz Armen kochen auf einem Metallring, in den das Holz von der Seite reingeschoben wird; oft für die ganze Großfamilie. Viele haben keine Toilette und für das Wasser nur eine Handpumpe auf dem Hof. Die Hütten haben keinen festen Boden und ganz dünne Wände. Viele haben kaum Möbel, man schläft auf Pappe auf dem Fußboden. Aber die Philippinen sind ja ein tropisches Land. In der Regenzeit oder bei Taifunen wird alles nass oder stürzt sogar ein.

Oikocredit fördert dort Frauen. Wie kann ich mir das vorstellen?

Oikocredit hat Länderbüros im globalen Süden, in denen einheimische Mitarbeiter vor Ort unsere Partnerorganisationen mit Finanzierungen und Beratung unterstützen. Wir haben einige davon besucht und ich konnte sehen, welchen Unterschied gut betreute Mikrokredite machen können. Außerdem gibt es Agrargenossenschaften, durch die Kleinbauern gemeinsam auf dem Markt besser bestehen. Überrascht hat mich, dass wir auch ausgesuchte mittelständische Betriebe unterstützen. Die zahlen nicht nur Steuern, sondern bieten vor allem faire Arbeitsplätze für Menschen, die zum Beispiel wegen ihrer Armut nur die Grundschule besucht haben. Und es gibt bei allen Partnern Versicherungen und Gesundheitsversorgung, das ist ganz wichtig.

Kommen wir auf die Frauen zurück.......

Häufig werden Mikrokredite an Gruppen von je fünf Frauen vergeben, weil die Frauen oft die Familienfinanzen im Griff haben. Dafür bekommen sie von unseren Partnern Schulungen, zum Beispiel in
Buchhaltung. Von manchen Partnern werden aber auch Männer unterstützt. Auf den Philippinen führen die Ehepartner ihren Betrieb nicht selten gemeinsam und teilen sich die Arbeit.

Gibt es eine Lebensgeschichte, die Sie besonders berührt hat?

Ja, da war Teresa Tomaro: Sie hatte so eine ganz einfache Hütte. Mithilfe ihrer Kreditgruppe erwirtschaftete sie innerhalb von zehn Jahren so viel, dass sie ein festes Haus mit einem kleinen Laden bauen konnte. Vor kurzem hat sie mit einem größeren Kredit ihrem Mann einen gebrauchten Lastwagen gekauft, mit dem er jetzt Transporte anbietet. Das ist ein enormer Fortschritt.

Das Motto des Weltgebetstags ist in diesem Jahr „Was ist denn fair?“ Haben Sie auf Ihrer Reise eine Antwort gefunden?

Für mich ist es fair, wie unsere Partnerorganisationen den Menschen auf Augenhöhe begegnen, auch wenn sie noch so arm sind. Sie bekommen transparente, faire Verträge und es wird darauf geachtet, dass sie sich nicht überschulden. Ohne Mikrofinanz müssten diese Menschen bei illegalen Geldverleihern Wucherzinsen zahlen. Fair ist auch, wenn Entwicklungszusammenarbeit das Ziel hat, dass die Menschen
möglichst bald keine Hilfe mehr benötigen. Und diese Hilfe zur Selbsthilfe funktioniert offensichtlich. Bei unserem Partner „Negros Women for Tomorrow Foundation“ (NWTF) kommen 30 Prozent der Kundinnen innerhalb von fünf Jahren über die Armutsgrenze und können für ihre Grundbedürfnisse aus eigener
Kraft sorgen: ein festes Dach, Kleidung, Hygiene, jeden Tag essen und Schulbildung für die Kinder. Unfair finde ich es, wenn sich Wohlhabende, die es auch auf den Philippinen gibt, nicht an der Überwindung
extremer Armut in ihrem Land beteiligen. Hier bei uns gibt es dafür steuerfinanzierte Sozialsysteme. Als Anlegerin bei Oikocredit kann ich zumindest ein wenig von dem Glück teilen, dass ich in so einem Land
geboren wurde.

Fragen: Cornelia Klaebe

Infos: <link http: www.oikocredit.de>www.oikocredit.de Wer Maike Majewski zu einem Vortrag einladen will, wendet sich an den Oikocredit Förderkreis Nordost (0 30 / 68057150).

Zur Sache:

Mit der Philippinischen Gemeinde

Zusammen mit Frauen der Philippinischen Gemeinde lädt das ökumenische Vorbereitungsteam
aus Frauen in Westend zum Weltgebetstag am 3. März in die Heilig-Geist-Kirche, Bayernallee 29, Berlin-Charlottenburg ein. Die schönen Seiten des Landes werden dargestellt, aber auch die zahlreichen Probleme. Um 19.30 Uhr beginnt das Einsingen der Weltgebetstagslieder, nach dem Gottesdienst um 20 Uhr findet eine Begegnung mit landestypischen Köstlichkeiten im Pfarrsaal statt.
Weitere Gottesdienste unter:<link wgt> www.erzbistumberlin.de/wgt