Migrationsberaterin der Caritas in Anklam engagiert sich Leonie Vangelista unter anderem für Familienzusammenführung. Zudem vertritt sie seit kurzem die katholische Kirche in Mecklenburg-Vorpommerns Härtefallkommission.
„Ich wünschte, ich könnte mehr Beratung anbieten. Derzeit müssen Migranten einen Monat auf einen Termin warten“, erzählt Leonie Vangelista am Rande des Gemeindefrühstücks zum Weltflüchtlingstag in Anklam. Die junge Frau ist seit anderthalb Jahren im dortigen Regionalzentrum in der Migrationsberatung für Anklam und Wolgast tätig. 24 Jahre alt ist sie, hat Soziale Arbeit in Berlin studiert und sich auch dort schon für Flüchtlinge engagiert. Durch ihren Freund kam sie nach Greifswald und wurde auf die Stelle bei der Caritas in Anklam und Wolgast aufmerksam. Vor dem Studium absolvierte sie Praktika bei der Caritas in Rheinland-Pfalz. „Ich bin ländliche Strukturen also gewohnt“, sagt sie lächelnd. Migration spielt auch in ihrer Familie eine Rolle: Ihr Großvater kam aus Italien nach Deutschland und blieb.
Neue Aufgabe in der Härtefallkommission
Jetzt übernahm Leonie Vangelista von Ulrich Höckner, früher Leiter des Caritas-Regionalzentrums und seit 2021 im Ruhestand, den Sitz der katholischen Vertretung in der „Härtefallkommission“ des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Acht Vertreter der Kirchen, Flüchtlingsorganisationen, Wohlfahrtsverbände, kreisfreien Städte und Landkreise sowie der Landesregierung beraten hier über geplante Abschiebungen. „Wir schauen, wie die Menschen integriert sind und stellen dann ein Ersuchen an den Staatsminister“, so Leonie Vangelista. Derzeit betreffen diese Fälle Ukrainer und Afghanen, häufig ganze Familien. In diesem Jahr traf sich die Kommission bis jetzt zweimal, beriet sich über vier Schicksale. Der Migrationsbereich beim Regionalzentrum Anklam ist indes gerade durch den Krieg in der Ukraine gewachsen. In jedem Regionalzentrum im Erzbistum wurde in kürzester Zeit ein Koordinationszentrum speziell für Flüchtlinge aus der Ukraine eingerichtet. „Da haben wir aus den Erfahrungen von 2015 definitiv gelernt“, meint Ulrick Höckner. „Aus der Ukraine kommen ja meist Frauen, Kinder und alte Menschen. Da ist auch die Bereitschaft zu helfen größer. Zudem leben im östlichen Vorpommern viele Polen, die wiederum enge Kontakte in die Ukraine pflegen.“
Nahost-Flüchtlinge nicht vergessen
Dennoch mahnt er, den Blick für afghanische, irakische und syrische Flüchtlinge nicht zu verlieren. Bei vielen, die schon zwei oder drei Jahre in Deutschland seien, hinge das jeweilige Verfahren in der Luft. Sie hätten keinen Aufenthaltstitel, dürften ohne diesen keinen Deutschkurs besuchen, geschweige denn einer Arbeit nachgehen. „Die Situation für syrische Familien, die auf Zusammenführung warten, ist immer noch dramatisch“, sagt Höckner. So müsse die Antragstellung innerhalb eines Jahres erfolgen, weil die Dokumente sonst ihre Gültigkeit verlören. „Das ist eine hohe Belastung für die Väter, die hier leben.“
Leonie Vangelista hofft bei ihrer Arbeit in der Härtefallkommission auf eine Idee der Bundesregierung: Ein Chancen-Aufenthaltsrecht soll Menschen, die sich schon mehr als fünf Jahre in Deutschland aufhalten, einen Aufenthaltsstatus für ein Jahr auf Probe einräumen. Die beiden großen Kirchen werteten den Gesetzesentwurf in einer gemeinsamen Stellungnahme als „wichtiges Signal“, kritisierten jedoch „unzureichende Regelungen für den Familiennachzug“, von denen gerade Nicht-Fachkräfte benachteiligt seien. „Um die Familie auch von Schutzsuchenden als lebenswichtige Einheit zu bewahren, ist es uns ein Kernanliegen, dass der Familiennachzug beschleunigt wird.“