Freude trotz Trennungsschmerz

Schwester Ute im Wilhelmshorster Seniorenzentrum. Foto: Andrea von Fournier

Als einzige Dominikanerin aus Michendorf ist Schwester Ute in der Region geblieben. Noch heute engagiert sie sich vielfältig für ihre Pfarrgemeinde St. Cäcilia und die Bewohner ihres Seniorenzentrums in Wilhelmshorst.

Schwester Ute hat zwei Stühle in den Halbschatten gerückt, den die alten märkischen Kiefern auf Sitzgruppen, Hochbeete und ein Wasserbassin werfen. Ein Idyll im Wald, wohlriechend und voller Vogelgezwitscher, in dem die Dominikanerin seit drei Jahren lebt. „Voller Dankbarkeit über dieses Glück“ bewohnt die 77-Jährige ein Zimmer mit Bad im „Seniorenzentrum St. Elisabeth“ der Alexianer im Michendorfer Ortsteil Wilhelmshorst. Gegenüber liegt das „Haus Immaculata der Mägde Mariens“. Die Gegend fühlt sich fast wie ein Ort kirchlichen Lebens an. Aber doch nicht so, wie Schwester Ute es sechs Jahrzehnte lang gewöhnt war.

2019 war sie aus ihrem Konvent am Michendorfer Wolkenberg ausgezogen. Das Terrain mit dem „St. Norbert-Haus“, in dem Arenberger Dominikanerinnen seit den 1940er Jahren Kranke, Verwundete und später geistig behinderte Kinder und Jugendliche gepflegt, umsorgt und gefördert hatten, ging wegen der Überalterung der Schwestern in die Trägerschaft des Deutschen Ordens über. Vier von Schwester Utes Mitschwestern sind nun im „Ruhestand“ in Koblenz. Sie selbst entschied sich, in der Nähe ihrer Wirkungsstätte zu bleiben. Viel verbindet sie bis heute mit der Pfarrei St. Cäcilia in Michendorf, auch, weil die Pfarrkirche, die kleine St.-Josef-Kapelle, auf dem Wolkenberg steht.

Erst Kindergärtnerin, dann Heilpädagogin

Schwester Ute ist ein Freigeist. Im Oktober 1945 als Helga Klann in Berlin-Müggelheim geboren, war ihr die Ökumene schon immer Herzensangelegenheit. Das mag auch an ihrer katholischen Mutter und ihrem evangelischen Vater liegen.

Gern hätte Schwester Ute einen Beruf erlernt, der mit Geschichte und Kultur zu tun gehabt hätte, doch das Abitur war einer Katholikin in der DDR nur selten möglich. Auch eine Beschäftigung als Kindergärtnerin erschien ihr anstrebenswert. In Erfurt und Michendorf bildete die Caritas Erzieher für katholische Kindergärten und Heime aus. Bei der Aspirantur im Katharinenstift Berlin-Prenzlauer Berg begegnete sie den Dominikanerinnen. Erstmals stellte sie sich die Frage, ob das ein Leben für sie wäre.

Sie wurde zur Erzieherin ausgebildet, machte 1966 ihr Examen und kam nach Michendorf. Sie wollte ins Kloster eintreten. Kardinal Alfred Bengsch riet ihr aber, zuvor noch ein Jahr Erfahrungen zu sammeln. „Dafür bin ich ihm sehr dankbar“, sagt sie. Nach der ersten Profess wurde sie für sechs Jahre wieder ins Katharinenstift versetzt. „Das war doppelt schrecklich. Ich brauchte Feld und Wald und hatte Sehnsucht nach Michendorf.“ Gelernt hat sie in der Zeit jedoch viel, ihre Persönlichkeit reifte.

Nach der Ewigen Profess 1976 kam sie zurück in den Michendorfer Konvent. Von 1983 bis 1991 unterrichtete sie im Kindergärtnerinnen- Seminar und bei allem, was es zu tun gab, hieß es: „Schwester Ute kann das!“ Ab 1991 begann sie auf Empfehlung ihrer Generaloberin in Burgwedel eine Heilpädagogen-Ausbildung. „Eine der schönsten Zeiten meines Lebens“, sagt sie. Nachdem der Deutsche Orden 1997 das Norbert-Haus übernommen hatte, änderte sich der Einsatz für die Dominikanerinnen völlig. Schwester Ute fand bei der Caritas ab 1998 eine neue Herausforderung in einer heilpädagogischen Beratungsstelle in Beelitz. Dann meldete sich ihr Körper vehement, sie musste viele Operationen an Rücken und Knien erdulden. Ständige Schmerzen, und Gehen an Krücken ließen sich nicht mit dieser Arbeit vereinen.

Von 2005 bis 2018 erledigte sie, in der Klausur lebend, Schreibarbeiten für die Oberin, bastelte Karten für den Klosterladen, Kerzen für umliegende evangelische und katholische Kirchen – beides bis heute – und kümmerte sich verstärkt um den Alltag der Michendorfer Pfarrgemeinde St. Cäcilia. Sie rief die Kinderkirche ins Leben, gestaltete das Schaufenster. „Weil immer nur für die Jugend viel gemacht wird“, so Schwester Ute, gründete sie 2005 einen ökumenischen „Gesprächskreis 50 plus“. Der ist bis heute auch bei Nicht-Gläubigen beliebt, denn Themen von Gott und der Welt kommen aufs Tapet.

Hohes Engagement auch im Alter

2019 bekam Schwester Ute ihr neues Domizil in Wilhelmshorst angeboten. Ihre Mitschwestern sind 2020 ins Mutterhaus gezogen. Wann immer möglich, besucht sie die heilige Messe auf dem Wolkenberg, sonntags trifft man sie im Gottesdienst der evangelischen Dorfkirche Wilhelmshorst. Die Zeit dazwischen ist angefüllt mit Schreibarbeiten, so für das „Hausgottesdienstangebot“ während der Coronazeit. Sie dekoriert Tische im Heim, bietet mit dem Personal einen Bastelnachmittag an und sucht das Gespräch mit neuen oder belasteten Mitbewohnern, wenn es nötig scheint. Gerade hat sie auf der Landesgartenschau in Beelitz einen katholischen Tag vorbereitet und mitbegleitet.

Dass es nun „Easy“ in ihrem Alltag gibt, ihren elektrischen Rollstuhl, den sie in die Kirchen der Umgebung, aber auch einfach nur in den Wald zum Lauschen bringt, ist ein großes Glück. Doch die Sehnsucht nach ihren Mitschwestern, nach Gemeinschaft und geistlichem Austausch wird bleiben, da ist sich Schwester Ute sicher.